Führende Rolle bei Aktien-Emissionen angestrebt
Deutsche Bank will russischen Markt aufrollen

Die Deutsche Bank startet einen Angriff auf die Bank of New York. Das US-Institut ist Marktführer für Börsengänge russischer Unternehmen im Ausland. Die Frankfurter wollen die New Yorker nun vom Thron stoßen. Erste erfolgreiche Platzierungen an der Wall Street machen der Deutschen Bank Mut.

MOSKAU. Die Deutsche Bank will sich mittelfristig an die Spitze bei Emissionen russischer Unternehmen im Ausland setzen. Den Anfang in diesem Jahr hat der Börsengang des größten russischen Lebensmittelkonzerns Wimm-Bill-Dann (WBD) am Freitag gemacht, den die Deutsche Bank als Depotbank (Custody) begleitet hatte. WBD hatte dabei 207 Mill. US-Dollar eingenommen, die Papiere zogen deutlich an, und der französische Lebensmittelkonzern Danone stieg mit einem Anteil von 4 % bei der Konkurrenz aus Moskau ein.

Russische Aktien können im Westen nicht direkt gekauft werden, sondern nur in Form so genannter American oder Global Deposit Receipts (ADR/GDR), die aber an den Börsen in den USA und Europa wie Aktien gehandelt werden. Die Bank of New York war bis zum russischen Geldwäscheskandal 1998 monopolartiger Marktführer für Russen-ADRs. Bei allen internationalen ADR-Programmen hält die Bank noch heute nach eigenen Angaben mit rund 1 400 ADR-Papieren einen Marktanteil von 66 %. Auf den Plätzen folgen Citibank, JP Morgan und die Deutsche Bank, die nach der Übernahme des US Bankers Trust-Finanzinstituts erst Mitte 2000 überhaupt mit Russen-Börsengängen begonnen hat.

Sehr lukrativer Markt

Angesichts erster, relativ großer ADR-Platzierungen russischer Konzerne sieht sich die Frankfurter Großbank erfolgreich gestartet auf dem Weg an die Spitze des ADR-Marktes. Dieser gilt mit einem Umsatzplus von 7 % im vorigen Börsen-Krisenjahr und mit einem Volumen von 770 Mrd. $ an gehandelten Anteilsscheinen als inzwischen sehr lukrativ.

Die Deutsche Bank - bisher auf Kredite und die Emission von Staatsanleihen konzentriert - wolle nun verstärkt bei russischen Börsengängen im Westen mitmischen, sagt der Chef der Deutschen Bank Moskau, Hubert Pandza. "Wir helfen bei der Einführung geeigneter russischer Unternehmen und sehen unsere Rolle dabei als Mittler zwischen dem Kapitalbedarf russischer Firmen und westlichen Kapitalmärkten."

Die Moskau-Euphorie hat bereits begonnen: Eurobond-Emissionen russischer Konzerne sind überzeichnet. Nach dem Lebensmittelkonzern Wimm-Bill-Dann sind weitere Börsengänge in der Pipeline: IPOs russischer Telekom-Unternehmen oder Ölkonzerne wie der Nummer vier Russlands, TNK, oder des Moskauer IT-Unternehmens IBS werden noch für dieses Jahr erwartet. Zuvor hatte die Deutsche Bank bereits Russlands zweitgrößten Ölkonzern, Yukos, den Mobilfunk-Marktführer MTS, die russische Golden Telecom und den Strommonopolisten UES mit ADRs an die New Yorker Börse begleitet.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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