Für denOMV sind in Deutschland nur die Stationen in Bayern interessant
Ausländer pokern um deutsche Tankstellen

In den deutschen Tankstellenmarkt kommt Bewegung, nachdem das Kartellamt die Konzerne Shell/Dea und BP/Aral nach der Fusion verpflichtet hatte, sich von einem Teil der Stationen zu trennen.

HAMBURG/MOSKAU. Zwei russische Ölkonzerne, Lukoil und Tatneft, wollen offenbar 800 Tankstellen von BP/Aral in Deutschland übernehmen. Doch auch die österreichische OMV ist interessiert.

Lukoil, Russlands führender Mineralölkonzern, bestätigte, die deutsche Tochter Lukoil Hamburg GmbH mit einem Grundkapital von 500 Mill. Euro gegründet zu haben. Ihr Ziel: die Übernahme von 460 Tankstellen von Aral und BP im Norden Deutschlands.

Lukoil ist nicht nur der größte russische Ölförderer, die Moskauer sind auch am aggressivsten auf West-Kurs: So wollen die Russen neben dem deutschen Tankstellennetz auch die Avanti-Kette in Österreich übernehmen. Eine Raffinerie im polnischen Danzig soll samt übernommenen Betrieben in der Ukraine und Bulgarien helfen, das Tor nach Mitteleuropa zu öffnen. Das deutsche Tankstellennetz könnte über die Ostsee versorgt werden, Lukoil investiert stark in den Ausbau mehrerer russischer Ostseehäfen.

Der deutsche Mineralölmarkt hat sich grundlegend verändert, seit sich die Energiekonzerne Eon und RWE im vergangenen Jahr von ihren Mineralöltöchtern Veba Oel (Aral) und RWE-Dea getrennt haben. Käufer waren die Ölmultis BP beziehungsweise Shell. Das Kartellamt jedoch genehmigte die Geschäfte nur mit Auflagen und forderte die Multis auf, sich von einem Teil ihrer Kapazitäten zu trennen.

Am süddeutschen Tankstellennetz von BP und Aral mit 340 Stationen und der Raffinerie Bayern Oil soll nach Angaben des Informationsdienstes Europe Oil-Telegram der kleine russische Ölkonzern Tatneft interessiert sein. Das Unternehmen aus der Wolgarepublik Tatarstan gilt in Moskauer Branchenkreisen aber als finanzschwach.

Shell/Dea wiederum muss sich in Deutschland auf Grund der Kartellamts-Auflagen von 2 Mill. t Absatz trennen und hat mit dem Verkauf von 280 Tankstellen rund ein Drittel des Programms bewältigt. Anders als BP/Aral vermarktet Shell/Dea jedoch "kleine" Pakete zwischen 30 und 60 Tankstellen, um Mittelständlern eine Chance zu geben. Eine Ausnahme gibt es jedoch: den Verkauf von 32 Stationen in Bayern an den österreichischen Mineralölkonzern OMV AG, Wien.

OMV-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Ruttenstorfer wiegelt Hinweise ab, die Österreicher wollten groß im Nachbarland einsteigen: "Wir haben nicht die Absicht, einer der großen Mitspieler auf dem deutschen Tankstellenmarkt zu werden." Zwar hat das mit 7,7 Mrd. Euro Umsatz größte börsennotierte Unternehmen Österreichs sein Tankstellennetz in Deutschland in kurzer Zeit von 79 auf 151 fast verdoppelt, doch fixiert sich OMV mit seiner Expansion auf Bayern. 4,5 % Marktanteil sind hier erreicht. Die Zielmarke liegt bei 10 %. OMV hat auch für die BP/Aral Tankstellen in Süddeutschland geboten, doch reagiert Ruttenstorfer gelassen: "Wenn es nicht klappt, trauern wir Projekten nicht nach."

Die Gelassenheit des OMV-Chefs ist begründet: Denn die Österreicher sind auf die BP Raffinerie nicht angewiesen. "Wir haben in dieser Region schon zwei Raffinerien, die reichen", rutscht es Ruttenstorfer raus. In Schwechat bei Wien und in Burghausen in Bayern hat die OMV eine Jahreskapazität von 13,5 Mill. t. Was die OMV daher sucht, das sind Absatzkanäle.

Das Hauptaugenmerk der Österreicher liegt im Donauraum. Hier sieht die OMV das größte Wachstumspotenzial des Tankstellenmarktes in Europa. Dort liege die Pkw-Dichte pro 1000 Einwohner deutlich unter der der "reifen" Länder Österreich und Deutschland. Zudem seien die Donauanrainer EU-Beitrittskandidaten. "Die Donau ist unsere Versorgungsader," betont Ruttenstorfer. Engagiert hat sich der Konzern in neun Ländern entlang der Donau. Jüngster Coup ist die Übernahme eines 25,1 %igen Anteils am rumänischen Ölunternehmen Rompetrol Group.

1 305 Tankstellen betreibt der Konzern, davon 531 in Österreich und 774 in anderen Ländern. Ziel ist, das Netz auf 1 800 Stationen zu verdichten und damit den Marktanteil von 10 auf 20 % zu verdoppeln. Um dies zu erreichen und die Produktion von jährlich 4 Mill. t Öläquivalenten zu verdoppeln, wird OMV bis zum Jahr 2008 jährlich gut 900 Mill. Euro investieren.

Quelle: Handelsblatt

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