Frühlingserwachen
Mit der Konjunktur blühen zyklische Aktien auf

Der Frühling bringt auch den Börsianern die gute Laune zurück. Die Konjunktur blüht wieder auf, in den USA sogar stärker als noch vor kurzem erwartet. Nach Ansicht vieler Börsenprofis können die Kurse nun wieder nach oben ausschlagen - vor allem die von konjunkturabhängigen Titeln. Zwar haben viele dieser Zykliker bereits deutlich zugelegt, etwa Rohstoffwerte oder Techniktitel. Dennoch setzen viele Aktienprofis weiterhin auf Branchen, die vom Wirtschaftsaufschwung profitieren können.

"Da ist noch Musik drin", sagt etwa Klaus Lüperz, Leiter Strategie und Privatkundengeschäft bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Rolf Elgeti, Aktienstratege bei Commerzbank Securities, pflichtet bei: "Es ist jetzt noch viel zu früh, um Zykliker links liegen zu lassen." Die Begründung: Bislang künden lediglich Frühindikatoren und Wachstumsprognosen vom Aufschwung.

In den Bilanzen der Unternehmen dürfte er sich ab dem zweiten Quartal niederschlagen. Und wenn diese Zahlen dann im Sommer und Herbst vorliegen, sollten die gut abschneidenden Firmen nochmals zulegen, ist Elgeti überzeugt. Auch Thomas Meier, Fondsmanager bei Union Investment, erwartet für die zweite Jahreshälfte weiteren Schub. Und Michael Schneider, Leiter Branchenfonds der Deka-Gruppe, nennt sogar eine Richtgröße: "Der zyklische Bereich hat noch ein Potenzial von 15 Prozent."

Die Konzepte, nach denen die Aktienstrategen Branchen und Einzelwerte auswählen, sind unterschiedlich. Zum einen unterscheiden sie nach den einzelnen Aufschwungphasen: Früh- und Spätzykliker. Frühzykliker wie Unternehmen aus den Bereichen Rohstoffe, Metallverarbeitung oder Papier sowie die Baubranche sind etwa nach Ansicht von Deka-Fachmann Schneider noch nicht ausgereizt. Dagegen hält es Christoph Hott, Leiter Investmentstrategie bei Sal. Oppenheim, für schwierig, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen. Er plädiert daher für Spätzykliker, auf die sich die Konjunkturerholung erst nach einer Weile auswirkt. Dazu zählt er neben Versorgeraktien einige Finanzwerte.

Mit steigenden Kursen sprudeln Provisionen

Im Energiesektor setzen Fachleute etwa auf Unternehmen, die im Gasgeschäft stark sind. Denn die Gaspreise sind mit zeitlicher Verzögerung an die Ölnotierungen gekoppelt und dürften daher steigen, was sich positiv auf die Gewinne auswirkt.

Finanzwerte gelten aus mehreren Gründen als Tipp. Einerseits sprudeln mit steigenden Aktienkursen auch wieder die Provisionen. Und das Investmentbanking dürfte mit rosigeren Börsenzeiten auch wieder anspringen. Auf der anderen Seite können sich die Banken angesichts niedriger kurzfristiger Zinsen günstig mit Geld versorgen. Und zudem steigt bei guter Konjunktur auch die Nachfrage nach Krediten.

Und schließlich setzten die Strategen mehr oder minder auf den Bereich, der sich in den letzten Jahren als besonders zyklisch erwiesen hat: Technologietitel. Zwar haben einige Strategen den Sektor noch mit "neutral" bewertet. Wenn jedoch die ersten positiven Überraschungen in den Quartalsbilanzen präsentiert werden, dürfte eine Welle von Heraufstufungen anstehen. Michael Pohn, US-Aktienstratege der DZ-Bank, sieht beispielsweise auf Jahressicht noch ein Kurspotenzial von 20 Prozent für Tech-Aktien, allerdings unter großen Schwankungen.

Commerzbank-Stratege Elgeti empfiehlt zur Orientierung im Aufschwung die Aufteilung in produktions- und konsumnahe Aktien. Seiner Meinung nach war der zurückliegende Wirtschaftsabschwung " keine normale Rezession". Nur die Produktion sei gesunken, nicht der Konsum. Folglich dürften bei einer Belebung der Wirtschaft nur produktionsnahe Titel wie Energieaktien Potenzial haben, nicht aber Konsumwerte. Skeptisch ist Elgeti bei Automobilwerten, die in einer weiten Definition zu Konsumaktien gezählt werden können. Viele Hersteller, vor allem in den USA, haben Kunden mit hohen Rabatten gelockt. Dadurch seien zahlreiche Autokäufe nur vorgezogen worden. Zudem seien die Autowerte kräftig gestiegen. Auch Fluggesellschaften seien bereits "heißgelaufen".

Einig sind sich die meisten Analysten jedenfalls, welche zyklischen Werte zurzeit nicht attraktiv sind: "Telekomaktien sind ein heißes Eisen", bringt es Hott auf den Punkt.

Klar ist auch: Wahllos nach allen zyklischen Aktien zu greifen - dazu rät derzeit niemand. Innerhalb der Branchen gilt es, die aussichtsreichsten Einzeltitel auszusuchen.

Ein Szenario wollen die Fachleute aber lieber verdrängen: Ein Einmarsch der USA im Irak oder ein neuer Terroranschlag dürfte die Weltwirtschaft kurzfristig wieder aus dem Tritt bringen. Dann stünde auch dem Börsenfrühling ein Frosteinbruch bevor.

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