Führungskräfte setzen auf Zusammenschlüsse
Kreditinstitute haben Kosten nicht im Griff

Die deutschen Kreditinstitute werden in den nächsten drei Jahren kräftige Einschnitte vornehmen. Dieses Fazit zieht der Vorstandsvorsitzende der Mummert + Partner Unternehmensberatung, Wilhelm Alms, aus dem gemeinsam mit dem FAZ-Institut und dem Manager Magazin erarbeiteten "Branchenkompass Kreditinstitute".

beu HAMBURG. Die Basis bildet eine Befragung im Februar 2002 bei 100 Führungskräften von 100 deutschen Kreditinstituten aller Gattungen. "Um das Geschäft wieder auf Fahrt zu bringen, schrecken Banken und Sparkassen auch vor strategischen Neuorientierungen nicht zurück", sagt Alms.

Die Hauptursache für die Ertragsprobleme der deutschen Banken ist nach dem Ergebnis der Studie hausgemacht: Die Kreditinstitute und Sparkassen haben ihre Kosten nicht im Griff. Die Deutsche Bank zum Beispiel musste im vergangenen Jahr knapp 94 Cents aufwenden um einen Euro zu verdienen.

Mehr als die Hälfte der Geldhäuser will in den nächsten drei Jahren die Kosten senken, fast ein Drittel plant eine strategische Neuausrichtung. Eine wichtige Rolle bei der Kostensenkung spielt der Personalabbau: Allein die vier deutschen Großbanken wollen in den kommenden Jahren rund 30 000 Stellen abbauen.

Die "Industrialisierung" der Geschäftsprozesse soll nach Angaben der Bankmanager in den kommenden Jahren zur Kostensenkung beitragen. Vor allem bei der Wertpapierabwicklung und bei den Konsumentenkrediten soll die maschinelle Durchlaufrate erhöht werden. Bis 2004 wird für die Automatisierung ein Fünftel der Investitionsbudgets reserviert.

Auch das so genannte Outsourcing, also die Auslagerung von Unternehmensteilen auf Externe, spielt in den Überlegungen der Manager eine wichtige Rolle. 86 Prozent der Institute planen, Unternehmensbereiche auszulagern, 70 Prozent gehen von einer Zusammenlegung mit anderen Instituten aus. Ein Beispiel ist die neue Eurohypo, unter deren Dach die drei Frankfurter Großbanken Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank ihre Hypothekenbank-Töchter verschmolzen haben. Auch bei der Abwicklung von Zahlungsverkehrs- und Wertpapiertransaktionen suchen die Institute - mittlerweile sogar sektorübergreifend - nach Lösungen zur Zusammenarbeit. So verhandelt die Commerzbank mit der genossenschaftlichen DZ Bank.

Allerdings reichen Sparprogramme nicht aus. Die deutschen Banken haben auch ein Ertragsproblem. Durch die Börsenbaisse bleiben die wichtigen Provisionserträge aus. Nun wenden sich die Banken verstärkt den klassischen Geschäftsfeldern zu. Im Kreditgeschäft rechnen 92 Prozent der befragten Institute mit höheren Margen, da durch die neuen Eigenkapitalregelungen nach Basel II die Kreditzinsen für Risikokunden angehoben werden können. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen werden von steigenden Kreditkosten belastet werden, so die Studie.

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