Führungskrise bei der Telekom
"Tenzer oder keiner"

Der amtierende Chef der Deutschen Telekom hat offensichtlich keine Chance mehr. Die Anzeichen verdichten sich, dass sein Nachfolger bereits bestimmt ist.

Reuters BONN. Der bisherige Technik-Vorstand der Deutschen Telekom, Gerd Tenzer, wird nach Angaben aus informierten Kreisen Firmenchef Ron Sommer an der Spitze des Unternehmens ablösen.

Tenzer werde dem Telekom-Aufsichtsrat am Dienstag zur Wahl vorgeschlagen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag. Die Wahl Tenzers gelte als sicher, da er die Unterstützung der Bundesregierung habe. Ein Telekom-Sprecher hatte zuvor gesagt, das Präsidium des Aufsichtsrates habe sich am Freitag nicht getroffen. Darüber hinaus wollte der Sprecher keinen Kommentar abgeben.

Tenzer gilt als Urgestein in der Telekom-Führung

Der 59-jährige Tenzer steht der SPD nahe und gilt als Urgestein im Telekom-Vorstand. In Telekom-Kreisen hatte es bislang geheißen, keiner der Vorstände habe das Format, Sommers Rolle einzunehmen.

Das Magazin "Focus" hatte vorab berichtet, die vier Mitglieder des Präsidiums des Aufsichtsrats hätten sich am Freitag an einem geheim gehaltenen Ort in Bonn getroffen und nach stundenlanger Beratung in der Nacht entschieden. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete zudem vorab, die erforderliche Zweidrittelmehrheit für Tenzer im Aufsichtsrat habe sich der Bund als Hauptanteilseigner mit Zugeständnissen an die Gewerkschaften gesichert. Dem "Spiegel" zufolge sollen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat den Vorsitzenden des Gremiums, Hans-Dietrich Winkhaus, vor die Alternative gestellt haben "Tenzer oder keiner".

Aktionärsvertreter sind skeptisch

Aktionärsvertreter bezeichneten die sich abzeichnende Lösung als nicht ausreichend. Eine Ablösung von Sommer durch Tenzer werde das Vertrauen der Anleger nur ungenügend wiederherstellen können, erklärte die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). "Eine interne Lösung wäre nur ein halber Schritt. Es wäre besser gewesen, von außen eine Lösung zu finden", sagte Reinhild Keitel, Mitglied des SdK-Vorstands. Sommer sei nicht alleine verantwortlich für alle Entscheidungen, die ihm jetzt vorgehalten würden. "Sommer war im Vorstand eingebunden", fügte Keitel hinzu. Ein Wechsel sei jedoch unvermeidbar, da Sommer nach den Diskussionen um seine Person unhaltbar geworden sei.

Solidarität bei den Beschäftigten

Nach einer Unterschriftenaktion von mehr als 20 000 Konzernbeschäftigten hatten sich am Freitag die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hinter Sommer gestellt. Dieser hat zuletzt zunehmend die Unterstützung der Bundesregierung verloren. Der Bund ist mit 43 Prozent größter Einzelaktionär des Unternehmens.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte stets betont, der Telekom-Aufsichtsrat werde in Eigenverantwortung entscheiden. Die Telekom-Aktie hat seit dem Höchststand von knapp 105 Euro im Frühjahr 2000 rund 90 Prozent eingebüßt, was auch viele Aktionäre gegen Sommer aufgebracht hat.

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