Fuchs: Europas größter Gewürzanbieter: Der Pfeffersack aus Dissen

Fuchs: Europas größter Gewürzanbieter
Der Pfeffersack aus Dissen

"Pfeffersäcke" hießen im Mittelalter die reichen Gewürz-Kaufleute. Auf Pfeffer, dem schwarzen Gold, bauten die Fugger ihr Imperium. So gesehen hat die Firma Fuchs illustre Vorgänger. Nur der Markt hat sich verändert: Fuchs, das Familienunternehmen aus Dissen - zwischen Bielefeld und Osnabrück - ist heute Europas größter Gewürzanbieter.

DISSEN. In Deutschland hat Fuchs etwa 75 % Marktanteil. Estragon und Majoran, Pfeffer, Gelbwurz, Paprika; egal, um welche Würzungen und Geschmacksverstärker es geht, sie kommen also fast immer aus dem Hause Fuchs. "Wir nehmen jedes Geschäft mit, das sich im Gewürzbereich bietet", sagt Dieter Matenaar, neben dem Inhaber Dieter Fuchs einer von vier geschäftsführender Gesellschaftern.

400 Mill. Euro setzte der Mittelständler im vergangenen Jahr um - bei einem Wachstum von 7%. Das Markengeschäft für Endverbraucher macht die Hälfte des Geschäfts aus; der Rest geht an Restaurants oder Lebensmittelkonzerne: Fuchs würzt die "Pringles"-Chips von Procter&Gamble, macht die Meggle-Kräuterbutter schmackhaft und liefert die Würzmischung für die Tiefkühlpizzen von Dr. Oetker.

Trotzdem ist es die Fuchs-Gewürzedose, die das Unternehmen bekannt gemacht hat. Bereits in den 60er Jahren hat der Mittelständler die "dosierfähige Lösung" auf den Markt gebracht und die Wahlscheibe - für große, kleine oder winzige Dosierungen - erfunden. Die große Expansion gelang auf Kosten der Konkurrenz, der Mittelständler kaufte zahlreiche Mühlen und Hersteller.

Vor fünf Jahren dann der beste Deal überhaupt, Fuchs gelingt die Übernahme des größten Wettbewerbers, der Karl Ostmann GmbH aus Bielefeld. Im Jahr 2000 folgt noch die Marke "Ubena" von Bestfoods, Nummer drei im Markt. Verglichen damit war der Kauf der Wagner Gewürze im vorigen Jahr nur noch ein Sahnehäubchen fürs Regal: Wagner ist Spezialist für Trockenpilze. "Mit Ostmann hatten wir unheimliches Glück", sagt Matenaar. Der Konkurrent deckte Anfang der 90er Jahre noch 40 % des deutschen Marktes ab. Nachdem 1994 die australische Burns Philip & Co., den Bielefelder Hersteller übernahm, war das Geschäft binnen vier Jahren auf "ein Viertel runtergewirtschaftet", berichtet Matenaar. "Das waren Amateure". Fuchs nutzte die Schwäche und schlug zu. "Plötzlich hatten wir eine große Marke im Haus", erzählt der Geschäftsführer.

Mit Marketing - etwa Verkostungen mit Sterne-Köchen - hat Ostmann heute einen Marktanteil von 50 %. In ihrem Windschatten wuchs Fuchs von 10 auf 20 %. Damit ist der Mittelständler bei allen großen Einzelhändlern vertreten. Auch Aldi und Lidl verkaufen Fuchs-Gewürze - unter eigenem Label. Konkurrenten werfen Fuchs bisweilen vor, die Marktposition auszunutzen. Im vergangenen August rügte das Kartellamt sogar, dass Fuchs Wettbewerber durch unzulässige Lieferverträge mit dem Handel behindere. Davon will in Dissen heute niemand mehr etwas wissen. "Die Verträge wurden geändert", heißt es dazu.

Ganz aus eigener Kraft hat das Familienunternehmen, das "schon immer schwarze Zahlen schreibt", das rasante Wachstum nicht finanziert. Im Herbst 2000 stieg die finnische Paulig-Gruppe bei Fuchs ein. Noch heute hält der Kaffee- und Gewürzanbieter 20 % der Anteile. Der Rest liegt bei Dieter Fuchs und den geschäftsführenden Gesellschaftern. "Seit dem Einstieg von Paulig liegt unsere Eigenkapitalquote wieder dort, wo die Banken sie gerne sehen würden, bei mehr als 50 Prozent", sagt Peter Voss, für Finanzen zuständiger Geschäftsführer.

Scharfmacher aus aller Welt. Galgant, Kardamom, Kurkuma, Koriander: Das Angebot des Gewürzherstellers ist exotisch und umfassend. 7 000 Artikel führt die Fuchs GmbH&Co. in ihrem Sortiment. Trotzdem ist es der Pfeffer, der die Verkaufsliste des Mittelständlers anführt. Pfeffer, weiß und schwarz, gemahlen, geschrotet oder ganz, Paprika und Knoblauch sind die Top Scharfmacher von Fuchs. "Die Deutschen essen zunehmend würziger", erzählt der Geschäftsführer Dieter Matenaar.

Allerdings mache sich das nur sehr langsam in Zahlen bemerkbar, sagt Matenaar. Die größten Wachstumschancen sieht das Familienunternehmen daher im Ausland, der Exportanteil soll in den kommenden fünf Jahren von derzeit 30% auf 50% steigern. Bereits heute unterhält Fuchs neben seinen drei deutschen Werken Tochterunternehmen in Brasilien, China, Frankreich und Rumänien wo die Rohstoffe angebaut, geerntet und verarbeitet werden.

In den USA, wo der Weltmarktführer McCormick sitzt, hat Fuchs 1990 die Baltimore Spice Inc. übernommen und weiter ausgebaut. "Eigentlich wollen wir gar kein globales Unternehmen werden. Aber uns bleibt gar nichts anderes übrig: Das Gewürzgeschäft ist als solches global", sagt Finanzgeschäftsführer Peter Voss.

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