Führungsstruktur wird gestrafft
Commerzbank fokussiert Vermögensverwaltung auf Europa

Die Commerzbank will sich in der Vermögensverwaltung auf Europa konzentrieren und das US-Engagement zurückdrehen. Eine neue Führungsebene soll die Prozesse straffen, die Produktvielfalt wird reduziert. So hofft die Bank, in 2005 ein Ergebnis von 510 statt wie bisher geplant 305 Mill. zu erzielen.

nw/po/HB FRANKFURT/M. "Europe First!" Unter dieses Motto stellt die Commerzbank ihre neue Ausrichtung in der Vermögensverwaltung (Asset Management). Lange Zeit hatte die Bank versucht, auf dem US-Markt stärker Fuß zu fassen und sogar den Kauf eines weiteren US-Asset-Managers ins Auge gefasst. Jetzt dreht die Bank ihre Ambitionen auf dem weltweit größten Kapitalmarkt deutlich herunter.

"Das Potenzial in Europa ist so groß, dass wir unsere Ressourcen darauf konzentrieren sollten", erklärte Friedrich Schmitz, verantwortlich für das Asset Management, den Meinungsumschwung.

In Europa werde das verwaltete Vermögen bis 2005 jährlich um durchschnittlich 14 % steigen, aktuell liege das Volumen bei 4,5 Bill. , sagte der für das Asset Management zuständige Vorstand Heinz Hockmann. In Europa erscheine das Geschäft mit privaten Kunden bei kalkulierten jährlichen Erlösen zwischen 44 und 48 Mrd. deutlich attraktiver als das Geschäft mit institutionellen Investoren wie Unternehmen. Dort seien weniger als 10 Mrd. pro Jahr für externe Asset Manager zugänglich, viele Institutionelle verwalteten ihr Vermögen selbst.

Präsenz in Italien soll deutlich steigen

"Wir wollen uns in Europa auf Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien konzentrieren", kündigte Schmitz an. Im Privatkundengeschäft will die Commerzbank auch ihre Präsenz in Italien deutlich ausbauen. Dabei setzen die Frankfurter Banker allerdings nicht auf den strategischen Partner Generali, sondern wollen aus eigener Kraft wachsen. Auch der ursprünglich gemeinsam mit Generali gefasste Plan, einen mittelgroßen Asset Manager in den USA zu kaufen, wird jetzt aufgegeben. Zwar diskutiere man den aktuellen Strategiewechsel in den USA mit dem italienischen Partner, sagte Hockmann. Doch offenbar ist die Commerzbank in den USA derzeit allein unterwegs, um einen strategischen Partner zu finden. "Wir brauchen weiterhin einen Zugang zum US-Markt. Aber müssen wir hierzu mehrere Millionen US-Dollar ausgeben, die wir als Goodwill von unserem Eigenkapital absetzen und über fünfzehn Jahre abschreiben müssen?", so Schmitz.

Jetzt sucht die Bank einen strategischen Partner, um fachlichen Zugang zu dem in den USA weit entwickelten Branchen-Know-how zu gewinnen und ein Vertriebsnetz nutzen zu können. Umgekehrt will die Bank ihre Vertriebswege für den US-Partner öffnen. Zurzeit spreche man mit einem Unternehmen, sagte Schmitz. Die Bank sei bereit Anteile an dem 1995 erworbenen US-Vermögensverwalter Montgomery abzugeben, um sich im Gegenzug mit einer Minderheit an dem strategischen Partner zu beteiligen.

Montgomery - traditionell stark im institutionellen Geschäft - war in den vergangenen Jahren auch in die Retailschiene eingestiegen, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Künftig soll sich der Asset Manager wieder voll auf die Institutionellen konzentrieren, sagte Schmitz. Durch eine Fehleinschätzung der Börsenentwicklung habe das Unternehmen im vergangenen Jahr 2 Mrd. $ Verluste gemacht. Dieses Jahr würden die Kosten um 9 Mill. $ sinken, im nächsten Jahr soll Montgomery wieder in die Gewinnzone kommen.

Weltweit wird eine neue Führungsebene eingezogen. Die Position des Leiters für das globale Marketing und Vertrieb wird extern besetzt. Der Chef der britischen Tochter Jupiter, Edward Bonham Carter, soll die Leitung des Globalen Investitionskomitees übernehmen. Zudem wird es je einen Leiter für das Geschäft mit institutionellen und privaten Kunden geben. Aus Frankfurt werden künftig die Budgets, die Planungsprozesse und die Besetzung von Führungspositionen zentral gesteuert. Ein lokales Marketing und eine lokale Produktentwicklung soll es weiterhin geben - doch kontrolliert durch die zentrale Führungsebene. So soll vermieden werden, dass Produkte eingeführt werden, die nicht die kritische Größe erreichen oder sich mit bestehenden Produkten überschneiden.

Insgesamt werde 2005 ein Ergebnis von 510 Mill. erzielt. Im Strategieprogramm CB 21 waren ursprünglich 305 Mill. veranschlagt. Der Unternehmenswert des Asset Managements soll um 50 % auf über 8 Mrd. steigen.

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