Für Einzelstarts geschont
Eisschnelllauf-Stars verlieren ihre Glaubwürdigkeit

Der Teamwettbewerb sollte das mediale Herzstück des Weltcups werden. Doch die besten Läuferinnen hatten in Berlin keine Lust darauf.

BERLIN. Auch das letzte sportliche Ergebnis dieses Eisschnelllauf-Weltcups in Berlin konnte die Stimmung nicht verbessern. Anni Friesinger wurde über 3000 Meter zwar überraschend Dritte, doch Claudia Pechstein landete nur auf Platz fünf, hinter Daniela Anschütz. Pechstein ist Weltmeisterin und Olympiasiegerin auf dieser Strecke.

Ihr Abschneiden passt ins Bild, das die besten deutschen Läuferinnen in Berlin abgaben. "Wir sind hier nun einmal nicht im Profibereich. Wir können nichts anordnen", sagte Günter Schumacher, der Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Schumacher musste sich rechtfertigen, warum er den egoistischen Stars nicht genügend auf die Füße getreten hatte. War nicht der Teamwettbewerb das mediale Herzstück des Weltcups? Und dann liefen am Samstag Monique Angermüller, Katrin Kalex und Katrin Mattscherodt. Friesinger, Pechstein, Völker und Anschütz, sie alle hatten keine Lust. Sie wollten sich schonen für die Einzelstrecken. Das deutsche Verlegenheitsteam landete auf Platz 13. Kanada siegte in Weltrekordzeit.

"Es hat doch keinen Wert, jemanden laufen zu lassen, der sich nicht fit fühlt", sagte Joachim Franke, Pechsteins Trainer. Auch Helmut Kraus, der Chef-Bundestrainer sagt: "Ein 1500-Meter-Rennen ist schon anstrengend." Das ist freilich nur die sportliche Sicht der Dinge. Aber es geht um mehr: um die Selbstdarstellung des Verbands, um Übertragungszeiten im Fernsehen, um die Glaubwürdigkeit der Stars. "Mit dieser Situation sind wir nicht glücklich", sagt Kraus daher auch. Und Schumacher sagt: "Ein paar Athleten denken zu individualistisch."

Der Teamwettbewerb wurde international aufgewertet, um Eisschnelllauf attraktiver zu machen. Biathleten und Langläufer haben Mannschaftswettbewerbe kreiert, um an die begehrten Fernsehzeiten zu kommen. Und wo könnte sich die deutsche Eisschnelllauf-Szene als Team besser darstellen als bei einem Weltcup in Deutschland, vor den Kameras des ZDF, mit drei Frauen, die Weltspitze verkörpern?

Vor der Saison haben Friesinger und Pechstein Sportdirektor Schumacher zugesichert, dass sie im Teamwettbewerb große Erfolge erreichen wollen, den WM-Titel in Inzell im Februar nämlich. "Im Moment entfernen wir uns von einer Medaille", sagt Schumacher. Freuen konnte er sich nur über den überraschenden zweiten Platz der Männer in deutscher Rekordzeit. Die Niederlande siegten mit Weltrekord - von Erschöpfung war nichts zu sehen.

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