Für den Chef des Sportartikelherstellers ist Unternehmensgröße kein Erfolgsgarant
Puma-Chef Jochen Zeitz: Immer zum Sprung bereit

1993 war die Berufung des damals 30-Jährigen an die Spitze des fränkischen Sportausrüsters noch eine echte Sensation. Heute hat sich Zeitz auf dem Chefposten etabliert.

HERZOGENAURACH. Kurz vor 11 Uhr wird Jochen Zeitz auf der morgigen Hauptversammlung des fränkischen Sportartikelherstellers Puma zu einer kraftvollen Rede ansetzen. Er wird davon berichten, wie gut sich T-Shirts, Hosen und Schuhe mit dem Raubtier im Logo derzeit verkaufen und dass der Puma bald noch viel stärker zuschlagen wird.

Bei aller Dynamik in Worten und Taten - für die Aktionäre im Großen Saal des Vereinshauses von Herzogenaurach ist der Auftritt ihres Vorstandsvorsitzenden längst nichts Besonderes mehr. Sie haben sich daran gewöhnt, dass die traditionsreiche Firma von einem jugendlichen Chef geleitet wird.

Das war nicht immer so. Als Zeitz am 1. Mai 1993 die Verantwortung bei Puma übernahm, war das sogar dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" eine ganze Seite wert. Fünf Jahre vor Beginn des Dotcom-Booms waren graue Schläfen noch angesagt auf den Vorstandsetagen hier zu Lande. Mit seinen 30 Jahren war Zeitz damals der jüngste Vorstandschef Deutschlands. "Das ist mehr als eine Bilderbuchkarriere", schrieb die "Süddeutsche Zeitung".

Große Skepsis nach der Berufung von Zeitz

Die übrige Presse kommentierte den Aufstieg des Jungstars freilich mit Skepsis. Erstens war Zeitz der vierte Puma-Chef in drei Jahren, zweitens hatte er kaum Führungserfahrung. Für ihn war Herzogenaurach erst die zweite Station nach dem Studium an der European Business School sowie in den USA und Frankreich. 1990 hatte ihn der damalige Puma-Sanierer Hans Woitschätzke vom Konsumgüterriesen Colgate-Palmolive geholt und Zeitz die Leitung des internationalen Marketings anvertraut.

Der passionierte Flieger hat in der Puma-Zentrale offenbar schnell gelernt: Als Vorstandschef führte Zeitz die Firma bereits 1994 in die schwarzen Zahlen, nachdem den Sportausrüster zuvor jahrelang Verluste geplagt hatten. Der ehemalige Football-Spieler hat mit Kampfgeist und taktischem Geschick auch die vorläufig letzte Puma-Krise Ende der 90er-Jahre überstanden. Inzwischen liegt das Unternehmen zumindest in der Gunst der Analysten sogar vor dem Erzrivalen und Nachbarn aus Herzogenaurach, der wesentlich größeren Adidas AG. -Salomon

"Größe allein ist nicht entscheidend"

"Die Größe allein ist nicht entscheidend", hat Zeitz sich und seinen Mitarbeitern immer wieder Mut gemacht im Kampf gegen die Branchenriesen Adidas und Nike. Jetzt greift der Hobby-Jäger die Platzhirsche sogar in ihrem wichtigsten Revier an, den USA. Stabsfunktionen wie Marketing hat der begeisterte Nutzer moderner Kommunikationstechniken komplett nach Westford ausgelagert. Im Zeitalter von E-Mail und mobilen Computern ist Zeitz fest davon überzeugt, ein Unternehmen sozusagen virtuell führen zu können, egal wo er sich gerade aufhält.

Zeitz tut gut daran, den weltweiten Trends zu folgen - und das nicht nur in der Kommunikation. Die Zeiten, in denen Puma allein mit Fußballschuhen Geld verdiente, sind perdu. Wie die Modebranche sind auch die Sportartikel-Produzenten abhängig von kurzlebigen Trends. Was "in" ist, wird gekauft - und "in" sind vor allem die Klamotten, auf denen das richtige Logo klebt. Kein Wunder also, dass es das erklärte Ziel von Zeitz ist, Puma zu einer "begehrten Marke" zu machen.

Und wer könnte besser wissen, was in ist als ein Vorstandschef, der immer noch fast so jugendlich wirkt wie beim Amtsantritt vor acht Jahren.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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