Führungskräfte unter Druck
Vorstandsposten bei Dax-Unternehmen werden zu Schleudersitzen

Die Zeiten, in denen der Posten eines Vorstands eine lebenslange Beschäftigung bedeutet hat, sind vorbei. Eine Untersuchung ergab, dass von den rund 260 Vorständen, die 1994 bei Dax-Unternehmen tätig waren, Ende 1999 nur noch 100 im Amt waren.

dpa MÜNCHEN. Die Vorstandsposten bei den großen Konzernen in Deutschland werden laut einer Untersuchung immer mehr zu Schleudersitzen. "Die Zeiten, in denen der Posten eines Vorstands eine lebenslange Beschäftigung bedeutet hat, sind vorbei", sagte Hubert Johannsmann, Chef der Headhunter-Gesellschaft Interconsilium, der dpa in München. Von den insgesamt rund 260 Vorständen, die 1994 bei den Dax-Unternehmen tätig waren, seien Ende 1999 nur noch 100 im Amt gewesen. Damit hätten mehr als 60 % der Vorstände aus den verschiedensten Gründen ihren Job aufgeben müssen. Bei weitem nicht alle seien freiwillig oder aus Altersgründen ausgeschieden.

Angesichts der Globalisierung und des immer wichtigeren Aktienwerts einer Firma wachse der "Innovationsdruck", sagte Johannsmann. Zudem hätten Fusionen und Krisen in einzelnen Konzernen den Austausch gleich mehrerer Führungskräfte ausgelöst. So mussten im Zuge der Rover-Krise sowohl 1999 als auch 2000 eine Reihe von BMW - Vorständen gehen.

Während bei Firmen wie Allianz oder Henkel im Beobachtungszeitraum auf Kontinuität gesetzt wurde, gab es bei Siemens, KarstadtQuelle, DaimlerChrysler und der Deutschen Telekom regen Wechsel in der Führungsriege. Bei der Dresdner Bank hätten insbesondere Steuerskandale zu einem Verschleiß von Vorständen geführt, heißt es in der Untersuchung.

Fester im Sattel sitzen der Untersuchung zufolge die Vorstandschefs. 18 der Firmenchefs, die 1994 an der Spitze standen, waren der Untersuchung zufolge auch Ende 1999 noch im Amt. Nur zwei Konzernlenker waren 1994 noch nicht im Vorstand ihres Unternehmens. "Beim Vorstandsvorsitzenden wird ja schon darauf geachtet, dass er wirklich der Beste ist", sagt Johannsmann.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Interconsilium GmbH & Co KG (Düsseldorf) wertet die höhere Mobilität in den Vorstandsetagen als Fortschritt. "Jeder muss wissen, dass er etwas leisten muss." Allerdings müssten die Vorstandsposten künftig eher noch höher dotiert werden. "Kaum noch ein Vorstand kann sich sicher fühlen, die nächsten Jahre in gleicher Position zu erleben." Daher handelten viele Vorstände bereits heute Risikoprämien aus, da "der Reiz einer lebenslangen Beschäftigung nicht mehr besteht".

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