"Für Boeing wird es immer billiger"
Gespräche von Fairchild mit Boeing geplatzt

Der US-Flugzeugriese Boeing ist nach Angaben aus Finanzkreisen aus den Verhandlungen über einen Einstieg bei dem in akuten Finanznöten schwebenden Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier ausgestiegen.

Reuters MÜNCHEN. "Die Lage für Dornier wird immer verzweifelter", hieß es am Mittwochabend in den Kreisen. Boeing spiele aber möglicherweise auf Zeit und wolle die Insolvenz von Fairchild Dornier abwarten, um dann, von Altschulden befreit, doch einzusteigen. "Für Boeing wird es jetzt immer billiger", hieß es. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe) droht dem Unternehmen aus Oberpfaffenhofen bei München bereits am Dienstag nach Ostern die Insolvenz.

Ein Fairchild-Sprecher sagte am Mittwochabend, es liefen weiter Verhandlungen mit mehreren Partnern, von denen sich das Unternehmen technische und finanzielle Unterstützung erhofft. Fairchild Dornier wolle dazu aber erst Stellung nehmen, wenn Ergebnisse vorlägen. Zu Verhandlungen mit Boeing und zu einer möglichen Insolvenz wollte sich der Sprecher nicht äußern. An Fairchild Dornier sind nach Angaben aus den Kreisen auch die kanadische Bombardier und der Kleinflugzeughersteller Beechcraft interessiert. Fairchild Dornier war nach den Anschlägen vom 11. September nach eigenen Angaben in finanzielle Bedrängnis geraten, nachdem Fluggesellschaften Bestellungen um 15 bis 18 Monate verzögert hatten und die Entwicklung des neuen, 90-sitzigen Flugzeugs Do 728 teurer wurde als erwartet. Die Do 728, für die Aufträge in zweistelliger Milliardenhöhe vorliegen, war in der vergangenen Woche der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Das Unternehmen war Anfang 2000 von der US-Investmentfirma Clayton, Dubilier & Rice (CD&R) und von Allianz Capital Partners übernommen worden, die 400 Mill. Dollar Eigenkapital einbrachten. Weitere 800 Mill. finanzierte ein Bankenkonsortium unter Führung der HypoVereinsbank mit der Bayerischen Landesbank und der LfA. 80 % davon sind durch Bürgschaften von Bund und Land Bayern abgesichert. Nach Angaben aus Bankenkreisen sind diese Kredite noch nicht ganz aufgebraucht. Ein Allianz-Sprecher sagte, der Einstieg eines strategischen Investors sei zwingend notwendig.

Hypo-Vereinsbank-Chef Albrecht Schmidt hatte in der letzten Woche Gesprächsbereitschaft signalisiert: "Wir würden sinnvolle Lösungen sehr aktiv mit betreiben wollen." Fairchild habe mit der Do 728 ein Produkt mit guten Chancen auf dem Markt. Dagegen will die EADS, der das Fairchild-Werksgrundstück nahe München gehört, sich nicht engagieren. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern sei nur daran interessiert, die Produktion von Landeklappen und Rumpfteilen für Airbusse bei Fairchild Dornier sicherzustellen, sagte ein EADS-Sprecher am Mittwoch.

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