Führungskräfte des Internetanbieters können trotz der schlechten Börsenwertentwicklung auf eine Zusatzvergütung hoffen
Kritik an T-Online-Optionsprogramm

Betriebswirtschaftler und Aktionärsschützer üben deutliche Kritik an den Aktienoptionsplänen des Internetanbieters T-Online International AG. So bezeichnet Professor Günter Franke von der Universität Konstanz gegenüber dem Handelsblatt die Pläne der Telekom-Tochter als Beispiel für einen "gefährlichen Umgang mit Aktienoptionsprogrammen".

DÜSSELDORF. Die Führungskräfte würden durch das neue Programm, das die Hauptversammlung von T-Online am Mitwoch absegnen soll, vor den Folgen des deutlichen Kursrückgangs der T-Online-Aktie in den vergangenen Monaten geschützt. Die Aktionäre, so Franke, müssten sich deshalb fragen, weshalb sie dem neuen Programm zustimmen sollen. "Eine derartige Handhabung von Optionsplänen nährt den Verdacht, den Begünstigten komme es lediglich auf eine Zusatzvergütung zu Lasten der Anteilseigner an."

T-Online hat in der Neuauflage 2001 den bisherigen Aktienoptionsplan deutlich entschärft. Vereinfacht gesagt können die heute 540 Berechtigten dem neuen Programm zufolge bereits dann ihre Optionen ausüben, wenn die T-Online-Aktie innerhalb der nächsten zehn Jahre um 25 % steigt. Es sei eine "Provokation der Anleger", wenn die Führungskräfte Millionenbeträge kassieren könnten, ohne dass auch nur der Emissionskurs von 27 Euro jemals wieder erreicht werde, bemängelt Leonhard Knoll vom Lehrstuhl des Betriebswirtschaftsprofessors Ekkehard Wenger an der Universität Würzburg.



Kritik übt auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Vor dem Hintergrund der massiven Kursverluste, die die T-Online-Aktionäre hinnehmen mussten, hätten sich die Führungskräfte eine "unbefriedigende Messlatte" für den eigenen Erfolg gesetzt. Eine Kurssteigerung von 25 % vom derzeit niedrigen Niveau könne aus Sicht der Aktionäre noch nicht als bahnbrechender Erfolg des Managements bezeichnet werden. Laut DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher ist diese Erfolgshürde zu wenig sportlich angelegt.



T-Online hingegen hält den im letzten Jahr beschlossenen Aktienoptionsplan 2000 für nicht mehr wettbewerbsfähig, da die Hürden für eine Ausübung nach dem allgemeinen Kurssturz der Internetwerte heute zu hoch seien. Dem ursprünglichen Plan zufolge hätte die T-Online-Aktie seit dem Börsengang um 40 % zulegen müssen. Zudem hätte das Papier 20 % besser abschneiden müssen als der Branchenindex Dow Jones Euro Stoxx Telecom. "High-Tech-Unternehmen legen die Messlatte bei Stock-Option-Plänen derzeit niedriger, da sich hoch qualifizierte Mitarbeiter nach den schlechten Erfahrungen der letzten Monate nur noch schwer für Aktienoptionen begeistern lassen", sagt Christoph Vogt, Analyst bei M.M.Warburg. T-Online ist nicht das erste deutsche Unternehmen, deren Stock-Option-Modell von Aktionärsschützern und Betriebswirtschaftlern bemängelt wird. In der Vergangenheit wurden vor allem die Optionspläne der Autohersteller Daimler-Chrysler und Volkswagen sowie der Deutschen Bank als zu wenig anspruchsvoll kritisiert.



Nach Anfechtungen durch Aktionärsschützer wurden diese Pläne jedoch deutlich verschärft. Heute noch gilt vor allem der Aktionsoptionsplan der Siemens-Halbleiter-Tochter Infineon aus Sicht der Aktionärsschützer als unbefriedigend.



Das Herunterlegen der Messlatte bei Aktienoptionsplänen kann nach Ansicht von Betriebswirtschaftsprofessor Franke auch den Leistungsanreiz für die Führungskräfte verringern. Die Begründung, Optionspläne seien zur Motivation notwendig, verlören damit ihre Berechtigung. "Ein Mitarbeiter, der das System durchschaut, weiß, dass seine Leistung für die Zusatzvergütung nur noch eine nachgeordnete Rolle spielt".

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