Frühzeitiges Testen wird nur unzureichend genutzt
Software-Fehler kosten Geld

Erst Spanien und dann Monaco: Als David Coulthard bei den Starts der Formel-1-Rennen mit seinem High-Tech-Fahrzeug stehen blieb, ärgerten sich die Fans und das erfolgsverwöhnte McLaren-Team in den Silberpfeilen. Denn jeder Ausfall kostet Punkte und Geld.

HB DÜSSELDORF. Auch das Image der Konstrukteure leidet unter Pleiten, Pech und Pannen. Dabei tun die Teams alles für den Erfolg. Doch Fehler in der Software waren verantwortlich für die Startprobleme. Getestet haben die McLaren-Ingenieure nach Aussagen Coulthards "sehr viel". Doch Software ist eine so komplexe Materie, dass Fehler niemals ganz auszuschließen sind. Das räumt auch Rudolf van Megen, Vorstand der SQS Software Quality Systems AG, ein. Sein Unternehmen nimmt seit rund 20 Jahren Software unter die Lupe. "Wir wissen, dass es keine fehlerfreie Software gibt. Aber frühzeitiges Testen reduziert die Fehlerrate."

Eine Dienstleistung, die Unternehmen in Deutschland nur unzureichend nutzen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie des Beratungs- und Technologieunternehmens Lot-Consulting. Laut Studie schlagen Software-Fehler in deutschen Firmen jährlich mit 165 Mrd. DM zu Buche. Alleine das Beseitigen der IT-Fehler verschlingt 17 % der Summe. 137 Mrd. DM verursachen Produktivitätsverluste durch "arbeitslose" Mitarbeiter oder stillstehende Maschinen. Lot-Consulting-Geschäftsführer Erich Zimmermann sieht besondere Gefahren durch die vernetzte Arbeitsweise der Unternehmen: "Ein Fehler wirkt sich schlimmstenfalls bei Zulieferern und Kunden aus."

Vertrauensverlust nicht zu unterschätzen

Auch der Vertrauensverlust sei nicht zu unterschätzen, sagt van Megen. Der Software-Qualitätsexperte weist auf die Systeme hin, die Unternehmen über das Internet quasi allen Online-Anwendern präsentieren. Dazu gehört besonders Online-Banking-Software. Wer auf einen Service im Internet nicht problemlos zugreifen kann, verliert Vertrauen. Mit wenigen Mausklicks wandert er zur nächsten Bank ab. Dazu gehört auch, dass Nutzer wegen der Überlastung eines Internet-Servers auf eine Seite nicht oder nur schlecht zugreifen können. Ein Fehler, den die Test-Experten als unzureichende Performance bezeichnen. Diese Überlastung lässt sich genau so testen, wie die korrekten Funktionen einer Anwendung.

Wie wichtig besonders die Finanzbranche die Qualität ihrer Software nimmt, zeigt das Internet-Portal der Santander Direkt Bank. In weniger als neun Monaten entwickelte die Bank eine Reihe neuer Banking-Anwendungen für das Internet. Trotz des hohen Zeitdrucks setzen die IT-Verantwortlichen auf Qualität. "Dazu gehören Sicherheit, Verfügbarkeit und Stabilität der Systeme", sagt Mark Green, in der IT-Abteilung von Santander für das neue Portal verantwortlich.

Ein Qualitätskriterium ist auch, wie schnell ein Nutzer mit dem Web-Service umgehen kann. Da spielt intuitives Führen des Anwenders eine entscheidende Rolle. Auch an dieser Stelle greifen auf Software-Qualität spezialisierte Berater ein. Sie interessiert nicht nur der reine Fehler. Schon bevor die erste Zeile programmiert wird, prüfen sie das Entwicklungsprojekt auf Herz und Nieren.

Qualitätssicherung nicht immer verantwortlich

Wie sehr es in der Software-Entwicklung an der Qualität hapert, zeigen auch die Ergebnisse einer Studie des Bundesforschungsministeriums. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen setzt keine strukturierten Vorgehensmodelle in der Entwicklung ein. Die Projekte überschreiten Termin- und Kostenrahmen und die spätere Pflege der Systeme wird für Außenstehende deutlich erschwert. Van Megen führt das fehlende Qualitätsdenken auch auf die Struktur und die Bedeutung der IT-Abteilungen in den Unternehmen zurück. "Software hat heute für Geschäftsabläufe strategische Bedeutung. Trotzdem nimmt das Management zu wenig Einfluss auf die IT, weil die Materie sehr schwierig ist und lieber den Technikern überlassen wird." Für sie wiederum gelte es, bei hohem Zeitdruck das Projekt rechtzeitig und im definierten Kostenrahmen fertig zu stellen.

Nicht immer ist die mangelhafte Qualitätssicherung der Systeme für die so genannten Bugs verantwortlich. Immerhin fließen in großen IT-Projekten bis zu 40 % des Aufwandes in die Fehlersuche. Tom DeMarco, Berater und Buchautor internationaler Wirtschafts-Bestseller, macht besonders den Zeitdruck und den "Effizienzwahn" in den Unternehmen für mangelnde Qualität verantwortlich. Den Mitarbeitern in den IT-Unternehmen und-Abteilungen würde es an zeitlichen Spielräumen fehlen und sie seien von der Angst geprägt, dem hohen Entwicklungstempo nicht mehr gewachsen zu sein. "Heute müssen sie ihr Projekt schneller, mit weniger Mitarbeitern, in kürzerer Zeit, mit geringerem Support und schmalerem Budget bewältigen, als jemals zuvor", sagt DeMarco.

Die Entscheider in den Unternehmen müssten einsehen, dass Qualität nicht mehr Kosten bedeutet, sondern sich mittelfristig finanziell auszahlt. Van Megen: "Der frühzeitige Einsatz von Qualitätssicherung führt letztendlich sogar zu Zeitgewinn, da es mühsamer ist, hinterher die Fehler zu eliminieren. Der Kunde sollte auch nicht als Testobjekt missbraucht werden. In der produzierenden Industrie hat sich der Qualitätsanspruch doch auch durchgesetzt. Welcher Kunde kauft denn ein zweites Mal das gleiche Gerät, das beim ersten Kauf nicht funktionierte oder schnell kaputt war?"

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