Frühjahrsgutachten: Globale Konjunktur kommt nur moderat in Schwung: Terrorangst bremst Weltwirtschaft auf Dauer

Frühjahrsgutachten: Globale Konjunktur kommt nur moderat in Schwung
Terrorangst bremst Weltwirtschaft auf Dauer

Der Irak-Krieg neigt sich dem Ende zu - und trotzdem geben sich die Ökonomen der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute zurückhaltend. Die Erholung der Weltwirtschaft dürfte "insgesamt verhalten ausfallen", schreiben sie in ihrem gestern veröffentlichten gemeinsamen Frühjahrsgutachten.

pbs DÜSSELDORF. Einer raschen Expansion stünden gleich mehrere Faktoren entgegen: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center und das Pentagon sei das Vertrauen von Investoren und Konsumenten in die Stabilität der Weltwirtschaft dauerhaft gesunken. Außerdem führe die Furcht vor neuen Anschlägen auch in Zukunft zu höheren Sicherheitsaufwendungen. Das verringere die Rentabilität von Unternehmen, insbesondere in der Luftfahrt und im Tourismus. Zudem sehen die Forscher "dämpfende Effekte" durch den relativ starken Rückgang der Aktienkurse in jüngerer Zeit.

Zündkerze eines globalen Aufschwungs bleibt aus Sicht der Ökonomen die US-Konjunktur. Sie rechnen mit einem Wachstum des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von real 2,4 % in diesem Jahr - das wäre die gleiche Rate wie 2002. Allerdings würde das Wachstum ohne die zusätzlichen Staatsausgaben zur Finanzierung des Irak- Krieges deutlich niedriger ausfallen, geben die Ökonomen zu Bedenken.

Skeptisch äußern sie sich auch über den privaten Verbrauch in den USA. Er werde im laufenden Jahr "schwach bleiben", weil sich am Arbeitsmarkt "keine durchgreifende Besserung" abzeichne. Zudem deute sich eine Verschlechterung der Lage am privaten Immobilienmarkt an. Der private Konsum war bisher die wichtigste Stütze der amerikanischen Konjunktur, auf ihn entfallen etwa zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung. Bisher hatten die stetigen Preissteigerungen am US-Immobilienmarkt die Vermögensverluste der Amerikaner am Aktienmarkt ausgeglichen. Die von der US-Regierung geplanten Steuer-Entlastungen dürften aber letztlich doch zu einem leichten Anstieg des US-Konsums führen.

Das Risiko einer Deflation - also dauerhaft sinkender Preise und schrumpfender Wirtschaftsleistung - halten die Wirtschaftsforscher sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone für gering. Ernster nehmen sie die Gefahren, die aus einem weiteren Anstieg des US-Leistungsbilanzdefizits entstehen könnten. Das Minus summierte sich im vergangenen Jahr auf 4,6 % des BIP und werde bis 2004 "deutlich" steigen. "Nähmen die Investoren beispielsweise das steigende Defizit des Staates als Hinweis für verschlechterte Wachstumsbedingungen in den USA, könnte es zu einer abrupten Abwertung des US-Dollar kommen, welche die Erholung insbesondere im Euro-Raum und in Japan belasten würde", heißt es im im Gutachten.

Aber auch ohne diese Gefahren seien die Perspektiven für den Euro-Raum recht mau. Zwischen den Zeilen des Gutachtens schreiben die Ökonomen, dass sie erste Anzeichen für eine deutlich höhere Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe sehen. Insbesondere die kurzfristigen Kreditzinsen würden nur zögerlich sinken. Weil die Aufwertung des Euros gegenüber dem US- Dollar aber vermutlich "allmählich schwächer" werde, dürfte sich das Investitionsklima verbessern. Letztlich werde die Entwicklung im Vergleich zu vergangenen Aufschwüngen aber verhalten bleiben. Das BIP werde zwar 2004 um 2,3 % wachsen. Allerdings habe das kommende Jahr deutlich mehr Arbeitstage als 2003.

Quelle: Handelsblatt

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