Frühzeitiges Engagement im Umweltschutz könnte sich auszahlen
Kommentar: Geheimniskrämerei hinter verschlossener Tür

DÜSSELDORF. Warum treffen sich Vertreter energieintensiver Branchen mit Politikern hinter verschlossener Tür? Nachdem die Deutsche Börse zunächst angekündigt hatte, sie wolle energieintensive Branchen und Umweltpolitiker zur Vorbereitung eines Handels mit Kohlendioxid-Emissionsrechten zusammenbringen und mit diesen ein Marktmodell erarbeiten, herrscht plötzlich Stillschweigen - über die Teilnehmer wie auch die Inhalte.

Große Stromversorger waren am Freitag in Berlin zur Gründung einer Arbeitsgruppe anwesend. Dazu auch Vertreter energieintensiver Sektoren und Klimaschutz-Experten. Doch die Tatsache, dass sich diese "großen Stromversorger" in der Öffentlichkeit noch nicht erkennbar zeigen wollen, wirft Fragen auf. Vielleicht überlegen sie noch, ob sie sich überhaupt beteiligen.

Dabei wird ein Handel mit Kohlendioxid-Emissionsrechten spätestens 2005 in der EU zur Pflicht. International sollen ab 2008 Emissionsrechte für Kohlendioxid gehandelt werden. Außerdem gehen Experten davon aus, dass frühzeitige Maßnahmen zur Verringerung von Kohlendioxid-Ausstoß auf nationale Reduktionsverpflichtungen angerechnet werden können.

Der Grund, dass viele Konzernchefs dem Emissionsrechte-Handel noch skeptisch gegenüberstehen, dürfte zunächst in seiner Komplexität liegen. So sind Abgaben oder Steuern doch viel einfacher zu kalkulieren als börslich handelbare Luftverschmutzungspapiere.

Kohlendioxid-Zertifikate stellen zweifelsohne neue Anforderungen an die Unternehmen, die starke Emissionen verursachen: Von der Messung beim Brennstoffeinsatz bis zur Kalkulation in den Abteilungen muss eine völlig neue Infrastruktur aufgebaut werden.

Offenbar wird jedoch eines außer Acht gelassen: Unternehmen, die frühzeitig ihre Kohlendioxid-Emissionen verringern, können Investitionen in emissionsarme Anlagen durch den Verkauf überschüssiger Emissionsrechte finanzieren. Sie sammeln außerdem Erfahrungen und können sich für einen EU-weiten und internationalen Emissionsrechte-Handel rüsten.

Energieintensive Unternehmen, die den Wirkungsgrad ihrer Anlagen bereits weitgehend gesteigert haben, können einen Kuhhandel mit ausländischen Unternehmen und Staaten machen: Durch gemeinsame Projekte zur Emissionsvermeidung (Joint Implementation) können sie Emissionsrechte erlangen. Sei es beispielsweise durch Aufforstung oder durch Verbesserungen der Wirkungsgrade von Kraftwerken.

Bis die Politik einen geeigneten Rahmen für einen Emissionsrechtehandel und die Anerkennung von Emissionsminderungen beschlossen hat, dürfte noch eine Weile vergehen. Doch genau hier liegt die Chance der Wirtschaft: Wer sich früh engagiert, der kann auch Einfluss nehmen und vom Umweltschutz sogar profitieren.

Das scheint bei einigen Unternehmen - zumindest in Deutschland - zweitrangig zu sein. Obwohl Konzerne wie BP Amoco und Shell bereits in Großbritannien ein Beispiel zeigten: Hier haben Unternehmen, die ihren Treibhausgas-Ausstoß reduzieren und ab dem Jahr 2001 an einem börslichen Handel von Emissionsrechten teilnehmen, mit der Regierung einen Nachlass bei der Energie-Steuer von 80 % ausgehandelt.

Es liegt die Vermutung nahe, dass viele deutsche Unternehmen lieber eine weitere Steuer oder Abgabe bevorzugen würden, um auf diese Weise das Thema Klimaschutz abhaken zu können. Dass sich durch einen Emissionsrechte-Handel weitgehende Handlungsalternativen eröffnen - das dürfte bei der Diskussion hinter verschlossenen Türen noch nicht offenbar geworden sein.

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