Führungsspitze des Richtfunkanbieters verlässt das Unternehmen
Star 21 gerät in Turbulenzen

Mit dem Abgang der Führungsspitze gerät Star 21, der letzte der überregional tätigen Richtfunknetzbetreiber, in Turbulenzen. Vier Konkurrenten sind schon Pleite oder stehen kurz davor. Auch bei Arcor und BT Ignite Deutschland läuft das Geschäft auf der letzten Meile per Funk schlecht.

dri BERLIN. Vor vier Monaten hatte Stefan Hischer, Chef des Richtfunkanbieters Star 21 Networks AG, die Zukunft des Unternehmens noch voller Optimismus gesehen. Ausreichend Startkapital habe die Firma von ihren zwölf Eigentümern, mehrheitlich Banken und Venture-Capital-Gebern. Bis 2004 werde sie bei 500 Mill. DM Umsatz auf sicheren Füßen stehen, hatte er vorausgesagt. Die Zahl der Beschäftigten werde schon bis Ende 2001 auf 400 steigen.

Jetzt zeigt sich: Die Eigentümer wollen die Ausrichtung des Unternehmens grundlegend ändern. In einem Brief des Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Peel von dem Finanzinvestor Texas Pacific an die Mitarbeiter heißt es, dass "mit Blick auf die Marktsituation der Telekomindustrie und der Kapitalmärkte" Änderungen unausweichlich seien. Es gebe Verhandlungen mit drei Interessenten, die die Mehrheit übernehmen und ein neues Management installieren wollten.

Das bewog Hischer und den Finanzvorstand und Mitgründer Johannes Lucas, das Unternehmen zu verlassen. Bis Ende des Jahres stehen sie Star 21 und dem Interimsvorstand Marcus Opitz noch beratend zur Verfügung. Ein paar Wochen zuvor hatte sich schon Mitgründer und Technikchef Christian Golaszewski verabschiedet. Zu einem Gespräch über die Neuausrichtung war Aufsichtsratschef Peel auf Anfrage nicht bereit.

Dass Richtfunk kein einfaches Geschäft ist, haben in diesem Jahr bereits die Mitbewerber von Star 21 gezeigt. Callino, Firstmark und die Deutsche Landtel befinden sich in Insolvenzverfahren. Broadnet ist bis zur Unsichtbarkeit zusammengeschrumpft. Auch die großen Festnetzgesellschaften Arcor und BT Ignite (früher Viag Interkom) haben wenig Freude an ihren Richtfunkaktivitäten. "Es läuft deutlich schlechter, als wir erwartet haben", sagte eine Arcor-Sprecherin.

Vor zwei Jahren hatten sich die genannten Unternehmen und einige regionale Anbieter an einer spektakulären Ausschreibung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post beteiligt. Die Idee klang bestechend: Per Funk die letzte Meile im Telefonnetz zu überwinden und so der Telekom ihr Ortsnetzmonopol streitig zu machen.

In Berlin lieferten 32 Firmen im Sommer 1999 lastwagenweise Bewerbungen um die Richtfunk-Frequenzen an: Für jeden der 262 deutschen Landkreise mussten sie einzeln Formulare ausfüllen und mit 20 Durchschlägen abgeben; 21 Tonnen kamen so zusammen.

Nach der Frequenzvergabe zeigte sich, dass der Netzaufbau zumeist komplizierter war als gedacht und sehr viel Geld kostete. Branchenexperten wie Colt-Telecom-Chef Horst Enzelmüller halten es daher für lukrativer, die letzte Meile von der Telekom zu mieten und mit DSL-Technik für eine schnelle Datenübertragung aufzurüsten.

Bis Richtfunker ihr Geschäft aufnehmen können, vergehen in der Regel zwei Jahre ohne Umsätze. Star 21 wollte im Herbst durchstarten. Im September hatte Nortel Networks das fertige Netz im Tausch gegen eine erhöhte Beteiligung an Star 21 übergeben. Das Unternehmen war damit schuldenfrei. Wie es heißt, befinden sich darüber hinaus noch 80 Mill. Euro als weitere Anschubfinanzierung in der Kasse.

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