Frust bei Werder sitzt tief: Kaiserslautern gesundet am Pokal

Frust bei Werder sitzt tief
Kaiserslautern gesundet am Pokal

Bundesliga-Sorgenkind 1. FC Kaiserslautern gesundet am DFB-Pokal - der kränkelnde Patient Werder Bremen liegt weiter flach. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" - die auf den Endspielort am 31. Mai gemünzte Pokal-Hymne dröhnte durch das Fritz-Walter-Stadion. Die glücklichen Lauterer Spieler tanzten nach dem glatten 3:0-Halbfinalsieg in vorsorglich mit diesem Slogan beflockten T-Shirts über den Rasen. Die Pfälzer Fans unter den 28 335 Zuschauern feierten jenen Mann mit Sprechchören, der ihnen die siebte Finalteilnahme beschert hatte: "Erik Gerets, du bist der beste Mann."

HB/dpa KAISERSLAUTERN. Der 48-jährige Trainer aus Belgien bemühte sich bei aller Euphorie über das siebte Pflichtspiel hintereinander ohne Niederlage, den Ball flach zu halten. "So schön der Einzug ins Pokalfinale auch ist, wichtiger ist es, dass wir am Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg gewinnen und in der Bundesliga bleiben", sagte Gerets, der für das zweite Halbfinale am Mittwoch dem FC Bayern München gegen Leverkusen die Daumen drückte. "Normalerweise bin ich kein Bayern-Fan, aber für das eine Mal ja." Der designierte Meister und Champions-League- Starter als Endspielgegner würde den Pfälzern die Teilnahme am lukrativen UEFA-Cup garantieren.

Rund fünf Mill. ? könnte das internationale Geschäft dem mit rund 40 Mill. ? verschuldeten Krisenclub in die leeren Kassen spülen. Die Teilnahme am DFB-Pokal-Finale bringt rund zwei Mill. ? aus Fernseh- und Zuschauer-Einnahmen. Insofern waren die Tore von Lincoln (8.), Miroslav Klose (52.) und Christian Timm (80.) Gold wert. Am Donnerstag setzen sich die Endspiel-Partner zusammen, um den Kuchen zu verteilen. Einziger Wermutstropfen: Nach seiner selbst von Gerets als berechtigt eingestuften Roten Karte (63.) wegen einer rüden Attacke gegen Markus Daun ist Dimitrios Grammozis im Olympiastadion zum Zuschauen verdammt.

Vielleicht ist dies eine Chance für Mario Basler, der sich beim Triumph ausgerechnet gegen seinen Ex-Club zu den Verlierern zählte. Nachdem er bei der dritten Auswechslung unberücksichtigt geblieben war, stiefelte er, Tränen der Enttäuschung nahe, mit versteinerter Miene und stinksauer schnurstracks in die Kabine. "Schade, denn Mario hat sich bisher sehr professionell mit seiner Reservistenrolle abgefunden. Aber einen Spieler wie Basler bringt man nicht für die letzten drei Minuten", zeigte Gerets Verständnis für den frustrierten Ex-Nationalspieler, der auf "bessere Zeiten" hofft.

Tief saß der Frust auch bei den Bremern, die immer noch auf den ersten Sieg im Jahr 2003 warten. "So darf man nicht ausscheiden. Wir hatten nicht den Hauch einer Chance. Die eklatanten Fehler bei den Toren sprechen für sich", kritisierte Sportdirektor Klaus Allofs die emotionslose und fast widerstandslose Pokal-Vorstellung des viermaligen Cupsiegers. Das Motto "drei Mal ist Bremer Recht" hatte auf dem Betzenberg einen faden Beigeschmack. "Drei Mal haben wir Bitte gesagt, drei Mal hat Kaiserslautern danke gesagt", meinte Trainer Thomas Schaaf voller Sarkasmus.

Der glücklose Coach, der den anfänglichen Verzicht auf die Stürmer Ailton und Charisteas mit Trainingsleistungen erklärte, rechnet mit heftigem Gegenwind seitens der Bremer Medien. Schaaf: "Auch dem stelle ich mich." Markus Daun machte das Versagen an der Einstellung fest: "Nur fünf, sechs Spieler setzen auf dem Platz um, was wir uns vorgenommen haben. Der Rest quatscht nur rum." Leverkusens Leihgabe zeichnete mit aufrüttelnden Worten ein düsteres Bild: "Wenn sich nicht schnellstens was ändert, gewinnen wir kein Spiel mehr."

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