Für die Post hat die Bahn den Schwarzen Peter
Deutsche Post geht auf Distanz zur Bahn

Nur eine Verteuerung der Lkw-Transporte durch die Einführung der Maut kann den Güterschnellzug Parcel Intercity noch retten. Doch nach Einschätzung der Post, ist die Bahn weder in punkto Qualität und Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Flexibilität noch Preis ein wettbewerbsfähiger Verkehrsträger.

agr/ek BONN. Deutsche Bahn und Deutsche Post setzen auf die Einführung der Lkw-Maut. Denn die Verteuerung der Lkw-Transporte auf der Straße könnte ihr Gemeinschaftsprojekt retten: den Parcel Intercity. "Die Lkw-Maut wird uns dabei helfen, den Parcel Intercity auszubauen," gibt sich André Zeug, Vorstand der Bahntochter DB Cargo, überzeugt. Cargo-Chef Bernd Malmström rechnet damit, dass Lkw-Transporte mit der Maut ab Herbst generell 15 % teurer werden: "Das gibt uns beim Preisvergleich der Kunden Rückenwind", sagte er dem Handelsblatt.

Das scheint auch dringend nötig. Die Zukunft des schnellen Güterzugs steht in den Sternen. Der Parcel Intercity ist bislang alles andere als eine Erfolgs-Story. Für Monika Wulf-Mathies, Cheflobbyistin und Umweltbeauftragte der Deutschen Post ist die Verlagerung der Transporte von Briefen und Paketen von der Straße auf die Schiene bislang lediglich Wunschdenken. "Wir wollen zwar Güterverkehr auf die Schiene verlagern, doch unsere Kunden machen dies nicht mit", sagte sie anlässlich der Vorlage des ersten Umweltberichts der Post in Bonn.

Für die Post hat die Bahn den Schwarzen Peter. Die Bahn sei weder in punkto Qualität und Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Flexibilität noch Preis ein wettbewerbsfähiger Verkehrsträger, sagte Wulf-Mathies. Dem widerspricht Malmström. Abgesehen von inzwischen behobenen Qualitätsproblemen "fahren wir den Parcel Intercity mit über 97 % Pünktlichkeit so schnell von Hamburg nach München, wie es kein Lkw schafft".

Wulf-Mathies moniert weiter, dass die Schnittstellen zwischen Schiene und Straße eine Katastrophe seien. Von einer "Be- und Entladung ohne Wartezeiten in genau getakteten Zeitfenstern", wie es in einer Mitteilung der Bahn heißt, kann keine Rede sein. Die Güter stehen an den Umschlagbahnhöfen noch zu lange herum, bestätigte ein Sprecher von DHL, der Logistiktochter der Post.

Die Auslastung des Parcel Intercity, der für die Strecke von Hamburg nach München über acht Stunden braucht, lasse zu wünschen übrig, sagte Wulf-Mathies. Sie soll laut DHL-Sprecher bei 80 % liegen und das obwohl die Deutsche Post im Vertrieb von Rabatten bis hin zu Umweltpreisen für Kunden wie Ikea oder den Otto-Versand alle Register zieht. Der Parcel Intercity sei noch ein zartes Pflänzchen, das der Pflege bedürfe, sagte der DHL-Sprecher. Der Zug sei nicht gewinnbringend, sagte Wulf-Mathies. Um Gewinne einzufahren, müsste die Auslastung deutlich über 90 % liegen.

Eine Ost-West-Verbindung ist mangels Nachfrage bereits eingestellt worden. Die Bahn hat dies offenbar noch gar nicht registriert. Jedenfalls wirbt sie mit der Strecke noch immer im Internet. Malmström hingegen sagte, dass die Bahn gemeinsam mit der Post die Relation Ruhrgebiet - Berlin wieder aufnehmen werde. Allerdings nannte er keinen konkreten Zeitpunkt. Im internationalen Verkehr sei die Bahn ebenfalls keine Alternative zum Lkw, sagte Wulf-Mathies. Wegen unterschiedlicher nationaler Systeme könne sie ihre Vorteile auf langen Strecken noch nicht ausspielen, sagte die ehemalige ÖTV-Chefin und EU-Kommissarin.

Quelle: Handelsblatt

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