Für Banken ist das Risiko derzeit nicht kalkulierbar
Unsichere Zeiten für Investoren

Erneuerbare Energiequellen wie Windkraft - gewonnen zu Lande (onshore) oder künftig zunehmend auf See (offshore) - sind Hoffnungsträger, wenn über Umweltschutz, die Schonung begrenzter fossiler Energieträger, die Reduzierung von Importabhängigkeit und längerfristige Vermeidung von Energieknappheit nachgedacht wird.

FRANKFURT/MAIN. Deshalb haben sich Deutschland und die EU die Verdoppelung des Anteils erneuerbarer Energien im Energiemix bis 2010 zum Ziel gesetzt. In Deutschland wird die Windenergie mengenmäßig den Hauptteil beisteuern.

Als entscheidender Treibsatz für die angestrebte Mengenexpansion in Deutschland fungiert das "Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG)", das im April 2000 in Kraft trat. Ohne das EEG wäre das rasante Marktwachstum in Deutschland nicht vorstellbar. Allein 2001 nahm die Stromproduktion auf Basis der Windkraft um rund ein Fünftel zu, während der gesamte Strommarkt mehr oder weniger stagnierte.

Bei reiner Kostenbetrachtung kann Windkraft mit etablierten Stromquellen wie Kohle, Kernenergie oder Erdgas natürlich noch keineswegs konkurrieren. Allerdings werden durch den Trend zum Massenmarkt für Regenerativenergien mittlerweile auch "economies of scale" realisiert, d.h. die Produktionskosten sinken. Der Wettbewerbsfähigkeit könnte die Windkraft bereits heute näher sein, wenn die positiven externen Effekte - z.B. Klimaschonung - bilanziert und bei Kostenbetrachtungen einbezogen würden.

Onshore-Markt stößt an seine Grenzen

Grundsätzlich gilt auch im Zusammenhang mit der Förderung der Erneuerbaren Energien, dass der ökonomisch-technische Entdeckungs- und Entwicklungswettlauf behindert wird, wenn Subventionen zu hoch ausfallen und/oder zu lange gewährt werden. Daher ist im EEG eine Degression der Stromeinspeisevergütung für Windkraft entsprechend dem vermuteten technischen Fortschritt vorgesehen, um die Gefahr von Dauersubventionen zu bannen.

In der Endphase des politischen Wahlkampfes wird deutlich, dass die Parteien bezüglich der Fortentwicklung des EEG durchaus unterschiedlicher Auffassung sind. Insofern besteht derzeit eine gewisse Unsicherheit für Finanzinstitute und Investoren, die Risiken birgt und Fragezeichen setzt.

In Deutschland stößt der Onshore-Wind-Markt in den kommenden Jahren auf natürliche Grenzen wie den Mangel an günstigen Windstandorten oder Bürgerbelastbarkeit. Das so genannte Repowering (Modernisierung bestehender Altanlagen) kann zwar den Windertrag an bestehenden Standorten noch verbessern. Aber wirklich große Wachstumspotenziale sind jenseits des deutschen Festlands zu suchen. Zwei Entwicklungspfade sind Erfolg versprechend: auf der einen Seite der Versuch, Windanlagen offshore gehen zu lassen; auf der anderen Seite die Strategie, den erarbeiteten Know-how-Vorsprung im Bereich der Wind-Onshore-Anlagen international zu vermarkten.

Es mangelt an Erfahrung

Für die Exportfinanzierung erscheinen Venture-Capital-Modelle, Engagements von Großunternehmen (z.B aus dem Energiesektor) sowie der Vertrieb von Windkraftfonds auch im Ausland zweckmäßig zu sein. Conditio sine qua non für Fondslösungen - gerade im Ausland - ist längerfristige Sicherheit; nicht zuletzt bezüglich der Projektmerkmale Einspeisesicherheit, politische Sicherheit sowie Sicherheit von Währung bzw. Wechselkurs.

Die momentane Antragsflut für inländische Offshore-Projekte resultiert aus der hohen EEG-Stromeinspeisevergütung für Offshore-Anlagen, die bis Ende 2006 in Betrieb genommen werden. Abgesehen von diesem Zeitfenster und eventuell möglichen EEG-Modifikationen infolge politischer Akzentverschiebungen stellen sich für Banken bei der Finanzierung von Offshore-Windparks viele weitere Fragen, die einer Beantwortung bedürfen.

Offshore-Windparks erfordern regelmäßig Finanzvolumina jenseits von einer Milliarde Euro; die Projektgröße ist ein Quantensprung im Vergleich zu herkömmlichen Onshore-Projekten, wo mittlerweile Standardlösungen unter Einbindung von Förderdarlehen (KfW, Deutsche Ausgleichsbank), Eintragung von Dienstbarkeiten und Vorhalten einer Mindestliquiditätsreserve existieren. Mangels ausreichender Erfahrungen ist das Offshore-Risiko für Banken derzeit nicht gleichermaßen kalkulierbar.

Die Umweltrisiken erscheinen gering

Bei Offshore-Projekten bedarf die Optimierung der Risiko-/Ertragsposition größenbedingt eine wesentlich intensivere Analyse der Leistungsfähigkeit aller Projektbeteiligten wie Sponsoren und Betreiber sowie der projektspezifischen Risiken. Dank des EEG ist das Markt- bzw. Vermarktungsrisiko des Offshore-Stroms gering. Die Umweltrisiken (z.B. Gefährdung von Tierpopulationen) erscheinen bis dato gering. Kreditgeber werden wohl kaum das Fertigstellungsrisiko, das Risiko der Kostenüberschreitung sowie das technische Gesamtfunktionsrisiko übernehmen, denn diese liegen weit ab ihres Einflussbereichs.

Aus Finanzierungssicht erscheint die Bildung von Bau- und Betreibergesellschaften unter Einbeziehung erfahrener und leistungsstarker Anlagenbauer, Windparkentwickler und EVU aussichtsreich zu sein. Dadurch könnte ein engmaschiges vertragliches Netz zur Verteilung der Risiken geknüpft werden, das Kalkulierbarkeit und Optimierungen ermöglicht.

Ein solches Sicherheitsnetz sollte selbst im Falle "schlechter Winde" Tragfähigkeit beweisen, damit es dem jeweiligen Offshore-Projekt nicht geht wie einst Odysseus kurz vor dem Ziel seiner langen Reise: Die von seinen Gefährten entfesselten "schlechten Winde" warfen ihn zurück, und er musste seine Irrfahrt fortsetzen. Sollten die Risiken erkannt und beherrschbar sein, dann dürften auch Offshore-Windparks ins Fadenkreuz risikobewusster Investoren bzw. Anleger geraten.

Quelle: Handelsblatt

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