Früherer Teamchef lobt Michael Stich: Pilic: "Boris Becker hat alles kaputt gemacht"

Früherer Teamchef lobt Michael Stich
Pilic: "Boris Becker hat alles kaputt gemacht"

Drei Mal hat Niki Pilic Deutschland zum Gewinn des Daviscups geführt, aber in dieser Woche wird der 62-Jährige selbst auf seinen langjährigen Weggefährten Michael Stich keine Rücksicht nehmen. "Daviscup ist immer ein Spiel der Emotionen. Aber das ist ein ganz besonderes Spiel und ein komisches Gefühl für mich. Michael war mein Spieler. Mit ihm habe ich 1993 den Daviscup gewonnen. Ich war sein Privat-Trainer, als er Nummer 2 in der Welt war. Aber so wie ich früher 100 Prozent hinter den Deutschen stand, so gebe ich jetzt 100 Prozent für Kroatien", sagte der gebürtige Jugoslawe der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor der brisanten Erstrunden-Begegnung in der Weltgruppe zwischen Kroatien und Deutschland von Freitag bis Sonntag in Zagreb.

dpa MÜNCHEN. "Egal, wie das Spiel ausgeht, mein Verhältnis zu Michael bleibt davon unberührt. Wir haben immer eine gute Beziehung gehabt. Ich habe Michael sehr viel geholfen, als es nötig war", bemerkt Pilic. Hilfestellung darf der Elmshorner bei seinem Debüt als deutscher Kapitän von Kroatiens Teamchef nicht erwarten. "Ich bin Profi. Ich hasse es zu verlieren - und Michael wahrscheinlich auch", sagt der am 27. August 1939 in Split geborene und in München lebende Pilic.

Dem inzwischen 33-jährigen Stich traut er als Daviscup-Kapitän einiges zu, jedenfalls mehr als Boris Becker, der ihn im Herbst 1997 unsanft beim Deutschen Tennis Bund (DTB) aus dem Amt gedrängt hatte. "Es ist nicht schwer für Michael, erfolgreicher zu sein als Boris", meint Pilic: "Sie haben einen unterschiedlichen Charakter. Man muss bei Becker trennen: Er war ein genialer Spieler, aber als Funktionär hat er keinen Willen und keine Zeit für diesen Job gehabt. Michael dagegen kann etwas bewegen. Er kann eine Respektsperson für die Spieler werden. Er ist intelligent. Er hat Wimbledon und den Daviscup gewonnen. Er hat sicherlich auch etwas von mir gelernt."

Pilic hatte Stich schon damals, als das Ende seiner Amtszeit als DTB-Teamchef nahte, als seinen Nachfolger im Visier. Becker dagegen war für ihn zumindest in dieser Position eine krasse Fehlbesetzung. "Ich kenne Becker sehr gut. Er hat einen sehr großen Namen. Es war wichtig, dass er im deutschen Tennis bleibt, aber nicht in der Form, wie er es wollte", sagt Pilic und stellt seinem Nachfolger ein vernichtendes Zeugnis aus: "Ich denke, er hat sehr viel kaputt gemacht in den zwei Jahren als Teamchef. Alles, was ich mit meinen Mitarbeitern in 16 Jahren gemacht habe, hat er schön kaputt gemacht."

Erfahrene DTB-Trainer wie B-Kader-Coach Karl Meiler mussten während der kurzen Ära Becker gehen. Der Daviscup verschwand auf Geheiß von Becker im Bezahl-Fernsehen ("Premiere"). "Ratgeber oder Repräsentant ist eine Aufgabe für Becker", findet Pilic.

"Aus Becker Fehlern lernen"

Stich rät er, auch aus Beckers Fehlern zu lernen. Regel Nummer eins für einen Daviscup-Kapitän heißt laut Pilic: "Man darf als Kapitän nicht in der ersten Reihe stehen. Das war unmöglich für Becker. Die Bühne gehört aber den Spielern."

In Zagreb hätte sie bei Stichs Debüt Thomas Haas gehören sollen. Doch nach der Absage des deutschen Spitzenspielers ist Kroatien mit Wimbledonsieger Goran Ivanisevic klarer Favorit. Den Streitfall Haas kontra DTB-Präsident Georg von Waldenfels kommentiert Pilic nur mit einem Satz: "Früher hatte der DTB Geld, jetzt hat er keines."

Pilic als Kapitän und Ivanisevic als unantastbare Nummer eins bilden in Kroatien ein erfolgreiches Doppel. Binnen zwei Jahren führte Pilic Kroatien aus der 3. Liga zurück in die Weltgruppe. Sein Vertrag ist unbefristet, aber er weiß schon genau, wann und für wen er Platz machen wird: "Ich mache das nur solange, bis Ivanisevic aufhört zu spielen. Danach muss er auf meinen Posten rücken."

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