Frühjahrs-Ausblick lässt höhere Inlandsnachfrage erwarten
IWF rechnet nicht mit ausgeglichem Haushalt

Im Windschatten einer 2003 anziehenden Konjunktur kann Deutschland nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zwar auf einen Rückgang der staatlichen Defizitquote hoffen.

WASHINGTON/FRANKFURT. Ein Haushaltsausgleich im Jahr 2004 wäre dem IWF-Frühjahrsausblick zufolge aber kaum zu erreichen. Nach dem IWF-Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt und der am Mittwoch vorgestellt wird, muss Deutschland 2002 mit einem gesamtstaatlichen Defizit von 2,7 % des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) rechnen. 2003 würde die Quote der IWF-Prognose zufolge auf 2,0 % sinken. Die Zahlen sind deutlich höher als die Ziele der Bundesregierung im Stabilitätspakt mit 2,0 % in diesem und 1,0 % im nächsten Jahr. Während die Bundesregierung außerdem einen Rückgang der Schuldenquote erwartet, ist laut IWF mit einem Anstieg auf 61,4 % im Jahr 2003 zu rechnen.

Der für 2004 angestrebte Haushaltsausgleich im Gesamtstaat lässt sich nach Ansicht der Bundesbank nur durch größere Konsolidierungsanstrengungen erreichen. Solle auch die Abgabenbelastung weiter gesenkt werden, sei eine umso stärkere Begrenzung des Ausgabenanstiegs erforderlich, heißt es im Geschäftsbericht 2001. Nachhaltige Einsparungen fordert die Bundesbank durch Personalabbau im öffentlichen Dienst, aber auch Eingriffe in bisherige Leistungen - vor allem in solche, die die privaten Anreizstrukturen erheblich verzerrten.

Der IWF rechnet mit einer "deutlichen Beschleunigung" der wirtschaftlichen Aktivitäten im Jahresverlauf. Demnach klettert die deutsche Wachstumsrate von 0,9 % in diesem auf 2,7 % im nächsten Jahr. Getragen wird der Aufschwung von einem deutlichen Anstieg der Inlandsnachfrage: Sie zieht von 0,8 % auf 2,6 % an. Auch der Export kommt wieder auf Touren. Nach einer Wachstumsdelle von 2,6 % in diesem Jahr nimmt er im nächsten Jahr um 6,9 % zu. Die Importe steigen um 2,5 % bzw. 7,0 %.

Die deutschen Lohnstückkosten, die 2002 um 0,2 % sinken, bleiben 2003 unverändert. Die Inflationsgefahr sieht der IWF als gering an: Die Verbraucherpreise steigen nur leicht um 1,5 % in diesem und 1,2 % im nächsten Jahr. Allerdings hat der Fonds die Zahlen gegenüber seinem Herbst-Ausblick um 0,2 Prozentpunkte nach oben revidiert, was auf die aktuelle Ölpreisentwicklung zurückzuführen sein dürfte.

Während die USA Schrittmacher für die Weltwirtschaft sind, fasst die Euro-Zone nur langsam wieder Tritt. Nach dem IWF-Bericht schwächt sich das Wachstum zunächst von 1,5 auf 1,4 % ab, bevor es sich 2003 auf 2,9 % beschleunigt. Die Inflation beruhige sich von 1,9 % in diesem auf 1,6 % im nächsten Jahr. Das gesamtstaatliche Defizit sieht der IWF von 2,6 % des BIP auf 2,1 % im nächsten Jahr sinken.

Kleiner Lichtblick für Japan: 2003 soll die Wirtschaft aus der Rezession herauskommen und nach-1 % um 0,8 % wachsen. Möglich wird dies durch einen kräftigen Export-Anstieg von 7,4 % nach 1,7 % Plus in diesem Jahr.

Mitarbeit: M. Kurm-Engels und E. Lehari

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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