Für dieses Jahr schlechte Zahlen erwartet
Thyssen-Krupp gilt nur als durchschnittlich

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp ist mit den übrigen Werten an der deutschen Börse nach den Terroranschlägen auf Talfahrt gegangen. Dabei gönnte sich der Titel in den jüngsten Wochen eine kurze Atempause. Doch die weitere Entwicklung des viertgrößten Zulieferers und mit Abstand größten Stahlherstellers in Deutschland ist fraglich. Dies um so mehr, als am 30. September das Geschäftsjahr des Konzerns zu Ende ging und Analysten eher schlechte Zahlen für die Veröffentlichung des Jahresabschlusses erwarten.

DÜSSELDORF. Es könnten also noch stürmischere Zeiten auf das Unternehmen - und damit die Aktie - zukommen. Schaut man auf die Bewertungen der Analysten, so bekommt man wenig eindeutige Hinweise, denn unentschiedene Urteile wie "Marketperform" oder "Neutral" überwiegen. Man erwartet, dass sich die im Deutschen Aktienindex (Dax) notierte Stahl-Aktie wie der Markt entwickeln wird - nicht schlechter, aber auch nicht besser.

So befürchtet Analyst Winfried Becker vom Bankhaus Sal. Oppenheim in Frankfurt keine größeren Schwankungen mehr bei Thyssen-Krupp und bestätigt seine "neutrale" Einstufung: "Das Thema Konjunktur und die aktuellen Ereignisse dürften im Kurs schon eingefangen sein", sagt er. Die Einschätzung hänge allerdings davon ab, welche Zahlen der Konzern im abgeschlossene Geschäftsjahr erwirtschaftet hat und welche Prognosen er mache. "Thyssen-Krupp sollte sich im kommenden Geschäftsjahr besser auf seinen Kern ausrichten", empfiehlt der Analyst. Zwar sei schon einiges passiert, entscheidende Schritte zur Fokussierung würden aber noch fehlen.

Mutige können vielleicht günstig zugreifen

Mutig schreitet die Hamburger Sparkasse voran und stuft den Konzern als "Kauf" ein, wenn auch mit Einschränkungen, wie Analyst Reinhard Opitz betont. "Unser Urteil beruht auf antizyklischen Überlegungen", sagt er. Konjunkturelle Schwächen und Rezessionsängste seien seiner Ansicht nach bei der Thyssen-Krupp-Aktie eingepreist, so dass nach unten kaum noch Luft vorhanden sei. Aus der aggressiven Zinssenkungspolitik der Federal Reserve (USA) und den Konjunkturprogrammen würden dagegen innerhalb des nächsten Jahres zusätzlich positive Impulse erwartet. Bis dahin aber sollte der Wert nach Ansicht des Analysten stabil bleiben, er glaubt nicht, dass es noch negative Überraschungen geben wird.

Und noch ein zweites Argument spricht nach Ansicht von Opitz für Thyssen-Krupp: Die Doppelspitze wurde abgeschafft. Nun tritt Konzernchef Ekkehard Schulz allein, statt zusammen mit Gerhard Cromme an. Lange angekündigte Umstrukturierungen seien nun leichter durchsetzbar, vermutet der Analyst. Selbst wenn die Konjunkturerholung erst in der zweiten Jahreshälfte 2002 durchschlage, könne Thyssen-Krupp für Mutige jetzt ein günstiger Kauf sein.

Für dieses Jahr schlechte Zahlen erwartet

Auch für Klaus Soer von der Deutschen Bank sind die strukturellen Veränderungen im Unternehmen ein Faktor für die Bewertung der Stahl-Aktie, die er mit "Marketperform" eingestuft hat. "Erste Schritte zur Portfolio-Bereinigung sind gemacht", urteilt der Analyst, "doch der Konzern hat noch einige Hausaufgaben erledigen".

Nähereren Aufschluss dürften die Zahlen zum Jahresabschluss geben, die Thyssen-Krupp demnächst veröffentlicht. "Thyssen-Krupp leidet unter der anhaltend schlechten Situation im Stahlbereich", erklärt Soer. Die Branche weise schon länger rückläufige Ergebnisse auf. So erwarten Analysten für den Thyssen-Krupp insgesamt einen Ergebnisrückgang, worauf auch die schon veröffentlichten Zwischenberichte schließen lassen.

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