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Fünf Jahre Bahnchef Mehdorn

Eine Bahnfahrt mit der Queen, ein Sponsorenvertrag mit Franz Beckenbauer und ein dickes Lob vom Kanzler - für Hartmut Mehdorn hätte es ein richtig schönes Jahr sein können. Jetzt bekam der Bahnchef auch noch einen Beschäftigungspakt bis 2010 unter Dach und Fach.

dpa BERLIN. Eine Bahnfahrt mit der Queen, ein Sponsorenvertrag mit Franz Beckenbauer und ein dickes Lob vom Kanzler - für Hartmut Mehdorn hätte es ein richtig schönes Jahr sein können. Jetzt bekam der Bahnchef auch noch einen Beschäftigungspakt bis 2010 unter Dach und Fach.

Aber alles in allem war der Ärger wieder einmal größer als das Vergnügen. Der Börsengang ist auf unbestimmte Zeit verschoben, für die jüngste Preiserhöhung gab es nur Kritik, und ausgerechnet zur Premiere der neuen Vorzeigestrecke Hamburg-Berlin blieb ein ICE liegen. Gut, dass Mehdorn mit solchen Widrigkeiten Erfahrung hat: Am Donnerstag (16. Dezember) ist er fünf Jahre im Amt.

In seiner Zeit an der Spitze des bundeseigenen Verkehrskonzerns mit 28,2 Mrd. Euro Jahresumsatz hat der studierte Maschinenbauingenieur aber nicht nur das Einstecken gelernt, sondern auch das Austeilen. Die Stiftung Warentest, die Verkehrsexperten des Bundestages, der Fahrgastverband Pro Bahn - alle bekamen schon Schimpftiraden ab. Wenn sich der oberste Eisenbahner ungerecht behandelt fühlt - was nicht selten der Fall ist -, setzt er sich kräftig zur Wehr.

"Ich sage auch nicht, dass ich einfach zu nehmen bin", gibt Mehdorn zu. "Nur mit Nächstenliebe" sei der Konzern nicht zu führen. Bei den 242 000 Mitarbeitern kommt dies durchaus an. Nach außen hat sich das Image der Bahn in fünf Jahren allerdings kaum gebessert. Auch wenn sich Mehdorn um mehr Service für die 1,7 Mrd. Passagiere pro Jahr bemüht: Von allen deutschen Konzernen hat die Bahn nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage den schlechtesten Ruf.

Trotzdem muss sich der 62-Jährige (geschätztes Jahresgehalt: gut 600 000 Euro) um seinen Posten keine Sorgen machen. Bis 2008 läuft der Vertrag mit dem Eigentümer Bund. Alle Personaldebatten - auch die jüngste nach der Verschiebung der Börsenpläne in diesem Herbst - waren bislang schnell wieder vorbei. Was vor allem daran liegt, dass der Bahnchef immer noch Gerhard Schröder hinter sich weiß, der ihn 1999 vom Druckmaschinenkonzern Heidelberger zur Bahn geholt hatte.

Kürzlich lobte der Kanzler den ehemaligen Airbus-Manager wieder als "jemand, der das, was er sich vorgenommen hat, auch erreicht - mit Härte, Durchsetzungsvermögen, aber auch mit Sensibilität und Respekt". Auch der einflussreiche Chef der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, der ihn "den Kantigsten und Leidenschaftlichsten" unter den bisherigen Bahnchefs nennt, hält zu ihm. Mehdorn will auf jeden Fall im Amt bleiben, bis die Bahn an der Börse ist. Halbe Sachen sind seine Angelegenheit nicht.

Bis dahin bleibt für den verheirateten Vater dreier Kindern noch viel zu tun. Zwar wird die Bahn in diesem Jahr erstmals aus eigener Kraft Gewinn einfahren. Um die 200 Mill. Euro sollen es trotz der schwachen Konjunktur sein. Sorge bereiten aber vor allem der Güter- und der Personenfernverkehr. Die Gewinnzahlen für 2004 und die Folgejahre mussten nach unten korrigiert werden. Das Verhältnis zum Vorstand der Frachtsparte, Bernd Malmström, gilt als angespannt.

Für den Börsengang gibt es derzeit keinen genauen Termin. Anstelle der ursprünglichen Zielmarke 2006 ist jetzt von einem Zeitrahmen bis 2008 die Rede. Auch Mehdorn verzichtet inzwischen darauf, konkrete Zahlen zu nennen. Stattdessen hat er neuerdings ein anderes Ziel. "Wäre doch toll, wenn die Menschen in ein paar Jahren sagen: Das war doch gar nicht alles so falsch, was der da gemacht hat."

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