Fünf Großbanken rangeln um Kirchs Aktienpaket an Telecinco
Peinlicher Streit um Kirch-Kredite

Das gibt es nur selten: Banker sind in aller Öffentlichkeit verschiedener Meinung: "Die Sicherheit für den Kirch-Kredit steht", gab sich Dresdner-Bank-Vorstandssprecher Bernd Fahrholz überzeugt.
  • 0

DÜSSELDORF. Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann hielt dagegen: "Wenn also dieses Institut der Meinung ist, es hätte hier mit Recht Anspruch auf diese Sicherheit, kann ich das nur eindeutig verneinen." Hartmann ist Sprecher des aus Commerzbank, BayernLB, DZ Bank und Hypo-Vereinsbank bestehenden Bankenpools, der mit der Dresdner Bank um ein 25-Prozent-Paket an Telecinco streitet.

Die Beteiligung an dem populären Privatsender - hier lief das spanische Big-Brother-Pendant Gran Hermano mit Traumeinschaltquoten von 70 Prozent - zählt zu den am leichtesten zu versilbernden Vermögenswerten der Kirch-Gruppe. Das erkannte auch die Dresdner Bank. In der Nacht zum 14. Dezember vergangenen Jahres verlängerte sie der Taurus Holding von Leo Kirch einen auslaufenden Kredit über 460 Millionen Euro. Im Gegenzug musste Kirch der Bank die Telecinco-Anteile als Pfand überlassen.

Für die Dresdner ist damit alles in Ordnung. Ein umfangreiches Rechtsgutachten einer renommierten Frankfurter Kanzlei bestätige, dass ihr Anspruch rechtens sei. Das sei beileibe kein Gefälligkeitsgutachten gewesen, heißt es selbstbewusst aus der Bank.

Die Poolbanken sehen das anders. Das Telecinco-Paket stehe der Kirch-Tochter Kirch Media zu, so BayernLB-Chef Werner Schmidt. Damit wäre es Teil der Insolvenzmasse. Ein möglicher Verkaufserlös - angeblich 500 Millionen Euro - käme vor allem den Poolbanken zugute. Denn nach deutschem Recht, so die Auffassung dieser Partei, sei die Verpfändung der Aktien an die Dresdner erst im Februar endgültig wirksam geworden. Drei Monate vor Beginn eines Insolvenzverfahrens aber dürfen keine Vermögensgegenstände mehr bewegt werden. Die Verpfändung wäre unwirksam, womöglich hätten sich die Beteiligten sogar strafbar gemacht. Die Dresdner habe sich, so Hartmann, "erst Anteile an irgendeiner Holdinggesellschaft verpfänden lassen und dann noch später, übrigens innerhalb der dreimonatigen Insolvenzfrist, auch noch die Anteile an der Telecinco".

Gerichtsverfahren droht

Börsianer sehen den Hickhack um das Paket mit Misstrauen. Carsten Zielke, Analyst der WestLB, beurteilt die Siegchancen der Kontrahenten mit 50 zu 50, allerdings ohne die Verträge zu kennen. Zielke: "Wir gehen aber davon aus, dass es zu einem Gerichtsverfahren kommen wird." Dafür müsste die Dresdner Bank und damit auch deren Mutter Allianz bei einem Verfahren in ihren Bilanzen für dieses Risiko Rückstellungen bilden. Zielke senkte deshalb schon seine Gewinnschätzung für die Allianz.

Wo ein Prozess stattfinden müsste, ob in München oder in Spanien, ist ebenso umstritten wie die Frage, wer denn nun gegen wen klagen müsste. Während aus der Dresdner Bank zu hören ist, sie habe die Aktien und könne darüber verfügen, sagt der Sprecher einer Poolbank, die Dresdner habe keinen Zugriff.

Der Telecinco-Hauptaktionär, die Mediaset von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, so heißt es in Bankenkreisen, sei über eine seiner Firmen weiter daran interessiert, ihren Anteil an Telecinco mithilfe des Kirch-Pakets aufzustocken. Sollte ein Verkauf am Veto der Poolbanken scheitern, würde die Dresdner sofort vor Gericht gehen.

Bankern ist der öffentliche Streit peinlich

Im Moment herrscht Waffenruhe. Den Bankern ist ihr öffentlich ausgetragener Streit peinlich. Vorstände hielten sich vergangene Woche mit Außerungen auffällig zurück. Möglicherweise sitzen aber beide Parteien schneller als erwartet auf einer Seite - weil sich beide verrechnet haben. Spanischen Medienberichten zufolge soll Telecinco Milliarden für Film- und Sportrechte an Offshoregesellschaften gezahlt haben, die von Berlusconi-Beteiligungen in Steuerparadiesen gegründet worden sein sollen. Auf diese Weise seien die Kassen des spanischen TV-Kanals geleert worden.

Die Dresdner Bank allerdings scheint fest von der Werthaltigkeit ihres umstrittenen Pfandes überzeugt. Für sie hätte es sogar einen gewissen Charme, das Paket weiter in den Büchern zu behalten. Wenn sich die Preise für Medienunternehmen wieder erholt haben, so kalkulieren Investmentbanker, könne die Bank es mit einem kräftigen Aufschlag verkaufen.

Hier deutet sich ein möglicher Ausweg aus der verfahrenen Situation an: Die Dresdner behält die Aktien für ihren Kredit und zahlt Kirch Media und damit den Poolbanken ein paar Hundert Millionen Euro Entschädigung - im Vorgriff auf den erwarteten Spekulationsgewinn.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%