Für die deutschen Hersteller sieht der Heimatmarkt nicht rosig aus
2004 bringt gute Konditionen für den Neuwagen-Kauf

Diejenigen, die 2004 einen Neuwagen kaufen wollen, dürfen sich freuen, denn das kommende Jahr wird für Autokäufer ein gutes Jahr mit saftigen Rabatten. Für die Hersteller bahnt sich allerdings eine weitere Durststrecke an. Angesichts beträchtlicher Überkapazitäten wird der Konkurrenzkampf um Marktanteile wahrscheinlich zunehmen und die Rabattschlacht weiter anheizen.

HB FRANKFURT. Schon derzeit sind Preisnachlässe von 2000 ? die Regel, bei Importfahrzeugen sogar bis zu 5000 ? möglich. Die noch im September herrschende Euphorie zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt ist weitgehend verflogen. Die Branche glaubte, die Talsohle schon überwunden zu haben und sah sich bereits in der Rolle der deutschen Konjunkturlokomotive. Doch die Angst um Arbeitsplätze, die tief sitzende Verunsicherung über die Zukunft und Alterssicherung sowie über Steuern und Abgaben lassen eher die Sparquote als den Autoabsatz in die Höhe gehen.

Der immer härter werdende Wettbewerbsdruck hat dagegen die potenziellen Käufer in eine komfortable Lage gebracht. "Der deutsche Konsument kauft kein Auto, sondern Schnäppchen", stimmte Opel-Chef Claus-Peter Forster das Klagelied der Hersteller an. Opel hat deshalb schon die Preispolitik der Reisebranche übernommen. Der erst im Frühjahr 2004 auf den Markt kommende Golf-Konkurrent Astra wird mit einem Frühbucherrabatt angeboten. Unabhängig von den üblichen Zyklen im Pkw-Geschäft sind die großen und traditionellen Automärkte Westeuropa und USA weitgehend gesättigt. Die Wachstumsraten früherer Jahre kommen auch bei besserer Konjunktur nicht mehr zurück. Statistisch verfügt bereits jeder zweite Bundesbürger über einen fahrbaren Untersatz. Vor diesem Hintergrund aktueller Flaute und langfristiger Trends ist der Rückgang der Pkw-Zulassungen in Deutschland 2003 um weniger als ein Prozent (2002: 3,25 Millionen) schon als Erfolg zu werten.

Doch für die deutschen Hersteller sieht der Heimatmarkt nicht rosig aus. Sie verloren in diesem Jahr rund drei Prozent. Die Importeure konnten dagegen knapp vier Prozent zulegen. Dabei weisen vor allem Japaner und Koreaner Zuwachsraten von zehn und mehr Prozent auf. Vor allem Toyota mit riesiger Kapitalkraft gilt wieder als gefährlicher Gegenspieler. Bislang rechtfertigte auch das Gütesiegel "Made in Germany" mit deutscher Ingenieurskunst und Qualität häufig einen höheren Preis.

An diesem Image hat der ADAC mit einer Untersuchung erheblich gekratzt. Danach lagen die japanischen Modelle hinsichtlich Kundenzufriedenheit durchweg auf den ersten sieben Plätzen vor Porsche. Deutschlands Renommier-Marken VW und Mercedes wurden dagegen auf die hinteren Plätze 31 und 32 verwiesen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält die Untersuchung für wenig aussagekräftig, bei den Käufern wird sie aber registriert. Die entscheidende Basis der Branche bleibt aber nach wie vor der Export. Mehr als 70 % aller hier zu Lande produzierten Autos werden im Ausland verkauft. Aber auch in Westeuropa geht es langsam rückwärts. Auf dem wichtigsten Einzelmarkt USA herrscht derzeit purer Überlebenskampf. Mit Rabatten von durchschnittlich 4000 Dollar muss der Absatzkanal geschmiert werden. Doch die mit Preisanreizen vorgezogenen Käufe fehlen in den Auftragsbüchern von morgen.

Die in Geschwindigkeit und Ausmaß unerwartete Dollar-Schwäche erschwert zusätzlich die Ausfuhr deutscher Modelle in die Vereinigten Staaten. Von Januar bis Oktober war immerhin noch ein Exportplus von 4,9 % auf 533 000 Fahrzeuge möglich. Der starke Euro dürfte sich als Absatz- und Gewinnbremse auswirken. Der nachhaltige Anstieg der Aktienkurse könnte dagegen zu einer Entspannung im US-Geschäft führen. Die Preisschlacht wurde insbesondere vom Branchenführer General Motors forciert. GM brauchte Bargeld, um das finanzielle Loch für die Pensionsverpflichtungen zu stopfen. Mit wieder gestiegenem Kapitalvermögen im Pensionsfonds lässt dieser Druck merklich nach. Der weltgrößte Autohersteller könnte damit das Signal geben, den ruinösen Wettbewerb abzublasen.

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