Fünf Feuerwehrleute gerettet
Bush spricht vom "ersten Krieg des 21. Jahrhunderts"

"Es ist eine neue Art von Krieg", sagte US-Präsident George W. Bush in einem Gespräch mit dem Gouverneur des Staates New York, Angehörige haben nach dem Terroranschlag in New York rund 5000 Personen als vermisst gemeldet.

ap/dpa/Reuters WASHINGTON. Die Hoffnung auf Überlebende schwindet Stunde um Stunde. Es wird mit über 10 000 Toten gerechnet. Beim Anschlag auf das Pentagon sind nach aktuellen Angaben 190 Menschen getötet worden. Gegen 19 Uhr wurden bei den Bergungsarbeiten in New York Rettungskräfte am Donnerstag fünf Feuerwehrleute aus den Trümmern des World Trade Centers lebend geborgen. Die Meldung, dass zehn Polizisten lebend entdeckt wurden, konnten zunächst nicht bestätigt werden.

US-Präsident George W. Bush hat eine militärische Antwort auf die Terrorangriffe in New York und Washington angekündigt und vom "ersten Krieg des 21. Jahrhunderts" gesprochen. In Gesprächen mit mehreren Staats- und Regierungschefs habe er Unterstützung für jede Art von Vergeltung erhalten, die er anordnen werde, sagte Bush am Donnerstag.

"Ich bin fest entschlossen, diesen gegen Amerika erklärten Krieg zu gewinnen", erklärte Bush. "Es ist eine neue Art von Krieg." Seine Regierung werde sich darauf einstellen und andere Staaten bitten, sich den USA anzuschließen. Die Nato stellte erstmals in ihrer Geschichte den kollektiven Verteidigungsfall fest und sagte den USA Unterstützung zu. Als Hauptverdächtiger wird von US-Außenminister Colin Powell den Moslemextremisten und saudiarabischen Milliardär Osama Bin Laden betrachtet. Powell erklärte, dass die USA in Kontakt mit der in Afghanistan regierenden Taliban stehe, wobei es aber noch nicht um Verhandlungen gehe. Bin Laden hält sich in Afghanistan versteckt. Die Taliban-Miliz hat den Fundamentalisten als unschuldig bezeichnet und seine Auslieferung an die USA strikt abgelehnt.

Das US-Verteidigungsministerium hat mittlerweile eine militärische Reaktion auf die Terroranschläge angekündigt. Dies teilte das Pentagon am Donnerstag mit. Der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte am Donnerstag, es werde nicht bei nur einem Vergeltungsschlag bleiben. "Es wird ein Feldzug und keine einzelne Aktion", betonte er. Die USA würden die Vergeltungsaktion gegen die Verantwortlichen und deren Helfer so lange fortführen, bis der Terror aufhöre, sagte Wolfowitz weiter.

Die Terroranschläge vom Dienstag mit vermutlich mehr als 5000 Todesopfern wurden offenbar auch von Deutschland aus vorbereitet. Insgesamt waren nach Angaben von US-Generalstaatsanwalt John Ashcroft 12 bis 24 Personen an der Entführung der vier Flugzeuge beteiligt, von denen zwei in die Türme des New Yorker World Trade Centers rasten und eines ins Washingtoner Verteidigungsministerium stürzte. Die Täter sollen von etwa 24 weiteren Personen unterstützt worden sein. An der gesamten Aktion waren nach Informationen aus Justizkreisen offenbar mehrere terroristische Zellen beteiligt, die Verbindungen zu arabischen Ländern wie Saudi-Arabien und Ägypten unterhalten haben sollen. In den US-Staaten Massachusetts und Florida wurden mindestens sechs Personen festgenommen.

Erste Anzeichen für Normalisierung des öffentlichen Lebens

Die Zahl der nach dem Terroranschlag in New York vermissten Menschen stieg am Donnerstag auf über 5000. Hoffnung auf Überlebende gab es kaum noch, auch wenn aus den Trümmern des World Trade Centers nach Angaben von Bürgermeister Rudolph Giuliani bis Donnerstag erst 94 Menschen tot geborgen wurden. Von diesen konnten höchstens 30 identifiziert werden. Bergungsmannschaften suchten verstärkt nach Hinweisen auf Hintergründe des Anschlags. Mehr als 3000 Tonnen Trümmer und Schutt des World Trade Centers wurden zur Untersuchung zu einer ehemaligen Müllkippe nach Staten Island gebracht. Laut einem Zeitungsbericht gehen die Behörden von mindestens 10 000 Toten aus.

Bei dem Angriff auf das Verteidigungsministerium in Washington kamen nach vorläufiger offizieller Schätzung 190 Menschen ums Leben, einschließlich der 64 Menschen an Bord des als Waffe eingesetzten Passagierflugzeugs. Bis Donnerstagmittag wurden 70 Tote geborgen. Eine telefonische Bombendrohung behinderte am Morgen die Arbeiten im zerstörten Flügel des fünfteiligen Gebäudes.

Zwei Tage nach den Anschlägen gab es erste Anzeichen für eine Normalisierung des öffentlichen Lebens: Die Behörden gaben den Luftraum für den zivilen Flugverkehr wieder frei. Auch wurde der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren wieder aufgenommen, die Aktienbörsen blieben aber den dritten Tag in Folge geschlossen - so lange wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg.

"Air Force One ist als nächstes dran"

Kurz nach dem Absturz der entführten American- Airlines-Maschine am Dienstag ins Pentagon hat der für den Personenschutz zuständige Secret Service eine beängstigende Botschaft erhalten. "Air Force One ist als nächstes dran", sagte ein anonymer Anrufer. Die Botschaft enthielt Codewörter, die nach Überzeugung von Experten darauf hinweisen, dass der Anrufer mit den Prozeduren zum Schutz des Präsidenten in Krisenzeiten vertraut war. Über den Anruf berichtete am Donnerstag die "New York Times" unter Berufung auf einen hochrangigen US-Regierungsbeamten. Am Vortag hatte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, mitgeteilt, dass "glaubhafte" Informationen über eine Bedrohung des Weißen Hauses und der Präsidentenmaschine vorlagen.

Mann nach Bombendrohung gegen Pentagon festgenommen

Die US-Behörden haben am Donnerstag einen Arabisch sprechenden Mann festgenommen, der am frühen Morgen telefonisch einen Bombenanschlag auf das Pentagon angekündigt hatte. Die Drohung ging nach Medienberichten ein, bevor die ersten Angestellten des beim Terroranschlag vom Dienstag teilweise zerstörten Gebäudes zur Arbeit kamen. Daher mussten nur die Bergungsteams, die in den Trümmern nach Opfern suchen, vorübergehend in Sicherheit gebracht werden. Bei einer Suchaktion wurde kein Sprengsatz gefunden.


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