Für 99 Pfennig eine Stunde Faithless hören
Web-Radio-Anbieter auf der Suche nach Erlösquellen

Die großen Anbieter von Web-Radios im deutschen Internet denken um. Waren sie noch vor Monaten als B2C-Plattformen organisiert, die auch mit eigenen Produktionen die User erreichen wollten, setzt man nun in der Branche verstärkt auf B2B.

DÜSSELDORF. "Wie will man mit B2C Geld verdienen?", fragt Wolf Tillmann Schneider, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Youwant.com . Seit dem Mehrheitseinstieg des Investors E-Jay bei den Berlinern - E-Jay hat 88 % der Mehrheiten bei youwant.com übernommen, den Rest hält das Management - ist das Unternehmen auf der Suche nach großen Geschäftskunden. Prominente Kunden der Youwant.com sind Sat1-online, MacDonalds und Bravo.de.

Youwant.com versucht die Multimediagenturen mit einem Angebot zu locken: 350 Agenturen haben die Möglichkeit, 4 Wochen lang das Youwant.com-Radio auf ihrer Website zu testen. Das Internet-Unternehmen will in dieser Zeit alle Traffic- und Gema-Kosten übernehmen. "Von den 350 angeschriebenen Agenturen haben sich bereits 36 gemeldet," berichtet Schneider.

Chart-Radio verkauft Daten an die Marktforschung

Der Musik-Dienstleister verlangt für seine unterschiedlichen Programm-Pakete zwischen 60 000 und 120 000 Euro jährlich von den Webseiten-Betreibern. Darin inbegriffen seien Traffic-, ISP- und Gema-Kosten, so Schneider. "Der Erfolg unserer Strategie steht und fällt allerdings mit der Installation einer Flatrate in Deutschland", gibt Schneider zu bedenken.

Auch der Baadener Web-Radio-Anbieter Chart-Radio setzt auf das B2B-Modell. Der erste Kunde im B2B-Geschäft war im Juni 2000 die RTL-Internet-Tochter RTL Newmedia. Dabei hat der Marktführer, der nach eigenen Angaben über 350 000 registrierte User auf seinen Seiten begrüßt, auch andere Erlösquellen. "Unser Web-Radio im Internet fungiert auch als Testsender", erklärt Tanja Eisen, Marketing-Chefin des Web-Radio-Senders. "Die erhobenen Daten verkauft Chart-Radio dann an Marktforschunsginstitute", sagte Eisen. Das lohnt sich bei den 350000 Kunden von Chart-Radio, an dem der Gründer von Media-Control und Ltur.de, Karl-Heinz Kögel, die Mehrheit hält.

RTL Newmedia startet 'Pay per Listen'

Das Kölner Internet-Unternehmen RTL Newmedia geht einen anderen Weg. Auf B2C-Basis versucht es nun mit Webradio Erlöse zu erzielen. Seit Dienstag können Musik-Fans das neueste Album "Outrospective" der britischen Kultband "Faithless" exklusiv, komplett und eine Woche vor dem CD-Start im Internet hören. Für einen Preis von 99 Pfennig schaltet RTL Newmedia das so genannte "Netradio", auf der das neue Album zu hören ist, für eine Stunde frei. Möglich wurde dieser in Deutschland bislang einmalige Deal durch die Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Musik-Tochter BMG, bei der "Faithless" unter Vertrag stehen. Als Abrechnungspartner fungiert der Micropayment-Anbieter Firstmark, der auch schon für Onlinebewerbungen zu "Wer wird Millionar" die Abrechnungen übernommen hatte.

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