Führungswechsel
Breuer trimmte Deutsche Bank auf Internationalität

Rolf-Ernst Breuer hat die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren auf Internationalität getrimmt und das Institut in die erste Liga der globalen Geldhäuser geführt. Der 64-Jährige ist der wohl letzte Investmentbanker deutscher Prägung und überlässt seinem Nachfolger Josef Ackermann mit der Hauptversammlung am 22. Mai einen Konzern, der zumindest mit den großen Investmentbanken mithalten kann.

Reuters FRANKFURT. Mit einem verkleinerten Vorstand und dem direkt darunter angesiedelten Group Executive Committee für die operativen Entscheidungen hat Breuer noch in diesem Jahr auch die Führungsstruktur US-Vorbildern angenähert.

Breuer war mit vielen Vorschusslorbeeren 1997 in das Spitzenamt der deutschen Kreditwirtschaft berufen worden und sollte mit mehr diplomatischem Geschick als sein Vorgänger Hilmar Kopper die Bank zu einem Global Player aufbauen. Dabei konnte sich Breuer auf seine Fachkenntnis, ein in Jahrzehnten bei der Bank geknüpftes Netzwerk und zumeist auch auf seinen sicheren Umgang mit der Öffentlichkeit verlassen.

Denn das Bankgeschäft lernte der in Bonn geborene Breuer von der Pieke auf - bei der Deutschen Bank. Nach dem Abitur absolvierte er eine zweijährige Lehre in den Filialen der Bank in Mainz und München und studierte anschließend Jura in Lausanne, München und Bonn. 1967 promovierte er in Bonn. Über die Börsenabteilung des Instituts stieg Breuer nach und nach in die Karriereleiter hinauf. 1985 wurde er zum stellvertretenden und 1987 zum ordentlichen Vorstandsmitglied bestellt.

Image litt unter Dresdner-Debakel

Breuer krempelte die Deutsche Bank zielstrebig um und verschaffte ihr einen US-amerikanischen Zuschnitt. Die Firmensprache ist längst Englisch, in Breuers Reden ist das englische Fachvokabular nicht mehr wegzudenken. Kritik daran lässt der selbstsichere Bonner wohl kaum gelten, getreu dem oft von ihm zitierten Motto: Wer dabei sein will, muss mit den Wölfen heulen.

Bei Zukäufen im Ausland machte Breuer eine bessere Figur als auf dem heimischen Markt. Im November 1998 kündigte er überraschend den Kauf der siebtgrößten US Bankers Trust-Investmentbank für knapp 10 Milliarden Euro an. 2000 folgte unter anderem der Kauf des US-Online Broker NDB und nicht zuletzt mit dem im vergangenen Jahr eingefädelten Tausch der Versicherungstochter Deutscher Herold gegen den US-Vermögensverwalter Scudder baute Breuer die Präsenz seines Hauses in den USA aus.

Das Jahr 2000 wird wohl wegen des Fusions-Debakels mit der Dresdner Bank als das schwärzeste Jahr der Breuer-Ära in Erinnerung bleiben. Die Suche nach einem Partner für das ertragsschwache inländische Filialgeschäft wurde dem stets gebräunten und meist gut gelaunten Breuer fast zum Verhängnis. Die im April gescheiterte Fusion von Dresdner und Deutscher Bank brachte Breuer an den Rand des Rücktritts und den bereits von einigen bei Breuers Amtsantritt 1997 als Kronprinz gehandelten Josef Ackermann erstmals ins Rampenlicht. Ackermanns "Nein" zur Integration der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson (DKB) ließ die Fusion scheitern und dokumentierte den Führungsanspruch des Schweizers auch nach außen. Vorstandschef Breuer hatte DKB als unverkäufliches "Juwel" gepriesen und sah sich nun Rücktrittsforderungen ausgesetzt. Aufsichtsrat und Vorstand hielten an Breuer fest und leiteten dennoch dessen langen Abschied ein.

Zurückhaltung hätte Breuer 2002 Ärger erspart

Der Bankvorstand kürte Ackermann ungewöhnlich früh - im September 2000 - zum Breuer-Nachfolger für Mai 2002. In den vergangenen gut zwei Jahren konnte sich Breuer nicht immer auf seinen sonst so sicheren Instinkt im Umgang mit den Medien verlassen. Das Verhältnis zu DaimlerChrysler litt, nachdem Breuer öffentlich machte, dass sein Haus mit der Ausarbeitung einer Abwehrstrategie im Falle eines feindlichen Übernahmeversuchs beauftragt sei. Vor allem in diesem Jahr wäre dem künftigen Aufsichtsratschef Breuer bei etwas mehr Zurückhaltung einiger Ärger erspart geblieben. Sein Vorpreschen bei der Holzmann-Krise brachte die anderen Banken gegen ihn auf und trug so zumindest zum Aus des Frankfurter Baukonzerns bei, sagen Kritiker. Kurz danach gemachte Aussagen Breuers zur Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe haben ein juristisches Nachspiel. Firmengründer Leo Kirch und ein Unternehmen der Kirch-Gruppe stellten Anfang Mai Strafanzeige unter anderem wegen Kreditverleumdung und Verrats von Geschäftsgeheimnissen. Breuer hingegen bezeichnete die Anzeige als juristischen Unsinn ohne rechtliche Grundlage.

Breuer wird als AR-Chef Einfluss nehmen

Mit dem Wechsel an die Spitze des Kontrollgremiums wird Breuer auch weiter Einfluss auf die Firmenpolitik nehmen. In den vergangenen Monaten hatte er mehrfach gefordert, die Aufsichtsräte stärker in die strategischen Entscheidungen der Unternehmen einzubinden. Zugleich sprach Breuer sich für kleinere Aufsichtsräte aus, deren Mitglieder höchstens fünf Mandate wahrnehmen sollten.

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