Frühzeitiger Einstieg in das E-Banking zahlt sich aus
Nordeuropas Banken schreiben dickes Plus

Die Banken im hohen Norden freuen sich über ein fettes Plus auf ihren Konten. Alle Institute haben Rekordgewinne präsentiert. Das ist nicht nur ein Resultat der fortschreitenden Konsolidierung, sondern auch ein Zeichen eigener Stärke. Analysten raten indes nicht bei allen Banken zum Einstieg.

STOCKHOLM. Ein Kontostand, der sich sehen lassen kann. Rechnet man die einmaligen Einnahmen aus dem Verkauf von Immobilien und Beteiligungen weg, landet bei den vier größten nordeuropäischen Finanzinstituten das Haben bei 52 Mrd. skr (11,5 Mrd. DM)! Der Grund für die äußerst positive Entwicklung: Nordeuropas Banken haben früher als ihre mitteleuropäischen Konkurrenten auf das Kosten sparende Internet gesetzt und das E-Banking schnell und kundenfreundlich ausgebaut.

Den großen Erfolg sieht man bei der schwedischen SEB (früher Skandinaviska Enskilda Banken), deren Kunden heute zu 55 % Überweisungen über das Internet vornehmen. Und die Aussichten für alle Institute in Nordeuropa sind nach Meinung der Analysten gut, "so lang die Konjunktur anhält", wie Helena Nordell von Handelsbanken betont. Die Kreditverluste seien in diesem Jahr gering, die Spar- und Ausleihquote deutlich gestiegen. Außerdem hätten alle Institute beim Wertpapierhandel viel Geld verdient. "Im kommenden Jahr rechnen wir mit etwas niedrigeren Gewinnen, gehen aber von einer weiterhin stabilen Entwicklung aus", sagt sie.

Außerdem gilt die Konsolidierung im hohen Norden noch nicht als abgeschlossen, wenngleich die großen Player ihre Partner gefunden hätten. "Es bleibt noch Den Norske Bank (DnB), doch der norwegische Staat als Hauptaktionär wird eine nationale Lösung für das Institut anstreben", meint ein Analyst in Oslo.

Der Erfolg der Banken hat allerdings Schattenseiten. Immer deutlicher wird, auf welch dünnem Drahtseil die Konzerne balancieren müssen: Da fordern auf der einen Seite die Aktionäre höhere Renditen, die nur über weitere Kosteneinsparungen zu erreichen sind, andererseits dürfen die Banken ihre Kunden durch schlechteren Service nicht verprellen. Dieses Dilemma wurde in den vergangenen Tagen besonders deutlich, als Föreningssparbanken die Einführung von Gebühren bei der Auszahlung über einen Geldautomaten ankündigte. Ein Sturm der Entrüstung zog durchs Land; Boulevardzeitungen forderten ihre Leser auf, ihr Erspartes lieber zu Hause unter der Matratze zu horten. Föreningssparbanken musste klein beigeben und nahm den Plan zurück. Wie lang er in der Schublade bleibt, ist aber höchst ungewiss.

Gestern wurden Kunden der SEB, die Anfang des Jahres die deutsche BfG übernommen hat, von einer Zeitungsmeldung überrascht. Demnach will das Institut ab 2003 keine Bargeldauszahlungen mehr am Schalter leisten. Der Bargeldverkehr soll künftig über Automaten abgewickelt werden. Auch wenn SEB schnell dementierte, wäre es ein logischer Schritt, denn schon seit längerem hat SEB in Schweden Einzahlungsautomaten installiert.

Behutsames Vorgehen erforderlich

"Einen gewissen Service werden die Kunden immer fordern", sagt Helena Nordell, betont aber auch, dass die Banken behutsam vorgehen müssten. Als Analystin bei der zweitgrößten schwedischen Bank Handelsbanken beobachtet sie die drei Konkurrenten, die finnisch- schwedische Merita Nordbanken (MNB), Föreningssparbanken und SEB. "Wir haben eine Kaufempfehlung für MNB und SEB", sagt sie und ein "Reduzieren für Föreningssparbanken". MNB und SEB hätten klare Zukunftsstrategien.

Tatsächlich ist MNB in Nordeuropa nach der Übernahme der norwegischen Kreditkassen der mit Abstand größte Finanzkonzern in der Ostseeregion. Auch SEB ist in der Region gut vertreten, wenngleich der Konzern die Ausrichtung nach Deutschland als höchste Priorität formuliert hat. Mit der Übernahme der BfG, die demnächst in SEB umfirmiert, ist das gelungen. Die BfG soll zu einer der führenden Internet-Banken in Deutschland ausgebaut werden. Dabei kann SEB auf die schon mehrjährigen Erfahrungen im eigenen Land aufbauen. Derzeit hat SEB insgesamt 690 000 Internet-Kunden in Europa und rechnet mit einem weiteren schnellen Wachstum.

Kritisch ist Nordell gegenüber der Föreningssparbanken eingestellt, die "keine klare Strategie" habe. Ihre Skepsis wird von den meisten anderen Analysten geteilt. Einer Umfrage unter den führenden Investmentbanken in Schweden zufolge liegt Föreningssparbanken mit zwei Kaufempfehlungen, zweimal "Erhöhen", dreimal "Halten", zweimal "Verringern" und einmal "Verkaufen" auf dem letzten Platz.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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