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Für die Kunden von morgen

Die Softwareindustrie ist auf der Suche nach neuer Kundschaft. Das können praktisch nur junge Menschen sein, die als Schüler, Auszubildende oder Studenten nicht in der Lage sind, viel Geld für Computer und Programme auszugeben.

Wenn wir schon weniger werden - gemeint ist die Zahl der Deutschen - , dann wollen und müssen wir wenigstens mehr wissen. Vielleicht können weniger Menschen künftig vielleicht das Bruttoinlandsprodukt erhöhen - oder wenigstens unseren heutigen Lebensstandard sichern - wenn sie mehr wissen und können. Möglicherweise weniger, dafür höherwertige Produkte und Dienstleistungen werden dann hergestellt und angeboten. Das setzt allerdings voraus, dass nicht an der Ausbildung gespart wird. Bildung und Information sind jetzt schon in einer so hoch entwickelten Volkswirtschaft wie der unsrigen die wichtigsten Produktionsfaktoren. Damit die jungen Menschen auch bereit sind, eine gute und umfassende Ausbildung über sich ergehen zu lassen, müssen wir sie vor allem motivieren.

Hier will Microsoft helfen. Das Softwarehaus will Lernen zum Erlebnis machen. Ein guter Ansatz in unserer Erlebnisgesellschaft. Gleich um einen zweistelligen Euro-Millionenbetrag, so teilt die deutsche Dependance des weltgrößten Softwareherstellers mit, soll der Förderbetrag für Bildungsprojekte in Deutschland erhöht werden. Gemeinsam mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wird das Bildungsnetzwerk "WissensWert" gestartet. Und da man junge Menschen nicht früh genug für die Ausbildung begeistern kann, wird bereits das "Sprechen im Kindergarten und der Vorschule" gefördert. Das setzt sich fort mit der Initiative "Schulen ans Netz" oder "Vorausdenken an den Universitäten".

Fünf Jahre lang möchte Microsoft durch das Bildungsnetzwerk Innovationen in die Wissensvermittlung einbringen. Damit die Lehrer beispielsweise mehr Zeit für ihre Schüler finden, soll ein so genannter " Class Server" die Schulmeister von Routinearbeiten, wie das Erstellen, Bereitstellen und Benoten von standardisierten Unterrichtseinheiten und Prüfungsaufgaben, über das Web entlasten.

Da bekanntlich der Wettbewerb in der Softwarebranche beinhart ist, sieht die Konkurrenz diesen Kampagnen von Microsoft nicht tatenlos zu. Also packt Nebenbuhler Corel Corporation die Schultüten gleich mit einem umfangreichen Software-Paket voll: Mit der Office-Suite und drei Grafik-Produkten für staatliche Schulen und Volkshochschulen. Für 408 Euro gibt es eine "Klassenraumlizenz", die für 15 Schüler plus einen Lehrer gilt. Was zwar immer noch 25,50 Euro pro Nase wären, doch das lässt sich vielleicht noch verschmerzen.

Schließlich kann die Software ebenso in den Fächern Mathematik oder Deutsch oder Kunst eingesetzt werden. Das Zeichen- und Malprogramm beispielsweise imitiert reale Malwerkzeuge und die Techniken alter Meister. Der kreative Schüler kann aus über 400 Pinseln und anderen Malwerkzeugen auswählen und auf unterschiedlich körnigen Untergründen, Leinen oder Karton mit Öl, Aquarell, Kreide oder Bleistift zeichnen. Der faktische Kauf all dieser Materialien kostet garantiert mehr als 25,50 Euro.

Dass hinter den Aktionen der Softwarehersteller - natürlich - auch ein kommerzieller Leitgedanke steckt, nehmen wir billigend in Kauf. Schließlich können die Entwickler von Computerprogrammen nicht früh genug damit beginnen, ihre Kunden von morgen an ihre Produkte zu gewöhnen.

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