Für den Anleger: Derivate (Teil 1) - Optionsschein-Boom im World Wide Web
Angebote rund um Warrants im Internet

Ob Vergleichsrechner, 3D-Chart oder Marktkommentar: Das Internet bietet für Optionsschein-Interessierte eine Vielzahl an Informationsmöglichkeiten. Im Handel aber spielt die Order über das Telefon für den Privatanleger immer noch eine sehr wichtige Rolle.

DÜSSELDORF. "Setzen Sie nie mehr für Warrants ein, als Sie im ungünstigsten Fall als Verlust verkraften können", warnt die Citibank Anleger auf ihrer Internet-Informationsseite. Solche Vorsichtshinweise der Banken gibt es beim Handel mit Optionsscheinen genug. Das hat seinen guten Grund, denn die Hebelwirkung dieser Wertpapiere potenziert Kursschwankungen des zugrundeliegenden Basisinstruments (überwiegend Aktien, Indices, Währungen und Zinsen) in Extremsituationen um ein Vielfaches. Daraus ergeben sich zwar sagenhafte Gewinnchancen, auf der anderen Seite ist ein Totalverlust viel wahrscheinlicher als etwa beim Handel mit Aktien. Trotz der Gefahren hat dieses Marktsegment einen beispiellosen Boom erlebt: Während in Deutschland vor ein paar Jahren vielleicht 300 Warrants aktiv gehandelt wurden, gibt es derzeit schon fast 9000 Scheine. Ein Teil dieses Aufschwungs verdanken die Scheine auch der Verbreitung über das Internet. Wer nun versucht, über das World Wide Web an diesem Geschäft teilzunehmen, dem wird neben mathematischen und analytischen Fähigkeiten auch noch technisches Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem "elektronischen Werkzeug" abverlangt. Das Internet bietet besonders für den privaten Anleger viele Vorteile. Allerdings muss man unterscheiden zwischen der Informationsbeschaffung und dem konkreten Handel. Wenn es darum geht, sich über den Markt "schlau zu machen", Begriffe einzuüben und sich einen zeitnahen Überblick über die Kurse plus Charts zu verschaffen, gibt es eine schier nicht zu bewältigende Vielfalt an Möglichkeiten. Allein nach Eingabe des Begriffs "Optionsscheine" bei der Suchmaschine Lycos erhält der Interessent über 17 000 Einträge. Deshalb ist es von Vorteil, wenn man die zentralen Drehscheiben des World Wide Web zu diesem Bereich kennt, um nicht sein ganzes Startkapital für das Aufspüren von Basisinformationen zu investieren.

Info-Angebot fast schon lückenlos

Das Informationsangebot zu Optionsscheinen im Internet kann man grob in drei Kategorien trennen: Einmal die Kurslieferanten, die in der Regel versuchen, in kurzen Zeitabständen - üblich sind Kurse mit 15-minütiger Verzögerung - den Datenfluss ins Wohnzimmer oder den Arbeitsplatz zu leiten. Das können die Emissionshäuser, Direktbanken oder auch unabhängige Anbieter sein, hinzu kommen die Wertpapierbörsen und Nachrichtenagenturen für Wirtschaftsinformationen. Letztere bieten wie die auf Wirtschaft spezialisierten Medien in ihren Internet-Auftritten neben Kursabfragen auch Nachrichten zu Neuemissionen und Hintergrundartikel zu den Märkten. Viele Anbieter versorgen ihre Kunden auch mit kostenlosen Newsletters als E-Mail-Service. Und letztlich können sich die Anleger auch ohne die üblichen Informationsfilter in den sogenannten Brokerboards oder Diskussionsforen über ihre Erfahrungen austauschen. Im untenstehenden Kasten wird eine Auswahl dieser Quellen gezeigt.

Handel wird unterschiedlich beurteilt

Wenn es um den Handel geht, gehen die Meinungen über den Einsatz des World Wide Web auseinander. Hans-Peter Bruker, Vorstandssprecher des Maklerhauses EUWAX Broker AG, Stuttgart, ist für eine Nutzung der neuen Medien, die Preisfeststellung sollte aber über die Börse erfolgen. "Die Nutzung eines außerbörslichen Handelssystems kann für Profis sinnvoll sein, aber es fehlen die Regularien der Börse und die Preisbildung ist nicht so transparent wie bei Aktien", sagte Bruker, der eine treibende Kraft im börslichen Optionsscheinhandel ist und dem Börsenplatz Stuttgart den Rücken stärkt. Die Schwaben sind auf das Warrant-Geschäft spezialisiert. Von den circa 40 % des Optionsscheinhandels, der über die traditionellen Börsen läuft, entfällt mehr als die Hälfte laut Bruker auf Stuttgart. Das heißt aber auch, dass mindestens 60 % des Handels außerbörslich abgewickelt wird. Für die börsliche Variante fallen als Mehrkosten neben den Bankgebühren die Maklercourtage an - derzeit 0,8 Promille pro Auftrag. Andererseits, so Bruker, "bezahlt der Kunde beim außerbörslichen Handel immer den Spread des Market Makers." Die Liquidität der Börse bringe oftmals Vorteile beim Ausführungskurs, die weit über dem Courtageaufwand lägen, meint Bruker. Alle Handelssysteme der Optionsscheinhäuser sind auch als "virtuelle Parketthändler" an der Börse installiert. Das am stärksten verbreitete außerbörsliche Handelssystem ist das wegen seiner Zuverlässigkeit bekannte "CATS OS" des Warrant-Pioniers Citibank, das mittlerweile auch andere Häuser nutzen. Der Wirtschaftsinformationsdienst vwd sorgt mit "Tradelink" für eine neutrale Vertriebsplattform, an die sich die unterschiedlichen Emittenten anschließen können. Dieses System verbindet den Privatanleger über seine depotführende Bank mit den Produktanbietern und sorgt dafür, dass die Aufträge zum jeweiligen Handelspartner weitergeleitet werden.

Telefonhörer statt Maus-Klick

Doch obwohl alle diese Handelssysteme der Banken und Optionsscheinhäuser voll computerisiert funktionieren, erfolgt der Zugriff für die Privatanleger zumeist noch über das gute alte Telefon. Denn während der börsliche Handel bei den meisten Onlinebrokern problemlos über das Internet läuft, bieten die meisten Direktbanken die Abwicklung außerbörslicher Orders nur über ihre Callcenter an. Zudem ist der Handel bei allen noch auf die Scheine weniger Emittenten begrenzt. So können die Vorteile der längeren Handelszeiten im außerbörslichen Handel bisher kaum über das Internet genutzt werden.

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