Für Familien der Opfer
Thüringen stellt Soforthilfe bereit

Das Land Thüringen stellt nach dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium den Familien der Opfer eine Soforthilfe von jeweils 5000 Euro zur Verfügung.

Reuters ERFURT. Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) sagte nach einer Kabinettssitzung am Dienstag in Erfurt, die 16 Familien würden das Geld umgehend und ohne bürokratische Hürden erhalten. Es sei dazu gedacht, aktuelle Schwierigkeiten zu überbrücken und etwa Auslagen für die Bestattung zu ersetzen. Vogel kündigte zudem an, sein Land werde als Konsequenz aus dem Amoklauf den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat anrufen, um das am vergangenen Freitag im Bundestag beschlossene Waffengesetz noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Vogel sagte vor Journalisten, er werbe dafür, dass das novellierte Waffengesetz noch einmal gründlich im Vermittlungsausschuss beraten werde. Man könne dieses Gesetz nach den Ereignissen von Erfurt im Bundesrat Ende Mai nicht einfach ablehnen oder annehmen. Nötig sei eine breite Debatte. "Der Täter hat das bisherige Waffengesetz nicht gebrochen." Auch gemäß der im Bundestag verabschiedeten Neufassung wäre er rechtmäßig im Besitz seiner beiden Waffen gewesen. Vogel sagte, es stelle sich nun die Frage, warum ein so junger Mann über eine so große Menge Munition verfügen könne. Es müsse auch über die Aufbewahrung von Waffen zu Hause gesprochen werden und über die Frage, welche Sicherungen eingebaut werden könnten.

Kontakte zu zwei anderen Schulen

Die Behörden teilten am Dienstag zudem mit, die Schulbehörde habe dem 19-jährigen Robert Steinhäuser nach seinem Rauswurf vom Gutenberg-Gymnasium den Wechsel auf ein anderes Erfurter Gymnasium angeboten. Vogel sagte, nach den vorliegenden Unterlagen seien ihm zwei Schulen angeboten worden. Steinhäuser sei darauf aber nicht eingegangen. Nach seinem Verweis am 1. Oktober 2001 habe er am 5. Oktober von seiner alten Schule die entsprechenden Zeugnisse abgeholt. In der Folge habe er jeglichen Kontakt sowohl zu den Schulen und der Schulbehörde abgebrochen. Bis zur Tat hatte er demnach mehrere Monate lang keine Schule mehr besucht. Zunächst war der Eindruck entstanden, dass Steinhäuser nach dem Verweis vom Gutenberg-Gymnasium keine Gelegenheit mehr gehabt habe, das Abitur zu machen.

Zu Hause erweckte er nach Erkenntnissen der Ermittler den Eindruck, er gehe weiter in die Schule. Vogel sagte, die Schulbehörde habe keine Handhabe gehabt, da keine Schulpflicht mehr bestanden habe und er volljährig gewesen sei. Nach seinen Angaben hatte Steinhäuser der Schulbehörde untersagt, seine Eltern über den Rauswurf zu unterrichten. Da er volljährig sei, habe die Behörde sich daran halten müssen. Er selbst habe angegeben, seine Eltern von dem Wechsel zu unterrichten. Dies habe er aber offensichtlich nicht getan, sagte Vogel.

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