Archiv
Für Bahnchef Mehdorn wird es nach Aus für raschen Börsengang eng

Als die Bombe platzte, saß Bahnchef Hartmut Mehdorn in einem Saal der Berliner IG Metall und sprach mit Betriebsräten. Das Thema: Der Börsengang. Seine Botschaft: Wir kämpfen. Das Tempo: Weiter hoch. Doch zeitgleich erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Frenzel den schnellen Kurs in Richtung Kapitalmarkt für gestoppt. Vor Sommer 2006 wird die Bahn nicht privatisiert, lautet die Botschaft in Rückkopplung mit dem Bund als Eigentümer. Für Kämpfernatur Mehdorn ein Schlag ins Kontor. Das große Ziel noch vor der Bundestagswahl zu erreichen, ist damit passé. Über den Kurs des Konzerns ist neuer Streit entbrannt. In der Politik braut sich Ärger zusammen.

dpa-afx BERLIN. Als die Bombe platzte, saß Bahnchef Hartmut Mehdorn in einem Saal der Berliner IG Metall und sprach mit Betriebsräten. Das Thema: Der Börsengang. Seine Botschaft: Wir kämpfen. Das Tempo: Weiter hoch. Doch zeitgleich erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Frenzel den schnellen Kurs in Richtung Kapitalmarkt für gestoppt. Vor Sommer 2006 wird die Bahn nicht privatisiert, lautet die Botschaft in Rückkopplung mit dem Bund als Eigentümer. Für Kämpfernatur Mehdorn ein Schlag ins Kontor. Das große Ziel noch vor der Bundestagswahl zu erreichen, ist damit passé. Über den Kurs des Konzerns ist neuer Streit entbrannt. In der Politik braut sich Ärger zusammen.

Das Aus für seinen ehrgeizigen und heftig umstrittenen Börsenfahrplan ist für Mehdorn eine zweite schwere Schlappe. Bereits im vergangenen Jahr musste die Bahn ein neues Preissystem im Fernverkehr nach einem verheerenden Hick-Hack wieder korrigieren. Auch die beliebte Bahncard 50 kam nach Protesten zurück.

Termin DES Börsengangs Völlig Offen

Ob und wann die Bahn an die Börse rollen wird, ist nun völlig offen. Für Mehdorn, der mit Haut und Haaren und manch deftigen Attacken für sein Ziel kämpft, wird es eng - mehrere Verkehrspolitiker und die Lokführergewerkschaft forderten am Donnerstag seinen Rücktritt.

Seit Monaten ringt der 62-Jährige um die "schwarze Null" in der Bilanz 2004, die erste Voraussetzung für einen Börsengang ist. Doch sein Kurs geriet immer stärker unter Beschuss.

Weil der Vorstand auch wegen sinkender Bundesmittel die Investitionen bremste, machten Bauindustrie und Bahnhersteller mobil. Mit Verkehrspolitikern und Verbänden kocht ein Dauerstreit um eine Heraustrennung des Gleisnetzes aus dem Bahnkonzern, was Mehdorn strikt ablehnt.

Fernverkehr Kommt Nicht IN Schwung

Vor allem mit den wirtschaftlichen Ergebnissen konnte der Konzern bisher wenig Überzeugungsarbeit bei Bundestag und Bundesrat leisten, die einmal über einen Börsengang entscheiden müssten. Im ersten Halbjahr schrumpfte der Verlust nur langsamer als geplant auf 62 Mill. Euro. Vor allem den Fernverkehr bekam Mehdorn trotz der Rückkehr der alten Bahncard bisher nicht in Schwung - erst 2005 oder 2006 könnten ICE und Intercity die roten Zahlen verlassen, kalkulieren selbst die Manager. Dann beschlossen sie zum zweiten Mal in diesen Jahr höhere Preise für Mill. Reisende wegen gestiegener Energiekosten - und ernteten eine neue Welle der Empörung.

Unter den Beschäftigten, die den Sanierungsdruck seit Jahren spüren, keimen ebenfalls Sorgen. "Wer einen Ausgabenstopp verhängt, Preise erhöht, Züge streicht und Gesellschaften verkaufen will, der muss sich nicht wundern, wenn das Vertrauen der Mitarbeiter einen Tiefpunkt erreicht", wetterte Norbert Hansen, Chef der größten Gewerkschaft Transnet und Vize-Vorsitzender des Aufsichtsrats. Und ergriff die Initiative: In einem Brief an Frenzel verlangte Hansen, den Börsenplan 2006 fallen zu lassen, der "ohne das Vertrauen der Mitarbeiter zum Scheitern verurteilt" sei. Nur einen Tag später, am Mittwoch, verkündete Frenzels den Aufschub.

Mehdorn: Preiserhöhungen Werden Nicht Zurückgenommen

Mehdorn selbst gibt sich vorerst entschlossen, seinen Kurs in die Profitabilität auch ohne neuen Börsentermin zu halten. "Normalerweise lobt man jemanden, der engagierte Ziele hat und sich nicht ein weiches Bett baut." Das Ziel der Kapitalmarktfähigkeit bleibe, die Preiserhöhungen würden nicht zurückgenommen - auch wenn Politiker und Fahrgastvertreter sich dafür bereits zu Wort meldeten.

Wie sicher der Konzernchef ungeachtet eines engen Drahts ins Kanzleramt und seines Vertrags bis 2008 seiner Sache sein kann, muss sich nun unter verschärfter Beobachtung erweisen. Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD), Transnet und die Wirtschaft stärkten ihm den Rücken. Die nächsten Klippen sind indes schon nah: Am 1. Oktober muss die neue Kundencharta der Bahn die Premiere bestehen. Am 12. Dezember werden die Kunden erstmals höhere Preise im Portemonnaie spüren./

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%