Führungsebene soll Zeit zur Neuausrichtung bekommen
EM-TV will Vorstand Diskussion um Entlastung ersparen

Der krisengeschüttelte Medienkonzern EM.TV will die Entlastung der Führungsspitze verschieben. Die ursprünglich für die Hauptversammlung im August geplante Abstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat solle vertagt werden. Außerdem sollen die Aktionäre neuen Aufsichtsratmitgliedern zustimmen. Akionärsschützer gingen mit dem Management hart ins Gericht.

rtr/dpa/vwd/jgo MÜNCHEN. Über die Entlastung solle erst entschieden werden, wenn die Neuausrichtung des Konzerns Fortschritte gemacht habe und weitere Erkenntnisse aus den vor Gericht anhängigen Verfahren gegen EM-TV und deren Managern vorlägen, hieß es zur Begründung.

Mehrere hundert Anleger haben gegen EM-TV und Vorstandschef Thomas Haffa Schadensersatzklagen eingereicht, nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr die Märkte mit einer massiven Gewinnwarnung geschockt hatte und der Aktienkurs um mehr als 90 % eingebrochen war. Im vergangenen Jahr stand bei EM-TV unter dem Strich ein Verlust in Höhe von fast 2,6 Mrd. DM. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Haffa wegen des Verdachts auf Insiderhandel.

Aktionärsschützer wollen Haffa kein Pardon geben

Bei den Aktionärsschutzvereinigungen stieß die Initiative auf Kritik. "Da will man wohl bei der Hauptversammlung den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen", sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Eine Entlastung für den Vorstand ist nicht angebracht, weder jetzt noch im kommenden Jahr." Die Abstimmung könne EM-TV zwar verschieben, nicht aber die Diskussion, sagte Keitel. Nach ihren Worten hätte die SdK sich mit einer Entlastung auch nicht abgefunden. "Wenn die Großaktionäre das durchgedrückt hätten, hätten wir eine Anfechtungsklage erhoben."

Bei der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, DSW, hieß es, eine Entlastung beziehe sich immer auf das voran gegangene Geschäftsjahr. "Ich empfinde das als eine Unsicherheit des Vorstandes", sagte Daniela Bergdolt von der DSW. "Das Unternehmen traut sich nicht zu sagen, eine Entlastung sei angebracht." Die DSW will sich auf der Hauptversammlung mit Kritik nicht zurückhalten. "Wir werden kräftig Opposition machen", kündigte Berdolt an. Keitel hat auf diese Frage schon eine Antwort gefunden: "Der eigentliche Skandal ist doch, dass Thomas Haffa immer noch im Amt ist." Das Deutsche Aktieninstitut bezeichnete ein Aufschieben der Entlastung als "sehr ungewöhnlich".

Aufsichtsrat wird neu bestückt

In der Mitteilung warb EM-TV um das Vertrauen der Anleger. "Wir wollen größte Transparenz und glauben, dass es für unsere Aktionäre positiv ist, erst nach weiterem Fortschritt der Restrukturierung und Neuausrichtung und dem weiteren Fortgang der anhängigen Verfahren eine Entscheidung über die Entlastung beider Organe zu treffen", ließ sich der Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Thiemann zitierten.

Der Konzern bestätigte, dass der Hauptversammlung die Wahl von Unternehmensberater Roland Berger und Rechtsanwalt Ralph Wollburg in den Aufsichtsrat vorgeschlagen werden soll. Sie sollen Mathias Schwarz und Axel Kollar ablösen, deren Amtsperiode nach Unternehmensangaben planmäßig zur Hauptversammlung ausläuft. Außerdem soll der bereits bestellte neue Ausichtsrat Bernd Thiemann aus Frankfurt bestätigt werden. Die früher angekündigte Aufstockung der Zahl der Mitglieder in dem Kontrollgremium soll den Angaben zufolge aber erst über die Bühne gehen, wenn der Einstieg der Kirch-Gruppe kartellrechtlich genehmigt ist.

Ausflug in und Rückzug aus Formel 1 stehen zur Debatte

EM-TV wolle sich auf der Hauptversammlung zudem die Veräußerung von Anteilen an der Formel-1-Zwischenholding Speed an die Kirch-Gruppe nachträglich genehmigen lassen, erläuterte eine Sprecherin.

Der Münchener Medienkonzern des Unternehmers Leo Kirch war im vergangenen Jahr in das Formel-1-Geschäft eingestiegen und hatte von EM-TV einen 49-prozentigen Anteil an der Speed für 550 Mill. $ übernommen. Darüber hinaus finanzierte Kirch eine Option zum Erwerb weiterer 25 Prozent an der Formel-1-Holding SLEC, sodass nun in der Speed insgesamt 75 Prozent der SLEC gebündelt sind. Die restlichen 25 Prozent hält Formel-1-Funktionär Bernie Ecclestone.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%