Führungswechsel
Neuer Chef der Deutschen Bank hat sich vor HV gut positioniert

Josef Ackermann hat sich in den vergangenen Wochen schon geschickt als neuer Chef der Deutschen Bank positioniert und kann der Amtsübergabe auf der Hauptversammlung am Mittwoch gelassen entgegen sehen.

Reuters FRANKFURT. Die neue Strategie der Bank trägt bereits die Handschrift des 54-jährigen Schweizers - auch wenn sie der scheidende Vorstandssprecher Rolf Breuer schon in ihren Grundzügen vorgestellt hat. Damit holte der Investmentbanker Ackermann seinen künftigen Aufsichtsratschef geschickt ins Boot und kann auf ihn zählen, wenn es darum geht, bis 2003 vor allem den Börsenwert der Bank zu erhöhen und das Institut als eine der weltweit besten Investmentbanken zu etablieren.

Mit neuer Strategie soll Börsenwert drastisch steigen

Die Bank will sich auf ihre Kernbereiche konzentrieren, den Abbau ihrer milliardenschweren Industriebeteiligungen forcieren und im Inland endlich ein profitableres Filialgeschäft aufziehen, das auch kleinere Mittelstandskunden betreut. Die Kosten will das Institut bis Ende 2003 um rund zwei Milliarden Euro senken. Für das lukrative Geschäft des Wealth Management - der Rundumbetreuung für Superreiche - soll Ackermanns Landsmann Pierre de Weck weltweit Kunden an Land ziehen.

Der bereits vor fünf Jahren als Breuer-Nachfolger gehandelte Ackermann will den Aktienkurs der Bank so bis Ende 2003 von derzeit gut 78 Euro auf rund 100 Euro erhöhen. Denn erst wenn das Institut seinen Börsenwert von derzeit gut 48 Milliarden Euro (Platz acht in Europa) drastisch steigert, kann Ackermann an Zukäufe denken. Zum Vergleich: Die US-amerikanische Citigroup gilt als Vorbild für eine starke Investmentbank mit erfolgreichen Privatkundengeschäft und ist an der Börse mit umgerechnet rund 260 Milliarden Euro bewertet.

"Wir wollen in den nächsten 18 Monaten die Grundlage schaffen, bei Akquisitionen auch eine wichtige Rolle zu spielen", umreißt ein Ackermann-Vertauter die Ambitionen.

Die neue Führungsstruktur mit einem für die Strategie zuständigen verkleinerten Vorstand und dem für das operative Geschäft verantwortlichen Executive Committee aus Vorstand und den Leitern der einzelnen Geschäftsbereiche scheint für Ackermann maßgeschneidert. "Er wird näher dran am operativen Geschäft sein und die Bindung zu den Chefs der operativen Divisionen pflegen", sagte ein hochrangiger Deutsch-Banker. Bereits mit seiner Rede vor dem erweiteren Führungskreis in Dublin Anfang Mai hat Ackermann seine Mannschaft eingeschworen: äWie es seine Art ist, hat er ganz nüchtern klar gemacht, dass die Punkte konsequent abgearbeitet werden müssen und vor allen ein hartes Stück Arbeit liegt", sagte ein hochrangiger Teilnehmer.

Beteiligungsabbau noch im zweiten Halbjahr erwartet

Die Deutsche Bank wird ihre Industriebeteiligungen im Wert von insgesamt rund 15 Milliarden Euro weiter zügig abbauen. Dabei könnte der 12,9-prozentige Anteil an Daimler-Chrysler im Wert von rund 6,5 Milliarden Euro schon bald abgegeben werden. äFür den Abbau dieser Beteiligung gibt es viele Denkmodelle, etwa über Wandelanleihen, Optionen oder ähnliches, aber da ist noch nichts entschieden - schließlich wollen wir mit Daimler-Chrysler weiterhin gute Geschäfte machen", sagte ein hochrangiger Banker. Breuer hatte zuletzt lediglich bekräftigt, der Daimler-Anteil stehe zur Disposition.

Egal wie die Bundestagswahl ausgehe, sei wohl damit zu rechnen, dass die erst seit 2002 geltende Steuerfreiheit für Gewinne aus Beteiligungsverkäufen zumindest eingeschränkt werde. "Die nächste Regierung wird das Fenster für steuerfreie Veräußerungsgewinne verkleinern oder ganz schließen - deshalb müssen wir zügig handeln", sagte ein Banker. Mit ihrem Kapital aus den Beteiligungsverkäufen will die Bank eigene Aktien zurück kaufen. Das Rückkaufprogramm soll den Aktienkurs weiter erhöhen und von den Anteilseignern auf der Hauptversammlung genehmigt werden.

Nur noch profitabler Mittelstand gewünscht

Die Deutsche Bank erzielt den Großteil ihrer Gewinne schon seit einigen Jahren im Investmentbanking und will hier endlich zu den ganz Großen der Branche aufschließen. In der Königsdisziplin des Investmentbanking - dem Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen - ist die Bank in Deutschland schon führend, noch nicht aber was die internationalen Deals angeht. Das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden (Deutsche Bank 24, Private Banking, maxblue und kleinere Firmenkunden) soll unter der Dachmarke Deutsche Bank mit einheitlicher Führung gebündelt werden. Dabei will sich das Institut im Filialgeschäft auf Deutschland, Spanien und Italien konzentrieren, während Frankreich zunächst kein Thema ist. Die großen Mittelstandskunden müssen sich darauf einstellen, dass die Investmentbanker der Deutschen Bank ihnen härtere Zielvorgaben machen. Denn im jüngsten Quartalsbericht unterstreicht die Bank ihr anhaltendes Engagement für den anspruchsvollen Mittelstand in Deutschland nur, "sofern dabei eine angemessene risikobereinigte Rendite für unsere Aktionäre erzielt werden kann."

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