Für die Übernahme von Hutchison akzeptiert Schmid die Ausgabe von stimmberechtigten Aktien
Mobilcom-Chef steht offenbar vor Mehrheitsübernahme

Gerhard Schmid, Vorstandsvorsitzender der Mobilcom AG, steht offenbar kurz davor, seinen Anteil an Mobilcom auf eine meldepflichtige Mehrheitsbeteiligung aufzustocken - gezwungenermaßen. Denn Schmid kann sein Ziel, die Hutchison Telecom GmbH zu übernehmen, nicht zu seinen ursprünglichen Bedingungen durchsetzen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Aufsichtsrats.

HAMBURG. Zunächst wollte Schmid den Münsteraner Konkurrenten, der dem zweitgrößten Mobilcom-Aktionär Orange gehört, mit der Ausgabe stimmrechtsloser Mobilcom-Aktien übernehmen. Dazu aber ist Hutchison nicht bereit und will stattdessen Stammaktien. Schmids Konsequenz: Er kauft über den Markt Mobilcom-Aktien auf, damit sein bisheriger Anteil an dem Unternehmen durch die Übernahme von Hutchison nicht verwässert wird.

An Mobilcom ist Gerhard Schmid bislang mit weit mehr als 40 % beteiligt. Orange plc, die Mobilfunktochter des französischen Staatsunternehmens France Telecom, hält 28,5 %. Obwohl beide also Partner sind, konnten sie sich trotz Monate langer Verhandlungen bislang nicht über die Modalitäten der Hutchison-Kaufes einigen. "Die Verhandlungen laufen immer noch", erklärt ein Sprecher von Mobilcom. Auch sei noch immer offen, ob Orange stimmberechtigte Mobilcom-Aktien erhalte. Hutchison war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Dass Schmid an der Börse eigene Aktien zukauft, belegt, wie sehr er an Hutchison interessiert ist. Denn mit der Übernahme der 800 000 Kunden von Hutchison steigerte Mobilcom den eigenen Kundenstamm auf weit über 5 Mill. Damit würde das Unternehmen zudem beim geplanten Start der dritten Mobilfunk-Generation (UMTS) über mehr Kunden und somit höhere Umsätze verfügen, um die hohen Kosten für den Erwerb der Lizenzen und die Ausrüstungsinvestitionen abzufedern.

In Unternehmenskreisen bekommt die Taktik des Mobilcom-Chefs gute Noten. Er habe in den Verhandlungen mit Orange bewusst kein Tempo gemacht, schließlich sei Schmid von Anfang an klar gewesen, dass der Orange-Vorstand nicht bereit war, stimmrechtslosen Mobilcom-Aktien für die Hutchison Telecom GmbH zu akzeptieren. Statt dessen habe Schmid die Zeit genutzt, um in den vergangenen Monaten bei deutlich fallenden Kursen klammheimlich weitere Aktien des am Neuen Markt notierten Mobilfunkanbieters zuzukaufen.

Ein Firmensprecher wollte diese Informationen nicht bestätigen, Schmid verfüge weiterhin über einen Anteil um etwas über 40 %, sagte er. Der Vorstandschef sei aber immer daran interessiert, bei einer günstigen Kursentwicklung Aktien aufzunehmen.

Hierzu gab es in den vergangenen Wochen genügend Anlass. Danach soll Schmid beispielsweise Anfang Juli Börsengerüchte genutzt haben, wonach die Mobilcom AG in gravierenden Liquiditätsproblemen steckt. Der Mobilcom-Kurs sank damals um 15 % auf ein Rekordtief von 10,86 Euro, weil vor allem Fondsmanager im großen Stil Aktien abgegeben haben sollen. Mobilcom hatte die Gerüchte wenig später als Unsinn zurückgewiesen. Der Mobilcom-Kurs stieg gestern um 3,5 % auf 11,80 Euro.

Erst vor einigen Tagen hatte Mobilcom sein Angebot zur Übernahme der Elmshorner Talkline GmbH & Co. KG offenbar zurückgezogen. Der Grund: Der Vorstand der Mobilcom AG war sich mit der Talkline Tele Danmark A/S, -Muttergesellschaft Kopenhagen, über den Preis und die Konditionen nicht handelseinig geworden.

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