Führungsgremien entlastet
Aktionäre nehmen Telekom ins Visier

Vorstand und Aufsichtsrat der Telekom sind am Dienstag auf der Hauptversammlung trotz massiver Aktionärskritik und zahlreicher Gegenanträge mit überwältigender Mehrheit entlastet worden. Die Kritiker der Telekom konnten sich auch nicht mit einem Antrag auf Sonderprüfung des Immobilienvermögens durchsetzen.

dpa KöLN. Bei einer Präsenz von knapp 70 % des stimmberechtigten Kapitals, darunter allein 58 % durch den Mehrheitsaktionär Bund, wurde der Antrag mit mehr als 98 % abgeschmettert. Wegen des drastischen Einbruchs der T-Aktie hatten zahlreiche Aktionäre zuvor in einer mehr als achtstündigen Generaldebatte den Vorstand unter Beschuss genommen. Sie warfen der Konzernspitze vor, durch milliardenschwere Zukäufe und die enormen Kosten für den Erwerb der UMTS-Lizenzen an dem Kursverfall mitschuldig zu sein. Telekom-Chef Ron Sommer bedauerte vor 9 500 Anteilseignern den Kursrückgang, zeigte sich aber überzeugt, dass die T-Aktie aus dem Tief wieder herauskommen wird.

Binnen eines Jahres seien 200 Mrd. ? vernichtet worden, meinte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Sie stellen eine konkrete Gefahr für die Aktienkultur in Deutschland dar", sagte er an die Adresse des Telekom-Vorstands. Seit ihrem Höchststand im Frühjahr 2000 bis heute hat die Aktie mehr als 70 % an Wert eingebüßt. Am Dienstagabend notierte das Papier an der Frankfurter Börse mit 25,50 ? drei Prozent im Minus.

Streit um Immobilienbewertung



"Die derzeitige Bewertung unserer Aktie spiegelt die erstklassige Positionierung und den geschäftlichen Erfolg in keiner Weise wider", betonte Sommer. Sobald sich die allgemeine Marktstimmung wieder ändere, werde die T-Aktie eine positive Entwicklung vollziehen, prophezeite der oberste Konzernlenker. Die Fundamentaldaten sprächen für eine deutlich höhere Börsenbewertung.

Zur umstrittenen Immobilienbewertung wiederholte er die bekannte Position des Vorstandes: Die Werte seien stets rechtlich einwandfrei ermittelt worden. Notwendig sei die Neubewertung geworden, weil die Telekom ihre Strategie geändert habe und Teile dieses Vermögens schneller verkaufen wolle. Der öffentlichen Diskussion stelle sich die Telekom. So werde die Bilanz des laufenden Geschäftsjahres durch einen zweiten Bilanzprüfer testiert.

"Wir wollen endlich wieder durchatmen können", sagte ein Aktionär zur Immobilienaffäre. Ein Vertreter der Union Investment argwöhnte: Die Informationspolitik der Telekom sei ungenügend, hier solle offenbar etwas vertuscht werden. Sommer wies indes den Vorwurf zurück, er habe von der angeblichen falschen Bewertung schon seit längerem gewusst und nichts dagegen unternommen. Er zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass sich die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen ihn und weitere Manager des Unternehmens als unbegründet erweisen werden.

Kritik an hohem VoiceStream-Preis



Kritik am Kaufpreis für den US-Mobilfunkanbieter VoiceStream von mehr als 70 Mrd. DM wies Sommer ebenso zurück wie an den Kosten für die UMTS-Lizenzen. VoiceStream sei die allerbeste Wahl gewesen. Der US-Markt verfüge bei der Teilnehmerrate von derzeit 40 % noch über ein gewaltiges Potenzial, unterstrich Sommer. Ab dem 1. Juni wird der sechstgrößte Mobilfunker in den Telekom-Konzern eingegliedert.

Im Zusammenhang der Kritik von Aktionären, das Mobilfunknetz in Europa sei noch ein Flickenteppich, weil der Konzern weder in Spanien, Italien und Frankreich im Mobilfunk aktiv ist, sagte Sommer: Genau für diese Länder verschaffe sich das Unternehmen eine Akquisitionswährung. So plant die Telekom seit längerem den Börsengang der Tochter T International-Mobile AG. Ein Zeitpunkt steht gegenwärtig aber noch nicht fest.

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