Führender Anbieter erwägt Gewichtung seiner Börsenbarometer nach Streubesitz - Umschichtung von Milliardenbeträgen erwartet
Analysten fürchten Umstellung der MSCI-Indizes

Der führende Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) steht vor einer schweren Entscheidung. Soll er die Berechnung seiner Aktienindizes auf den Streubesitz (Free Float) umstellen? Die Konkurrenz ist bereits vorangeprescht. Wenn MSCI nachzieht, könnten Milliardensummen an der Börse in Bewegung geraten.

FRANKFURT/M. Auf den Managern von MSCI lastet eine schwere Verantwortung. Derzeit tourt der Indexanbieter rund um die Welt, um seinen Kunden eine einzige Frage zu stellen: Soll MSCI wie bisher die gesamte Marktkapitalisierung eines Unternehmens in seinen Indizes berücksichtigen oder nur die Aktien, die wirklich gehandelt werden können, den so genannten Streubesitz? Die Entscheidung könnte zu massiven Umschichtungen an den internationalen Aktienbörsen führen. Denn an die MSCI-Indizes sind Anlegergelder im Wert von 2 Bill. $ gekoppelt.

Nach Einschätzung von Analysten bleibt MSCI kaum eine andere Wahl als die Neuordnung anzugehen. "Der Druck der Konkurrenz ist einfach zu groß", erläutert Matthias Jörss, Indexanalyst, der BHF-Bank. Das sehen die Analysten der Investmentbank Salomon Smith Barney (SSB) ähnlich. Auch bei MSCI scheint sich die Erkenntnis durchzusetzten. Die Resonanz der Kunden auf den Vorschlag zur Neugewichtung auf Streubesitzbasis sei bislang sehr positiv, heißt es aus Kreisen des Indexanbieters. MSCI befragt seine Kunden noch bis zum 4. November. Bis Ende des Jahres soll die Entscheidung fallen, die MSCI dann 2001 umsetzen will.

Die MSCI-Konkurrenten FTSE und Stoxx haben ihre Wahl pro Streubesitz bereits getroffen. Stoxx gewichtet seine Indizes seit dem 18. September nur noch auf Basis der frei handelbaren Aktien, FTSE wird im Juni 2001 folgen. SSB berechnet seine Börsenbarometer bereits seit 11 Jahren nach dem Free Float. Mit ihrer Reform haben FTSE und Stoxx auf Beschwerden von Fondsmanagern und Vermögensverwaltern reagiert, die sich mit ihren Investments eng an den Indizes orientieren. Die Kritiker hatten moniert dass, bei vielen Unternehmen nur ein kleiner Teil der Aktien frei handelbar sei, aber die gesamte Marktkapitalisierung in den Börsenbarometern berücksichtigt werde.

Werte mit hohem Free Float müssen zugekauft werden

Bei einer MSCI-Umstellung müssten die Portfoliomanager Titel, deren Index-Gewicht wegen geringem Streubesitz sinkt, abstoßen und umgekehrt Werte mit hohem Free Float zukaufen. Das könnte massive Folgen für die Kurse haben. Die SSB-Analysten fürchten, dass die MSCI-Reform "die größte indexgetriebene Umschichtung der Börsengeschichte auslösen wird". Auch Jörss rechnet mit Verwerfungen. Doch geht er davon aus, dass MSCI eine Entscheidung für den Streubesitz nicht sofort in die Tat umsetzen wird, sondern den Anlegern eine Übergangsfrist einräumt, um so die Folgen für die Kurse abzufedern. "Bis MSCI wirklich seine Berechnung umstellt, könnte es Juni 2001 werden", erläutert der Analyst.

Von der Umstellung würden Branchen mit traditionell hohem Free Float wie Pharma, Energie und Technologie profitieren, schreibt die Bank Julius Bär in einer Studie. Dagegen drohe Telekommunikations- und Softwareanbietern sowie den Versorgern ein Gewichtsverlust. Betrachtet man die einzelnen Regionen, würden der Euroraum und Asien wohl zu den Hauptleidtragenden zählen. Dafür sprechen die Erfahrungen des MSCI-Wettbewerbers FTSE. Bei der Neugewichtung der FTSE-Indizes wird Japan mit einem Rückgang der Kapitalisierung von 6 % der größte Verlierer sein, danach käme Deutschland mit einem Minus von knapp 4 %, gefolgt von Frankreich und Italien.



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