Führende Indizes testen Jahrestiefstände
Europas Börsen im Bann von Intel

Die Börsen Europas haben am Freitag markant und teilweise auf neuen Mehrmonatstiefs nachgegeben. Der DJ Stoxx 50-Index verlor 1,71 Prozent auf 3 154,41 Punkte.

Marktteilnehmer verwiesen auf die vom weltgrössten Chiphersteller Intel am Vortag gesenkte Umsatzprognose. Dies habe den gesamten Technologiesektor in Mitleidenschaft gezogen, hiess es. Verstärkt wurde der Abwärtstrend von einer Gewinnwarnung des Chipherstellers RF Micro Devices, die sich auch negativ auf die Aktien des grössten Kunden Nokia auswirkte. Nokia sackten 6,4 Prozent ab. RF Micro Devices verloren an der Nasdaq ein Drittel ihres Werts. Auch Ericsson und Alcatel sanken mit fünf beziehungsweise 5,2 Prozent deutlich.

Die am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarkt- und Konjunkturdaten wurden von den Sorgen um eine Ausweitung des Konflikts am indischen Subkontinent, der anhaltenden Gewalt im nahen Osten und der schwindenden Zuversicht in die US-Wirtschaft überschattet. Schwächer waren auch Auto-, Telekom -, Medien- und Versicherungstitel. Ein wenig Aufhellung kam von defensiven Werten wie dem Pharmawert GlaxoSmithKline oder den Aktien des britischen Zuckerproduzenten Tate & Lyle.

LONDON: Die Londoner Börse ist am Freitag bei nachgebenden Telekom - und Banktiteln zeitweise auf den tiefsten Stand seit acht Monaten abgesackt. Am Nachmittag konnte sich der FTSE-100-Index dann etwas erholen und lag zum Schluss 0,75 Prozent im Minus bei 4 920,4 Zählern. Ebenfalls unter Druck standen Ölwerte. Die Papiere des schwergewichtigen Mobilfunkriesen Vodafone büssten 1,6 Prozent ein. Händler verwiesen auf enttäuschende Abonnentenzahlen in Japan sowie auf die allgemeine Schwäche des Technologiesektors. mm02, die zwischendurch auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren absackten, gingen 3,8 Prozent schwächer aus dem Handel. Die Aktien des Mikrochipdesigners ARM gaben 5,2 Prozent nach. Auch die Bankwerte HSBC und HBOS liessen kräftig Federn. Fester waren defensive Pharmawerte wie etwa GlaxoSmithKline, die drei Prozent anzogen.

ZÜRICH: Auch die Schweizer Aktien büssten deutlich an Wert ein. Der SMI-Index schloss 1,81 Prozent tiefer mit 6 250,9 Punkten. Abgesehen von Givaudan und Syngenta, die nach einer Kaufempfehlung zwei und 0,7 Prozent gewannen, notierten alle andern SMI-Werte um bis zu 4,5 Prozent tiefer. Händler sagten, der Abwärtstrend habe alle Sektoren erfasst, er sei aber vor allem von den Finanzwerten, und den Technologiewerten ausgegangen. Unter den Standardwerten wiesen Kudelski, Unaxis, Adecco, Julius Bär, Roche und die Grossbanken sowie Zurich die grössten Verluste aus.

PARIS: Unter der Führung von STMicroelectronics gab der CAC-40-Index der Börse Paris 1,9 Prozent auf 4 020,27 Zähler nach und bewegte sich damit auf dem tiefsten Niveau seit Oktober 2001. STM sanken 5,6 Prozent. Im Minus lagen auch diverse Standardwerte wie France Telecom, Vivendi Universal, Alcatel oder Aventis. Das bislang nur mässige Abschneiden der französischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft machte der Aktie des Fernsehsenders TF1 zu schaffen; die Titel verloren 3,3 Prozent. Nach einer Rücknachme des Kurszieles verloren die Papiere von Thomson-Multimedia drei Prozent.

BENELUX: Während der Amsterdamer AEX-Index 2,55 Prozent auf 454,14 Punkte absackte, ging der Brüsseler Bel20-Index nur marginal leichter mit minus 0,06 Prozent auf 2665,13 Zähler aus dem Handel. Verluste von über fünf Prozent mussten in Amsterdam die Titel des Halbleiterherstellers ASML und des Chipherstellers Philips hinnehmen. Schwächer waren auch Versicherer und Bankwerte.

MAILAND: Die italienischen Aktien fiel zeitweise auf die Tiefstände vom September 2001. Nach einer leichten Erholung am Nachmittag schloss der Mib30-Index schliesslich um 0,75 Prozent tiefer mit 28 351 Zählern. Die Aktien von Chiperzeuger STMicroelectronics brachen im Zuge der weltweiten Schwäche des Technologiesektors 6,4 Prozent ein. Fiat gaben 1,8 Prozent nach. Zu den wenigen Stützen des Marktes gehörten der Medienwert Mediaset mit plus 3,4 Prozent und die Aktien der beiden Vermögensverwalter Mediolanum und Fideuram, die 4,6 beziehungsweise 1,2 Prozent gewannen. Beide Werte hatten jüngst stark gelitten.

MADRID: Die spanische Börse wurde von Telefonica und den Grossbanken ins Minus gedrückt. Der Ibex-35 verlor 1,28 Prozent auf 7 480,6 Punkte. Telefonica büssten 2,7 Prozent ein. Santander Central Hispano und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria verloren 2,3 beziehungsweise 1,8 Prozent. Markteilnehmer verwiesen auf die Währungs- und Aktienschwäche in Brasilien, wo die drei Unternehmen stark engagiert sind.

SKANDINAVIEN: Von Ericcson und einer pessimistischen Stimmung im Technologiesektor belastet fiel der DJ StoxxNordic-Index der skandinavischen Börsen 3,65 Prozent auf 273,64 Zähler. Ericsson notierten zeitweise auf dem tiefsten Stand seit 83 Monaten und schlossen fünf Prozent tiefer. Ericsson-Chef Kurt Hellström hatte am Vortag bei der Aktionärsversammlung unter anderem gesagt, er sehe keine Änderung der momentan schwachen Nachfrage nach Telekomausrüstung. Nokia sackten 6,4 Prozent ab. Die Titel von Börsenneuling Intrum Justitia stiegen in Stockholm auf 50 schwedische Kronen.

WIEN: Der ATX-Index der Wiener Börse schloss 0,87 Prozent schwächer mit 1 285,26 Punkten. Kursgewinne bei Austrian Airlines, Wienerberger und Voest-Alpine sorgten laut Händlern für den Erhalt der charttechnisch wichtigen 1 280-er-Marke. Bei dünnen Umsätzen standen aber Telekom Austria im Mittelpunkt. "Der Exit der Telecom Italia (bei der Tochter Mobilkom) wirkt sich eindeutig negativ aus," sagte ein Händler. Telekom Austria verloren 3,4 Prozent.

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