Fünf US-Fabriken sollen geschlossen werden: Ford streicht 35 000 Stellen

Fünf US-Fabriken sollen geschlossen werden
Ford streicht 35 000 Stellen

Die schlimmste Unternehmenskrise seit zehn Jahren will der Automobilkonzern mit dem Abbau von weltweit 35 000 Stellen bewältigen.

rtr/dpa DETROIT. In Nordamerika, wo alleine 22 000 Arbeitsplätze wegfallen sollen, sei die Schließung von fünf Werken geplant, teilte der weltweit zweitgrößte Autobauer am Freitag in Detroit mit. Die Produktionskapazität von Ford soll um 16 Prozent auf 4,8 Millionen Einheiten reduziert werden. Vier Modellreihen, darunter die Modellreihe Ford Escort, sollten eingestellt werden. Ziel sei es, Mitte des Jahrzehnts einen Gewinn vor Steuern von sieben Milliarden Dollar zu erreichen. Analysten rechnen damit, dass Ford in diesem Monat für 2001 ihren ersten Verlust seit 1992 bekannt geben werde. An der Wall Street zog der Aktienkurs um rund zwei Prozent auf 15,64 Dollar an.

Globale Umstrukturierung

Die Ford-Werke in Köln teilte mit, in Deutschland sei kein Stellenabbau im Zuge der Restrukturierung der Mutter geplant. In Deutschland beschäftigt Ford rund 27 500 Menschen. Die Restrukturierung der Ford-Aktivitäten in Deutschland und Europa seien bereits vor längerem eingeleitet worden und diese Standorte daher nicht von den neuesten Umbauplänen der US-Mutter betroffen. Dies habe auch der Europa-Chef David Thursfield bekräftigt, hieß es bei Ford in Köln.

Ford werde im vierten Quartal 2001 zur Deckung der Umstrukturierungskosten Rückstellungen über 4,1 Milliarden Dollar nach Steuern bilden, teilte das Unternehmen weiter mit. Ford Chairman and Chief Executive William Clay (Bill) Ford jr, Ur-Enkel des Ford-Gründers Henry, erklärte vor Analysten in Detroit, das seien schmerzliche, aber nötige Schritte, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und nach vorne zu schauen. "Es ist ein umfassender Plan, aber kein magischer Zauberstab", fügte Ford hinzu, der auf Gehalt und Bonus verzichten will.

Chief Operating Officer Nick Scheele erklärte, die Werke in Edison im US-Bundesstaat New Jersey, Hazelwood im US-Bundesstaat Missouri und im kanadischen Oakville (Ontario) würden ebenso wie die beiden Zulieferer-Werke in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio und in Dearborn im US-Bundesstaat Michigan geschlossen. Elf Fabriken hätten eine umfassende Restrukturierung einschließlich des Wegfalls von Schichten vor sich. Im kanadischen Werk und in New Jersey werden Pickups, in Missouri der Sport-Geländewagen Explorer gebaut.

Am Vortag hatte der weltgrößte Autokonzern GM einen 10-prozentigen Personalabbau angekündigt. Anders als Ford und Daimler-Chrysler-Tochter Chrysler wird GM nach Analystenschätzungen für 2001 einen Gewinn auswiesen. GM hatte zudem für das laufende Jahr einen Rückgang des Automarktes in den USA und Europa vorausgesagt.

Die Verkäufe von Ford waren im vergangenen Jahr um 6 % auf 3,7 Millionen Fahrzeuge geschrumpft. Für das dritte Quartal hatte das Unternehmen einen Verlust von 692 Mill. US-$ berichtet. Im Dezember hatte Ford erklärt, für das vierte Quartal 2001 werde ein Verlust je Aktie von 0,50 US-$ (0,56 Euro) erwartet. Im ersten Halbjahr 2002 rechnet das Unternehmen mit einer erneuten Durststrecke. Ford will deshalb seine Produktion in Nordamerika im ersten Quartal um 9 % auf 980 000 Wagen reduzieren.

Der Autobauer war im vergangenen Jahr wegen fehlerhafter Bridgestone/Firestone-Reifen, mit denen der Ford Explorer serienmäßig ausgestattet war, ins Schleudern geraten. Die Reifen werden in den USA für Verkehrsunfälle mit 271 Todesopfern verantwortlich gemacht. Die Pannenserie und die Konjunkturabkühlung hatten Ford rote Zahlen beschert.

Ende Oktober war Vorstandschef Jacques Nasser von William Clay Ford Junior abgelöst worden. Nasser war wegen Verlusten und sinkenden Marktanteilen unter Druck geraten.

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