Führungsstil der "offenen Türen"
Willibert Krüger: Der letzte echte Patriarch

Nein, mit Journalisten redet er nicht gern. "Das hat mich in der Vergangenheit immer viel Geld gekostet", beantwortet Willibert Krüger die Frage nach dem "Warum". Dabei meint der 61-jährige geschäftsführende Gesellschafter der Krüger GmbH & Co. KG nicht, dass eine schlechte Presse jemals ein gutes Geschäft verhagelt hätte.

HB DÜSSELDORF. Im Gegenteil: Die Erfolgsstory seines Süßwarenunternehmens - Instant-Getränke, Schokoladen, Vitamintabletten - mit einem Umsatz von mehr als zwei Milliarden Mark weckt die Begehrlichkeiten seiner Handelspartner: Discounter wie Aldi oder Lidl, die sich von Krügers Erfolg immer noch ein Scheibchen mehr abschneiden wollen.

So ist es ihm manchmal ganz recht, dass viele Endverbraucher den TV-Komödianten Mike Krüger, der seit einigen Jahren erfolgreich für Krügers Instant-Cappuccino ("Es geht auch Krüger . . .") wirbt, für den Konzernchef halten und Willibert Krüger sich dezent im Hintergrund halten kann.

Doch tief im Innern drängt es den Mann aus Bergisch-Gladbach bei Köln, über seine guten Taten auch zu reden. Im kleinen Kreis, etwa bei einem Vortrag vor gleichgesinnten Unternehmern, verwandelt sich das Rednerpult schnell in eine "Bütt" des rheinischen Karnevals, wenn Willibert Krüger anekdotenreich Geschichten aus seinem 30-jährigen Unternehmerdasein erzählt.

In dieser Hinsicht gleicht er dem inzwischen schwer erkrankten Kölner Schokoladenfabrikanten Hans Imhoff, der zu seinen besten Zeiten jede Hauptversammlung der Stollwerk AG in eine Hochburg närrischen Frohsinns verwandeln konnte. Krüger bleibt als Chef einer Personengesellschaft die Hauptversammlung erspart - leider auch ein umjubelter Auftritt.

Genau wie Imhoff möchte er persönlich die Kontrolle behalten und mischt sich in alles ein - von der Produktion von Alkohol in Pulverform bis zur Pressearbeit. Delegieren kann er schlecht. Und wenn ihm der Kragen platzt, was bei seinem aufbrausenden Temperament häufiger vorkommen soll, dann mischt er seinen Laden so richtig auf.

Stolz beschreibt Krüger seinen Führungsstil der "offenen Türen", der jedem Mitarbeiter den direkten Weg in die Chefetage ebnet. Ein "vernünftiges Verhältnis" zu seinen 3 800 Mitarbeitern, sagt Krüger, sei ihm "wichtig". Von Mitbestimmung hält er aber offenbar nichts. In keinem seiner 21 Werke in 13 Ländern existiert ein Betriebsrat.

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) weiß gar von einer "massiven Einschüchterung" der Belegschaft im Stammwerk in Bergisch-Gladbach zu berichten. Als die NGG kürzlich die Gründung eines Betriebsrats anregte, habe Krüger damit gedroht, freiwillige betriebliche Leistungen in Form von Naturalien zu streichen, sagen Gewerkschafter. Zu einer Informationsveranstaltung der NGG erschienen dann auch nur sieben Interessenten - sechs davon aus der Krüger-Führungsetage.

Willibert Krüger, ein Zwei-Meter-Hüne mit breiten Schultern, ist ein Mann der Tat. Sein Durchsetzungsvermögen entspringt häufig einem trotzigen "Und ich schaffe es doch". In der Aufbauphase seiner Firma übernahm Krüger erst den Auftrag, dann verschaffte er sich das Know-how und die Maschinen. Da wurde auch schnell mal ein Fahrer zum Werksleiter befördert, die Baugenehmigung verhandelte er mit dem Stadtdirektor (Krüger: "Mein Freund Otto") telefonisch.

Dass diese Zeiten vorbei sind, weiß dieser letzte echte Patriarch genau. Irgendwann wird er Platz machen müssen für seinen Nachfolger, vielleicht für seine Tochter Anke, 27. Die hat bereits ein ganz anderes Verhältnis zum Geschäft. Dass sie sich ganz locker mit dem Haupteinkäufer eines großen Handelskonzerns auf einen Kaffee trifft, findet Krüger "schon in Ordnung". Es passt aber nicht mehr in seine Welt, die durch harten Kampf erobert werden musste.

Wird er sein Unternehmen auch einmal loslassen können? "Noch zehn Jahre werde ich machen", sagt Krüger. Bis dahin wird er vielleicht doch einmal mit Journalisten reden.

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