Frühstück in China
Der Charme des Käsebrots

Vieles in China wirkt ziemlich fremd auf westliche Olympia-Touristen. Das fängt schon morgens beim Frühstück an: Während viele Europäer nicht auf Brot, Wurst und Käse verzichten möchten, frühstücken Chinesen ganz anders - am liebsten warm und deftig.

HB DÜSSELDORF.Nudelsuppe statt Wurstbrot - Frühstück in China ist für Ausländer ziemlich gewöhnungsbedürftig. Viele Touristen wollen sich auf die chinesische Frühstücksküche lieber nicht einlassen: "Ich könnte nie den Tag mit heißer Suppe starten, ich brauche mein Sandwich", meint der israelische Olympia- Tourist Avnir Ecker zum traditionellen Frühstück im Reich der Mitte. Gefüllte Teigtaschen mit Gemüse oder Fleisch, gleich nach dem Aufstehen? Für Fernando Chuy aus Brasilien ist das "eklig" Doch diese sind für viele Chinesen der perfekte Start am Morgen, ebenso wie die sogenannten "Ölstangen" (youtiao) - so etwas wie ein langgezogener Krapfen, aber salzig.

"Manchmal esse ich zum Frühstück Brot - aber am liebsten Nudelsuppe oder youtiao", sagt die Pekingerin Peng Xiaoqing. "Chinesen sind halt so, sie essen zum Frühstück lieber warm." So ist das Staunen im Olympia-Mediendorf jeden Morgen groß, was es alles an der Frühstücks-Theke gibt: Rosenkohl, Bratkartoffeln, Würstchen oder auch Nudel-Ei-Auflauf stehen dort für hungrige, aber weniger experimentierfreudige Journalisten bereit (neben Toast, Marmelade und Müsli, sei allerdings erwähnt). Pilzpfanne, gebratenes Gemüse in Sojasoße oder eine Art Gulasch treffen dann aber wirklich nur noch bei wenigen ausländischen Gästen auf Begeisterung.

Aber Irritationen über Frühstücksvorlieben gibt es nicht nur bei den Touristen. Umgekehrt fragen sich viele Chinesen, was die Europäer zum Beispiel an Käse auf einem Butterbrot finden. "Der stinkt doch bloß", meint Li Yang sichtlich angewidert. Ein einziges Mal habe er Käse (chinesisch: nailao) probiert, das reiche ihm fürs ganze Leben. Außerdem habe Käse viel zu viele Kalorien, ist Li Yang überzeugt. China-Experte Karl-Heinz Pohl von der Uni Trier bestätigt: "Käse ist für die meisten Chinesen sperrig und wird es auch weiter bleiben." Wurst und Schwarzbrot sei für sie ebenfalls alles andere als ein kulinarischer Hochgenuss.

"Chinesen sind es gewohnt, immer nur Gekochtes oder Eingelegtes zu essen, da dies hygienischer ist", erklärt Pohl. So werde im Reich der Mitte auch Wasser fast ausschließlich abgekocht getrunken, die Thermoskanne mit Nachschub steht eigentlich immer bereit. Für Touristen ist das alles sehr fremd: "Die frühstücken hier das, was wir zum Mittag essen", stellt Touristin Gretl Sünder aus Heilbronn fest. In ihrem Hotel gibt es europäisches Frühstück. Zum Glück: "Das Käsebrot zum Frühstück würde mir hier schon sehr fehlen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%