Für das laufende Jahr sind zahlreiche wichtige Reformschritte geplant
Chinas Börsenaufseher greifen zum eisernen Besen

Chinas Börsenaufseher haben das Jahr 2002 mit der Beseitigung einer der größten Schwächen begonnen, die die elf Jahre alten Handelsplätze in Schanghai und Shenzhen plagen. Seit 1. Januar droht chronischen Verlustmachern auf dem 1 100 Firmen umfassenden Kurszettel erstmals strikt die rote Karte.

PEKING. Zwar hatten die Aufseher der China Securities Regulatory Commission (CSRC) schon 2001 drei Mal marode Publikumsfirmen des Börsensaals verwiesen, doch in vielen Fällen scheuten sie vor drastischen Maßnahmen eher zurück.

Börsengesellschaften, die drei Jahre Verluste einfahren, haben jetzt nur noch eine Gnadenfrist von sechs Monaten - zuvor ein Jahr - um die Rückkehr in die Gewinnzone nachzuweisen. Rund 60 chronische Geldvernichter haben Chinas Börsenobere im Visier, die meisten davon dümpeln seit drei Jahren in der Verlustzone.

Doch trotz der kümmerlichen Performance haben die Titel einiger dieser Firmen im Jahr 2001 astronomische Zuwächse verzeichnet. Die Aktie der Elektronikfirma Shenzhen Tellus legte 250 % zu, obwohl für 1999 und 2000 Verluste von umgerechnet 25 Mill. DM ausgewiesen wurden. Doch Shenzhen Tellus ist noch ein eher harmloser Fall. Nach Weihnachten hat Chinas National Audit Office bekannt gegeben, dass bei einer Überprüfung von 32 Firmenbilanzen 23 für "gravierend inakkurat" befunden wurden. Im Klartext: Die Buchprüfer haben allein in diesen Fällen Manipulationen im Gesamtwert von knapp 2 Mrd. DM "übersehen". Das bestätigt eine Untersuchung der Finanz-Universität Schanghai, in der 88 % der Befragten zu Protokoll gaben, sie hielten die Finanzberichte börsengehandelter Firmen in China für nicht zuverlässig.

Kursmanipulationen, marode Gesellschaften, schwache Erträge und himmelhohe Bewertungen haben ausländische Investoren zur Flucht aus dem B-Aktien-Markt in China bewogen; Peking will sie zurückgewinnen. Denn die Reform vieler Staatsbetriebe kann nur mit Börsenkapital erfolgreich durchgeführt werden. Außerdem "will China den lokalen Börsianern die unrealistische Phantasie, dass Publikumsfirmen nicht scheitern können, nehmen", fügt Tony Yam von Sun Hung Kai Research in Schanghai hinzu. Die neue Regelung soll in- und ausländischen Investoren, mehr Vertrauen einflößen.

In diesem Jahr stehen zahlreiche wichtige Reformschritte an, vor allem im Fondsbereich. Mit JP Morgan, Schroders, Allianz-Dresdner und Franklin Templeton stehen praktisch alle Großen der Branche an, um Lizenzen für die ersten Fonds-Joint-Venture mit ausländischer Beteiligung zu ergattern. China wird früh im neuen Jahr auch einen nationalen Börsenindex einführen und damit den Weg für Indexfonds und Futures ebnen. Außerdem steht die Gründung einer High Tech-Börse in Shenzhen für 2002 an und die Fortsetzung des Verkaufs größerer Staatsanteile an Firmen.

Dass Pekings Börsenaufseher ihren Kampf gegen Börsenbetrug und Bilanzfälschungen verstärken, haben sie kürzlich erneut signalisiert. Nach Weihnachten wurde eine neue Regel der CSRC bekannt, wonach die Börsenmanager in Schanghai und Shenzhen eine Aktie vom Handel suspendieren können, wenn eine Auditfirma Bedenken gegen den Finanzbericht anmeldet. Peking hat auch personell dafür Sorge getroffen, dass die Börsenaufseher künftig strenger durchgreifen. Seit dem Sommer sind die Chefsessel der Börsen mit Ex-Spitzenmanagern der CSRC besetzt.

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