Für einige Telekomkonzerne steht Fusion oder Rückzug an
UMTS-Branche hängt durch

Fusion oder Rückzug - diese Frage werden die angehenden UMTS-Mobilfunknetzbetreiber wohl bald beantworten müssen. Denn enorme Schuldenberge, hohe Verluste und eine lange Durststrecke, bis UMTS sich auszahlt, werden nach Ansicht von Experten eine Konsolidierung des Marktes erzwingen.

Inzwischen ist es schon soweit gekommen: Selbst die ärgsten Konkurrenten in der Mobilfunkbranche wünschen dem anderen Glück. "Wir hoffen inständig, dass I-Mode bei den Kunden ankommt", sagt der Manager eines großen deutschen Mobilfunknetzbetreibers, "sonst haben wir alle ein Problem."

I-Mode, der Internetdienst fürs Handy nach japanischem Vorbild, ist für E-Plus und die Mutter KPN der Start ins mobile Multimediageschäft und für die gesamte Branche in Europa der Test für die späteren UMTS-Angebote. Kein Wunder, dass alle die Daumen drücken, soll doch die neue drahtlose Internettechnik die Unternehmen von ihren Sorgen befreien und ihnen sprudelnde Umsätze bescheren.

Milliardenschweres Projekt mit ungewissem Ausgang

Bis dahin steht den Unternehmen aber noch eine lange Durststrecke bevor, die nach Ansicht von Experten wohl nicht alle überleben werden. Denn die Telekomkonzerne ächzen unter hohen Schulden, kämpfen an der Börse mit immer neuen Tiefstständen und fahren Rekordverluste ein. Zum ersten Mal seit dem Börsengang hat die Deutsche Telekom im vergangenen Jahr ein Minus verbucht. Einen Verlust von 25 Mrd. Euro und damit das höchste Minus in der britischen Unternehmensgeschichte meldete Vodafone Ende Mai.

Die Hauptgründe des Übels: Die Telekom-Baisse, ein deutlich langsameres Wachstum des Marktes im Vergleich zu den Vorjahren und UMTS setzen den Unternehmen zu. Denn UMTS kommt später als angekündigt, entwickelt sich langsamer und ist auch mit geringeren Umsätzen verbunden, als zunächst kalkuliert. Kurzum: UMTS ist ein milliardenschweres Investitionsprojekt mit ungewissem Ausgang. Geht es schief, dann müssen nicht nur einige Großkonzerne Konkurs anmelden und die Banken hohe Verluste durch geplatzte Kredite verschmerzen. Dann könnte die Branche sogar für "starke politische Turbulenzen" sorgen, so ein Horrorszenario der Hypovereinsbank.

"Am Ende bestimmt die Größe des Unternehmens das Überleben", sagt Lars Godell, Telekomanalyst beim Marktforschungsinstitut Forrester Research. Demnach haben der weltweit größte Mobilfunknetzbetreiber Vodafone, die Deutsche Telekom, France Telecom und ihre Mobilfunktöchter die besten Chancen. Doch auch sie müssen sparen, um zu überleben.

Erstes Opfer dieses Sparzwangs durch den UMTS-Wahn könnte der norddeutsche Mobilfunkanbieter Mobilcom werden. Der klamme und hoch verschuldete Großaktionär France Telecom wollte die ambitionierten und teuren Pläne seiner deutschen Beteiligung, die schon im Herbst mit UMTS starten wollte, nicht länger finanzieren.

Das Ziel: Mit minimalem Aufwand überleben

Das wahrscheinliche Ergebnis: Mobilcom-Chef Gerhard Schmid wird aus seinem Unternehmen ausgekauft und France Telecom übernimmt das Ruder - das Ziel: Mit einem minimalen Aufwand überleben - bis sich eine bessere Lösung ergibt, vorzugsweise eine Fusion mit einem anderen UMTS-Lizenznehmer. Dem stehen bisher die deutschen Regulierungsregeln im Weg: Demnach müssten die fusionierten Unternehmen eine Funkerlaubnis abgeben und das Geld dafür abschreiben.

KPN bietet I-Mode seit zwei Monaten an und hat 34 000 Kunden in Deutschland und Niederlanden dafür begeistern können - ein verhaltener Start, der der Konkurrenz noch nicht so richtig Mut macht.

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