Führungswechsel
Ackermann: Schweizer Chef für globale Deutsche Bank

"Die Deutsche Bank ist keine deutsche Bank mehr." Dieser Satz des scheidenden Vorstandssprechers Rolf Breuer gilt ab dem 22. Mai auch für die oberste Führungsposition von Europas größtem Geldhaus. Dass Josef Ackermann, der nach der Hauptversammlung Breuers Amt übernehmen wird, einen Schweizer Pass besitzt, ist dabei allerdings von eher symbolischer Bedeutung.

Reuters FRANKFURT. Ackermanns Berufung an die Spitze der Deutschen Bank ist Experten zufolge vielmehr wegen seines Profils, seines Werdegangs und seiner Ziele ein Zeichen dafür, wie weit die Internationalisierung des Geldhauses bereits fortgeschritten ist. Unter Ackermanns Führung werde sich entscheiden, ob die Bank als einziges deutsches Institut Anschluss an die globalen Top-Adressen des Bankgeschäfts finde. Als Investmentbanker angelsächsischen Typs wird vom neuen Chef in diesem Zusammenhang eine Veränderung der Führungskultur, aber auch der Strategie erwartet.

Neue Führungsstruktur trägt schon Ackermanns Handschrift

Dass der 1948 in Mels, im Kanton St.Gallen, geborene Ackermann Willens ist, die Internationalisierung der Deutschen Bank weiter voran zu treiben, hat er mit ersten weit reichenden Veränderungen bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt machtvoll unter Beweis gestellt: Der designierte Vorstandschef sprach sich für eine Weiterentwicklung des Sprecheramtes in Richtung eines amerikanischen Chief Executive Officer (CEO) aus und damit für eine Ausweitung seiner Machtbefugnisse aus.

Zwar erlaubt das deutsche Aktiengesetz keine CEO-Position, dennoch setzte sich Ackermann bei der Neustrukturierung der Führungsebene der Deutschen Bank durch: Ende Januar gab das Geldhaus die drastische Verkleinerung des Vorstandes sowie die Schaffung eines Group Executive Committees bekannt, das für das Tagesgeschäft der Bank zuständig ist und von Ackermann bestimmt wird. Opfer der Auseinandersetzung wurde Vorstand Thomas Fischer, der zurücktrat.

Härte und Höflichkeit

Die Härte, mit der sich Ackermann bei der Neuausrichtung offenbar durchsetzte, traut man dem höflichen, eloquenten Schweizer nach seinen bislang allerdings erst spärlichen öffentlichen Auftritten kaum zu. Vermutlich ist es nicht zuletzt sein schweizer Zungenschlag, der dem musischen Banker - Ackermann gilt als ausgezeichneter klassischer Sänger und Pianist - eine Aura von Gemütlichkeit verleiht.

Dennoch, der Umbau der Führungsetage ist nicht der erste Paukenschlag, seit Ackermann 1996 in den Vorstand der Deutschen Bank wechselte: So gilt es als sicher, dass der Investmentbanker, gestützt auf seine Hausmacht, im Frühjahr 2000 die geplante Fusion von Deutscher- und Dresdner Bank platzen ließ. Ackermann hatte sich damals vehement gegen die Integration der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson ausgesprochen, die Vorstandschef Breuer zuvor als "Juwel" bezeichnet hatte, das nicht zum Verkauf stehe.

Nicht zuletzt seit dem Scheitern der Fusion wird immer wieder über Differenzen zwischen Breuer und Ackermann gesprochen. Kritiker werteten daher auch die frühe Entscheidung des Deutsche-Bank-Vorstands, Ackermann zum Nachfolger Breuers zu bestimmen, als Schwächung des amtierenden Chefs. Das Führungsgremium hatte sich bereits im September 2000 auf den Breuer-Nachfolger geeinigt.

Karrierestart bei schweizerischer Kreditanstalt

Bevor Ackermann zur Deutschen Bank wechselte, durchlief er nach Studium und Promotion eine Karriere bei der Schweizerischen Kreditanstalt. 1990 rückte er dort im Alter von 42 Jahren in die Generaldirektion auf, 1993 wurde er Präsident. Die Kreditanstalt gilt als wichtigstes Tochterunternehmen der Credit Suisse-Gruppe und Ackermann lange Zeit als unangefochtene Nummer Zwei des Konzerns, hinter CS-Chef Rainer Gut. Der Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bank kam daher für viele überraschend, auch wenn wenig später bereits über Ackermann als möglichen Kronprinz Breuers gesprochen wurde.

Nun steht der Schweizer vor der offiziellen Übernahme des Zepters bei der Deutschen Bank und die Erwartungen sind hoch: "Was immer auch passiert, Ackermann muss es richtig machen", sagte ein Investmentbanker bei einem Konkurrenzinstitut. "Die Deutsche Bank ist die letzte deutsche Bank mit einer bedeutenden internationalen Präsenz. Wenn die Deutsche einen Fehler macht, wird das gravierende Folgen für die deutsche Position an den Finanzmärkten haben."

Internationalisierung voran treiben

Das Ziel, die Deutsche Bank unter den internationalen Top-Banken zu etablieren, kann nach Einschätzung von Branchenexperten nur gelingen, wenn die Bank ihre Kosten senkt, die Ertragskraft erhöht und die Marktkapitalisierung verbessert. Sonst könne das Geldhaus letztlich sogar selbst zum Übernahmekandidaten werden.

Der Satz von der Deutschen Bank, die keine deutsche Bank mehr ist, trifft die Situation exakt, und dies ist nicht zuletzt Breuers Verdienst. Seinem Nachfolger wird es überlassen bleiben, das Haus im internationalen Umfeld dauerhaft erfolgreich zu positionieren.

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