Für Bush heißt es "Ora et labora"-"Bete und arbeite"
Der Glaube als Wahl-Faktor

Im Weißen Haus sitzt ein Präsident, der seinen tiefen christlichen Glauben so offen lebt wie kein Amtsinhaber vor ihm. George W. Bush redet oft und gerne über seinen Glauben, und hat das Thema Religion damit auch zu einem der zentralen Themen dieses Wahlkampfs gemacht. Sein demokratischer Herausforderer John Kerry tut sich viel schwerer mit Glaubensbezeugungen.

HB WASHINGTON. Doch besonders in Zeiten von Terror und Unsicherheit sind Religiosität und Glaube des künftigen Amtsinhabers alles andere als Privatsache.

Bush hat bei den Wählern, die sich als besonders religiös bezeichnen, die Nase vorn. Und davon gibt es viele in den USA, 50 Millionen, rund 20 % der Bevölkerung. Kerry ist Katholik, aber die Zeiten, in denen mit Abstand größte Religionsgemeinschaft in den USA immer für Demokraten stimmte, sind lange vorbei. Ohne klares religiöses Bekenntnis hat ein Politiker in den USA nach Angaben von Religions-Professor Michael Novak keine Chance. Mehr als 90 % der Amerikaner bezeichnen sich in Umfragen als gläubig, 44 % sagen, sie gehen jeden Sonntag in die Kirche. In Deutschland besuchen höchstens 15 % regelmäßig den Gottesdienst.

"Ein amerikanischer Präsident ist mehr wie ein König als ein Premierminister. Die Leute wollen sich mit identifizieren. Er muss auch ihre Moralvorstellungen repräsentieren", sagt Novak, der als Religionsforscher beim American Enterprise Institute in Washington arbeitet. "Wenn ein Präsident (den Glauben) immer wieder und oft zur Sprache bringt, denken die Leute: Er versteht mich, er nimmt sich meiner Themen an."

An hoch brisanten Moral-Fragen fehlt es im US-Wahlkampf nicht. Abtreibung, Homo-Ehe, Ausweitung der Stammzellenforschung - Bush ist dagegen und hat damit bei den moralisch konservativen Christen einen klaren Vorsprung. 70 % der rund 50 Millionen, die sich als fundamentalistische Christen bezeichnen, sind nach einer Umfrage des Pew-Instituts für Bush. Nur müssen diese Wähler auch mobilisiert werden. Beim Wahlgang 2000 sind vier bis sechs Mill. regelmäßige Kirchgänger, die überwiegend zu Bush tendieren, zu Hause geblieben.

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