Führender Indexanbieter räumt Anlegern lange Übergangsfrist bei der Umstellung auf den Streubesitz ein
Telekomwerte sind die Verlierer der MSCI-Reform

Die Reform des Indexanbieters Morgan Stanley Capital International (MSCI) wird nach Meinung vieler Analysten zu Kapitalabflüssen aus dem deutschen Aktienmarkt führen. Europaweit könnten vor allem Telekommunikationswerte unter der Umstellung leiden. Mit einer langen Übergangsfrist will MSCI die Folgen für die Kurse abfedern.

mm FRANKFURT/M. Die europäischen Telekommunikationswerte haben in diesem Jahr massive Kursverluste hinnehmen müssen. Jetzt droht ihnen weitere Gefahr. Nach Berechnungen der Bank Julis Bär müssen die Telekomkonzerne nach der Umstellung des weltweit führenden Indexanbieters MSCI auf den Streubesitz mit dem größten Gewichtsverlust rechnen. Auch Transport- und Softwarewerte würden demnach auf der Verliererseite stehen. Dagegen werde die Bedeutung von Energie- und Technologietiteln in den Börsenbarometern steigen. "Den Telekomwerten droht die größte Gefahr", bestätigt auch Carsten Hilck Indexexperte der Fondsgesellschaft Union Investment.

MSCI will in Zukunft seine Börsenbarometer nicht mehr auf Basis der gesamten Marktkapitalisierung sondern nur noch nach der Zahl der frei handelbaren Aktien berechnen. Dadurch werden Fondsmanager, die sich an den Indizes orientieren, zu Umschichtungen gezwungen. Mit einem drohenden Kapitalabfluss von rund 5 Mrd. $ zählt Deutschland nach den Berechnungen der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney zu den größten Verlieren der Reform. "Die Auswirkungen werden am deutschen Markt klar spürbar sein", meint Hilck. "Einige Titel wie die Telekom, Allianz oder Münchner Rück könnten leiden", bestätigt Monika Kuhn aus der Abteilung Anlagestrategie Privatkunden der Deutschen Bank. Allerdings habe MSCI die Reform frühzeitig angekündigt, so dass nicht mit massiven Folgen für den deutschen Markt zu rechnen sei.

Auch nach Einschätzung von Matthias Jörss von der BHF-Bank hat sich ein Teil der Anleger bereits auf die Reform vorbereitet. Der Analyst betont, dass die MSCI-Reform nichts über die fundamentalen Qualität einer Aktie aussage. Anleger könnten eventuelle Kurseinbußen auch nutzen, um günstig in Qualitätstitel einzusteigen.

Um Verwerfungen an den Aktienmärkten zu vermeiden, will MSCI die Reform auf zwei Schritte am 30. November 2001 und am 31. Mai 2002 verteilen. Ende Juni kommenden Jahres wird der Anbieter vorläufige Daten für die Reform vorlegen und dann auch einen provisorischen Index auf Basis des Streubesitzes berechnen. Bei der Festlegung des Free Floats will MSCI in Fünf-Prozent-Schritten runden. Ein Unternehmen mit einem Streubesitz von 23 %, würde beispielsweise mit 25 % der gesamten Marktkapitalisierung in den Indizes berücksichtigt.

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