Für 114 000 Euro
Russen wollen Billigflüge ins All anbieten

Drei Minuten Schwerelosigkeit im All zum Billigpreis von 100 000 $ (114 000 Euro) - diesen Traum sollen sich Weltraumtouristen bald mit einer neuen russischen Raumfähre erfüllen.

dpa MOSKAU. Das Modell des Raumgleiters C-XXI für einen Piloten und zwei Passagiere wurde am Donnerstag auf dem Militärflughafen Schukowski bei Moskau erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Für die halbstündigen Flüge auf die suborbitale Höhe von 101 Kilometer lägen bereits 100 Anmeldungen vor, sagte Eric Anderson, Chef des kommerziellen Raumfluganbieters Space Adventures aus den USA. Der Erstflug soll 2004 oder 2005 erfolgen.

"Das ist ein völlig realistisches Projekt", sagte Waleri Nowikow, Leiter des Mjasischtschew-Konstruktionsbüros, das auf experimentelle Fluggeräte spezialisiert ist. Das Büro entwarf einst die sowjetische Raumfähre Buran, mit der das neue Fluggerät große Ähnlichkeit hat. Mit 7,7 Metern Länge und 3,5 Tonnen Gewicht ist es aber viel kleiner. "Das Wichtigste ist für uns die Sicherheit", versuchte Nowikow Skeptiker hinsichtlich des etwa Minibus-großen Gefährt zu beruhigen.

"Es gibt viele Menschen auf der Welt, die gerne in den Weltraum fliegen wollen", erklärte Andersen. Seine Firma Space Adventures hatte im vergangenen Jahr für den US-Geschäftsmann Dennis Tito den ersten Touristenflug ins All mit einer russischen Raumkapsel gebucht. Tito zahlte für seine Reise zur Internationalen Raumstion ISS geschätzte 20 Mill. $ (22,4 Mill. Euro).

Auch für den Erstflug mit der C-XXI präsentierte Anderson in Moskau einen Anwärter, den 53-jährigen japanischen Geschäftsmann Okubo Shuichi aus Nagoya. "Ich freue mich auf die Herausforderung, als erster damit zu fliegen", sagte Shuichi, der als zahlender Fluggast auf russischen Kampfflugzeugen MIG-29 und MIG-25 bereits Erfahrungen im Extremfliegen gesammelt hat.

Auf ihren Flügen solle die Raumfähre zunächst von dem russischen Forschungsflugzeug M-55 "Geophysika" huckepack auf eine Höhe von 17 Kilometern getragen werden, erläuterte Konstrukteur Alexander Bruk. Nach dem Abkoppeln katapultiere ein eigener Raketenantrieb die Fähre dann auf 101 Kilometer Höhe am unteren Rand des Weltraums. "Dort bleibt sie etwa drei Minuten in der Schwerelosigkeit", sagte Bruk. Dann beginnt der Rückflug, an dessen Ende die Fähre wie ein Segelflugzeug auf kleinen Rädchen landen soll.

Die abenteuerlustigen Passagiere müssen bei dieser Achterbahnfahrt Druck aushalten, der vier Mal stärker als die Erdanziehung ist. "Das sollten also gesunde Menschen sein", meinte der erfahrene russische Kosmonaut und Arzt Waleri Poljakow. "Selbst auf einem so kurzen Flug kann Raumkrankheit auftreten."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%