Für die Einführung der LKW-Maut zuständig
Große Verantwortung: Konrad Reiss

Es gibt Situationen, in denen man nichts gewinnen, sondern nur viel verlieren kann. In einer solchen steckt T-Systems-Chef Konrad Reiss, der bei der Telekom die Verantwortung für die Einführung der LKW-Maut trägt.

Startet das Projekt ohne größere Pannen, hat er eben seinen Job erledigt. Zeigt es aber systematische Schwächen, hat er ernsthaft ein Problem: "Das Thema Toll Collect werde ich erst Ende Januar etwas entspannter angehen, wenn das System in der Praxis läuft und die ersten Rechnungen verschickt wurden", gibt Reiss zu.

Die Maut macht ihm schon Ärger, seit er Ende des Jahres 2002 den Chefsessel der Telekom - Sparte T-Systems erklommen hat. Das Projekt war zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossene Sache, die Termine waren vereinbart. Aber in den darauf folgenden zwölf Monaten krachte das Technologieprojekt derart lautstark und medienwirksam an die Wand, dass das kollektive Versagen der Partner Deutsche Telekom und Daimler-Chrysler Fragen nach der Leistungsfähigkeit der Ingenieursnation Deutschland aufzuwerfen drohte.

Telekom-Konzernchef Kai-Uwe Ricke versprach dem Bundeskanzler persönlich eine Lösung des Problems, und Reiss spielte den "Sherpa". Im März 2004 übernahm er den Posten des Aufsichtsratschefs bei Toll Collect. Garantien für einen pünktlichen Projektbeginn zum Jahresanfang hat er sich jedoch verkniffen: "Wir sind noch nicht am Ziel: Ein erfolgreicher Maut-Start ist unsere nächste Etappe", sagte Reiss noch vor kurzem. Der Dank wird spärlich ausfallen, wenn - mit eineinhalb Jahren Verspätung - die ersten Maut-Euro in die leeren Staatskassen fließen. Doch der Schwabe und Vater von drei Kindern ist auch keiner, der für die öffentliche Anerkennung arbeitet.

Ohnehin hat Konrad Reiss nie behauptet, dass er für die Maut Berge versetzen oder Wunder vollbringen muss. Denn "die Technologie an sich ist in Ordnung", behauptete er selbst in den dunkelsten Stunden des Pannenprojekts. "Wir mussten es nur richtig zusammenfügen", so Reiss, der sich für Tests eines der umstrittenen Borderfassungsgeräte in seinen PKW montieren ließ.

Ursache der Probleme war eine verfehlte Projektführung. Und damit fühlte sich der Diplom-Kaufmann und frühere Unternehmensberater in seinem Element: umorganisieren, effiziente Strukturen schaffen, die Kontrolle behalten.

Doch eigentlich ist die Maut- Aufsicht für Reiss ein Nebenjob. Denn mit T-Systems trägt der Manager die Verantwortung für rund zehn Milliarden Euro, die der IT-Dienstleister der Telekom umsetzt. Im Rahmen des Konzernumbaus wird T-Systems künftig für mehr als 160.000 Geschäftskunden zuständig sein. Reiss wird in den kommenden Jahren alle Hände voll zu tun haben, um unzufriedene Geschäftskunden zurückzuholen. Die Lastwagen-Maut wird für ihn dann eine Geschichte sein, die gerade so eben noch mal gut gegangen ist.

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