Frust bei Beschäftigten von Nemax-Unternehmen
Geplatzte Träume statt Bonus-Gewinne

Sie stehen für üppige Zusatzeinkommen und gelten bei Unternehmen als wirkungsvolles Lockmittel für neue Mitarbeiter: die so genannten Stock-Options.

ap/wiwo HAMBURG. Fast alle rund 300 Unternehmen des Neuen Marktes vertrauen auf diesen Bonus, mit denen Beschäftigten Anrechte auf günstige Aktienpakete gewährt werden. Doch statt Rendite ernten viele derzeit nur Frust, wie eine aktuelle Studie der Münchner Unternehmensberatung IPO-Management zeigt. "Der Crash am Neuen Markt hat die Erwartungen enttäuscht, da gibt es viele Verlierer", sagt IPO-Vorstand Rainer Mauer.

In der Studie wurden 228 Unternehmen des neuen Marktes untersucht, die ein Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm anbieten. Die Bilanz: Bei über 90 Prozent waren die Programme zum Stichtag im September 2001 "out of money". Das heißt, eine Inanspruchnahme der Stock-Options hätte den Beschäftigten keinen Gewinn gebracht oder oft sogar zu Verlusten geführt. Denn viele Papiere sind inzwischen weit unter ihren Ausgabekurs gefallen.

Aktienoptionen statt höheres Grundgehalt

Viele Mitarbeiter haben zu Gunsten von Aktienoptionen auf ein höheres Grundgehalt verzichtet. Das sei gerade bei gerade bei kleinen Unternehmen ein üblicher Weg gewesen, um überhaupt Spezialisten zu finden, sagt Mauer. Und der Höhenflug des Nemax überzeugte so manchen Bewerber, sich auf diesen Deal einzulassen, immerhin kletterte der Index vor zwei Jahren auf einen Rekordstand von über 8 500 Punkten, bevor er 2001 auf einen Tiefstand von 688 Punkten einbrach.

Wie traurig Beteiligungsmodelle enden können, zeigt das Beispiel des Software-Unternehmens Brokat, das seinen Mitarbeitern 1998 kostenlos Anteilsscheine schenkte. Nach Presseberichten verfügte jeder der 600 Angestellten zeitweise über einen Bonus von über 100 000 Euro. Die Ernüchterung folgte im November vergangenen Jahres, als der einstige Börsenstar seine Pleite verkünden musste.

Mitarbeiter-Beteiligungsmodelle weiter beliebt

Ungeachtet dessen setzen viele Firmen auf Mitarbeiter-Beteiligungsmodelle. 65 Prozent der Nemax-Unternehmen setzen dabei laut Studie auf Aktienoptionen, 14 Prozent bieten Wandelschuldverschreibungen und vier Prozent den Rückkauf eigener Aktien an. Hauptmotiv ist für fast alle Unternehmen die Bindung der Beschäftigten an das Unternehmen und die Gewinnung von Fach- und Führungskräften. "Trotz der Programm leiden viele Unternehmen aber weiter an hohen Fluktuationsraten", sagt Mauer.

Wie effektiv die Mitarbeiterbeteiligung grundsätzlich ist, zeigt hingegen eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Danach sind Unternehmen, die entsprechende Beteiligungsmodelle anbieten, um bis zu 50 Prozent produktiver als andere. "Das ist kein Widerspruch zur Situation am Neuen Markt", sagt Stefan Brinck von der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP). Es komme eben immer darauf an, wie die Unternehmen ihr spezielles Modell gestalteten. Eines hat der Crash des Nemax nach seiner Erfahrung allerdings bewirkt: "Die Leute wollen Cash, mit Aktienoptionen und kleinem Gehalt lässt sich heute kaum noch ein Spezialist rumkriegen".

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